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Aktuelle Wirtschaftslage der KMU in Österreich
Die mittelständische Wirtschaft hat dank guter
Exportlage weiter Boden gutgemacht – Erwartungen
aber für 2012 deutlich gedämpfter
Der Mittelstand setzt im Windschatten der deutschen Wirtschaft als wichtigsten Exportpartner den Aufholprozess fort, das Vorkrisenniveau ist jedoch noch nicht erreicht. Das zeigt die Befragung von knapp 1.800 kleinen und mittleren Unternehmen im Herbst 2011 durch Creditreform. Danach wird die Geschäftslage von gut der Hälfte der Befragten (52,6%) mit „gut“ oder „sehr gut“ bewertet. Das ist ein ähnlich hoher Anteil wie im Jahr davor (52,1%). Von 9,0 auf 6,4% leicht gesunken ist der Anteil der Unternehmen, die ihre Geschäftslage mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ einschätzen.
Die Umsätze im Mittelstand sind 2011 weiter gewachsen, allerdings weniger dynamisch als im Vorjahr. Gut ein Drittel der befragten Unternehmen erzielte Zuwächse – 15,7% der Befragten mussten einen Umsatzrückgang hinnehmen. Vor einem Jahr berichteten 40,6% der mittelständischen Unternehmen von einem Umsatzplus und 21,6% von einem Minus. Im Baugewerbe verlief die Umsatzentwicklung moderater als im Jahr zuvor: Es meldeten weniger Baubetriebe einen Umsatzanstieg, aber auch weniger einen Rückgang. Eine merkliche Verschlechterung der Umsatzlage ist im Verarbeitenden Gewerbe festzustellen – Verbesserungen gab es nur im Dienstleistungssektor. In allen Wirtschaftsbereichen überwiegt aber weiterhin der Anteil der Betriebe, die per Saldo ein Umsatzplus melden.
Schlechter sieht es bei der Ertragslage aus: Der Anteil der Unternehmen, die in den vergangenen Monaten steigende Gewinne verbuchten, fällt mit 23,8% geringer aus als der Anteil der Unternehmen, bei denen die Erträge gesunken sind (26,2%). 2010 lag der Saldo der Ertragsmeldungen noch knapp im positiven Bereich.
Die mittelständische Wirtschaft sorgte 2011 erneut für einen positiven Beschäftigungsbeitrag. Jedes vierte Unternehmen (25,6%) stockte in den zurückliegenden sechs Monaten das Personal auf. Im Jahr zuvor war dies erst bei 23,5% der KMU der Fall. Besonders im Verarbeitenden Gewerbe wurden in den zurückliegenden Monaten viele Stellen geschaffen. 13,4% der Befragten mussten sich seit dem Frühjahr von Mitarbeitern trennen (Vorjahr: 13,6%).
Investitions- und Personalplanungen sehr zurückhaltend
Der Mittelstand und vor allem die exportabhängigen Unternehmen können sich der weltweiten Konjunkturabkühlung nicht entziehen. Noch sind die Unternehmen aber mehrheitlich optimistisch. Jeder Vierte (25,7%) rechnet in den kommenden Monaten mit steigenden Umsätzen. Im Jahr zuvor war es aber noch jeder Dritte (34,5%). Sinkende Umsätze
erwartet heuer jeder Fünfte (20,0%), nachdem sich vor einem Jahr nur 13,1% der Befragten pessimistisch zeigten. Deutlich gedämpfter sind die Umsatzerwartungen im Verarbeitenden Gewerbe. Hier überwiegt, anders als 2010, der Anteil der negativen Stimmen. Dienstleister und der Handel sind am optimistischsten, wenngleich auch in diesen Wirtschaftsbereichen die Aussichten schwächer beurteilt werden als vor Jahresfrist.
Auch die Ertragsaussichten werden schlechter eingeschätzt als im Herbst 2010. Gleichwohl rechnen immer noch 26,9% der Befragten damit, in den kommenden Monaten steigende Gewinne zu verbuchen (2010: 33,8%). Sinkende Erträge erwartet – wie auch schon im Jahr zuvor –
jeder Vierte (24,2%; 2010: 23,9%).
Die Zurückhaltung der KMU bei ihren Personalplanungen und Investitionsabsichten zeigt, dass sich das Konjunkturklima deutlich abgekühlt hat. Jedes sechste Unternehmen (16,2%) wird in den kommenden sechs Monaten den Per-sonalbestand voraussichtlich verkleinern. 2010 war das nur bei jedem Achten (12,7%) der Fall. Insgesamt wollen 13,2% der Unternehmen zusätzliche Mitarbeiter einstellen (2010: 13,3 Prozent). Damit dürften im Mittelstand unter dem Strich keine neuen Arbeitsplätze mehr entstehen. Neueinstellungen sind vermehrt allein noch im Handel geplant.
Die Investitionsbereitschaft im Mittelstand ist auf den niedrigsten Wert seit zehn Jahren gefallen. Nur noch 44,6% der befragten Unternehmer wollen in den kommenden Monaten Investitionen durch zuführen (2010: 50,7%). Allein am Bau sind mehr Unternehmen als vor Jahresfrist zu Investitionen bereit. Mit 40,6% vergleichsweise gering ist der Anteil der Erweiterungsinvestitionen. In der Mehrzahl sind lediglich notwendige Ersatz-investitionen geplant.
Den Aufschwung haben die KMU häufig mit Eigenmitteln finanzieren müssen. Aufgrund dessen sank die Eigenkapitalausstattung. Nur noch jedes dritte Unternehmen (33,6%; 2010: 37,0%) verfügt über eine Eigenkapitalquote von über 30%. Drei von zehn Unternehmen (29,7%; 2010: 26,7%) sind mit einer Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent zu schwach kapitalisiert.
Positive Auswirkungen auf das Zahlungsverhalten –
Rückgang bei den Unternehmensinsolvenzen
Die Aufschwungjahre 2010 und 2011 haben auch das Zahlungsverhalten verbessert. Zwei Drittel der KMU (64,9%) erhalten das Geld für die gelieferte Ware oder eine erbrachte Leistung nach spätestens 30 Tagen (2010: 60,3%). Dabei sind deutliche Verbesserungen im Zahlungsverhalten der öffentlichen Hand festzustellen. An dieser Stelle dürfte sich eine neue EU-Regelung bereits positiv ausgewirkt haben, wonach Lieferungen und Leistungen in der Regel nach 30 Tagen bezahlt werden sollen. Immer noch bewerten die befragten Unternehmen das Zahlungsverhalten des öffentlichen Sektors aber schlechter als das privater bzw. gewerblicher Kunden.
Forderungsverluste blieben auch bei guter Konjunktur nicht aus. Nur 13,7% der Unternehmen blieben von Zahlungsausfällen gänzlich verschont. Sehr hohe Forderungsverluste von mehr als 1,0% des Jahresumsatzes mussten aber nur 8,1% der Befragten hinnehmen (2010: 10,0%). Von Verschlechterungen berichtet das Baugewerbe.
Die Unternehmensinsolvenzen sind auf den niedrigsten Stand seit 2003 zurückgegangen, um 7,0% auf 6.194 Verfahren. Die Anzahl an eröffneten Verfahren ist um 6,6% auf 3.289 Unternehmen gesunken. In 2.905 Fällen (-7,4%) wurden die Insolvenzanträge mangels kostendeckenden Vermögens abgewiesen. Die seit 1 ½ Jahren geltende neue Insolvenzordnung zeigt ebenfalls positive Auswirkungen: Fast jedes 5. Verfahren ist bereits ein Sanierungsverfahren in dem versucht wird, das schuldnerische Unternehmen zu retten und die Gläubiger eine Mindestquote von 20 bzw. 30% erhalten.
Die Hauptursachen für das Scheitern der Unternehmen liegen in Managementfehlern
Wie z.B. einer mangelhaften Buchhaltung und fehlendem Risikomanagement, in einer unzureichenden Kapitalausstattung und in der allgemeinen Wirtschaftslage. Die Insolvenzrechtsnovelle ist wie es scheint zum idealen Zeitpunkt gekommen. Es bietet den krisenbehafteten Unternehmen ein geeignetes Instrument rechtzeitig im Rahmen des Sanierungsverfahrens den Turn-around zu schaffen.
Trotz oder gerade wegen der (Staats-)Schuldenkrise findet eine Entstigmatisierung der Insolvenz statt. Wer unverschuldet in eine Notlage geraten ist, soll eine zweite Chance erhalten.
Für 2012 ist mit einem leichten Anstieg der Firmeninsolvenzen zu rechnen, da durch sinkende Erträge die angekratzten Eigenkapitalpolster nicht verstärkt werden können und die Banken erhöhte Sicherheiten – auch in Hinblick auf Basel III – verlangen werden (müssen). Je früher man aber eine Krise erkennt und gegensteuert, umso besser für alle Beteiligte. Dazu bedarf es aber eines professionellen Risikomanagements als Unternehmens- und Krisenradar – nicht nur in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten. Ein ordentlich und verantwortungsvoll geführtes Unternehmen muss neben dem Wettbewerb, der Investition in Innovation und Effizienzsteigerung stets seine betriebswirtschaftlichen Kennzahlen im Blick haben, um gegebenenfalls sofort reagieren zu können. Besondere Aufmerksamkeit verdienen dabei alle Zahlen rund um die Themen Bonität, Kapitalausstattung und Liquidität. Denn spätestens seit 2011 wissen alle, Bonität ist ein hohes und wertvolles Gut.

Mag. Gerhard M. Weinhofer
Geschäftsführer
• Österreichischer Verband Creditreform
• Staatlich bevorrechteter Gläubigerschutzverband
www.creditreform.at

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