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EINSPRUCH. Dietmar Dworschak

Hände hoch! Auf Jugendliche von hinten schießen und bei Schwertransporten „Maut“ einheben als neue Arbeitsfelder der Polizei? Staatsanwälte zucken mit den Schultern, Politiker finden’s gut und die Bürgergesellschaft schweigt.

Was rund um die nächtlichen Schüsse in Krems nicht ans Licht kommt, füllt inzwischen mehrere schwarze Löcher im Weltall. Sarkasten würden es „Hornberger Schießen“ nennen, der halbwegs ausgeschlafene Bürger staunt. Die Frage, warum Prügel-, Tret- oder Schieß-Polizisten in Österreich „ihr Ding“ praktisch ausnahmslos ohne berufliche Konsequenzen durchziehen, stellt nachhaltig ein einziges Medium im Land: „Der Falter“.

Ab in den Alpenzoo!
Als es Anfang der 19-Siebzigerjahre in Salzburg die berüchtigte „Rathauswache“ gab, wo ein fettleibiger Polizist seine Bildungsferne intensiv durch regelmäßiges Verprügeln von Studenten dokumentierte, wurde medial auch schon eisern geschwiegen. In der lieblichen Stadt, die den Beatles per Transparent mitteilte, sie mögen sich doch in den Alpenzoo schleichen, hatten die Lokalredakteure durchaus Sympathie für die Devise: „Zuerst zum Friseur, dann an die Universität!“
In jenen Jahren fuhr ich als Reporter eines Nachts bei einem Polizeieinsatz mit. Ein führender Offizier tat um 23 Uhr die historische Bemerkung: „Wer um diese Zeit unterwegs ist, muss etwas zu verbergen haben!“

Schutz-Zone Politik/Boulevard
Wenn nun der NÖ-Landeshauptmann in seiner subtilen Art anmerkt, dass Jugendliche sich des Nachts durch bestimmte Verhaltensweisen die Polizistenkugel mehr oder weniger selbst abholten kann dies wohl nur als vorgezogene Belobigung der tätigen Beamten verstanden werden. Feuer frei?
Der Korpsgeist lässt ein zufriedenes Bäuerchen raus, das Amtkäppi kann wieder forsch ins Haar oder auf die Gladiatorenglatze gedrückt werden.
Der Polizeifotograf steht schon parat, das kantige Lächeln einzufangen und anderntags in der wichtigsten Abteilung des Blattes – „rauchende Colts“ – hochleben zu lassen.
Herzliche Dankesadressen vom Stammtisch.

ASFINAG neu
Ausländischen Autofahrern, erstmals in Österreich, geschieht bisweilen Wunderliches. In die von der Tourismuswerbung garantierte Schönheit des Landes verknallt, biegen sie ahnungslos über eine idyllische Autobahnabfahrt hinein in die Postkarte. Plötzlich springt eine Figur aus dem Gebüsch, die den Fremden gebieterisch zum Stehen bringt: Herr Asfinag, Rächer der Lärmschutzwände, Gottseibeiuns der Vignetten-Sünder.
Zahlreiche TV-Reportagen speziell im Hauptgästeland Deutschland unterstreichen den liebevollen Umgang mit den Gesetzlosen.
ASFINAG neu war noch nicht im Fernsehen. Unsere wackeren Polizisten, die bei Schwertransporten ein kleines Körberlgeld für ihre Eskorte (siehe auch „Escort Service“) einhoben, wollten dieses Zubrot partout nicht medienöffentlich machen.
Die Staatsanwaltschaft schloss sich dieser Meinung an und stellte alle diesbezüglich anhängigen Verfahren ein. Fein.

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