Die AKV Insolvenzstatistik - 1. bis 3. Quartal 2020

Die Gesamtinsolvenzen sind von 11 894 Fällen in den ersten drei Quartalen des Jahres 2019 um 26,9% auf 8 695 Fälle zurückgegangen. Die staatlichen
Maßnahmen zur Eindämmung einer Insolvenzwelle haben sich jedoch am
Firmen- und Privatkonkurssektor unterschiedlich ausgewirkt:

 

Obgleich bislang Corona bedingte Großinsolvenzen ausgeblieben sind und die eröffneten Firmeninsolvenzen um ein Drittel abgenommen haben, kam es dennoch zu einer regelrechten Explosion der Gesamtverbindlichkeiten auf EUR 4,4 Mrd. und auch die Anzahl der gefährdeten Arbeitsplätze ist annähernd gleich geblieben. Die öffentlichen Abgaben werden derzeit pauschal und ohne Kontrollmechanismen gestundet, sodass auch in diesem Bereich uneinbringliche Abgaben entstehen, die den Staatshaushalt negativ beeinfussen werden. Die durch pauschale und unkontrollierte Stundungen bedingten Insolvenzverschleppungen werden auch der Realwirtschaft höhere Forderungsausfälle bescheren. Es wäre daher wünschenswert, dass die öffentliche Hand Stundungen zukünftig wieder nur dann gewährt, wenn zuvor die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit überprüft und eine mögliche Zahlungsunfähigkeit ausgeschlossen wurde.

 

Eröffnete Firmeninsolvenzen pro Quartal

Sowohl die eröffneten als auch die abgewiesenen Privatkonkursanträge haben annähernd um ein Viertel abgenommen, sodass auch die gesamten Privatinsolvenzen um 24,8% zurückgegangen sind. Dieser Rückgang ist weitgehend auf die Zeit des Lockdowns zurückzuführen, wie eine Aufschlüsselung nach Quartalen zeigt.

 

Durch staatliche Gegenmaßnahmen (Stundungen, keine Insolvenzantragstellungen seitens der öffentlichen Hand, Corona-Kurzarbeit etc.) konnten seit März 2020 die Insolvenzen nicht nur eingedämmt werden, sondern die Anzahl der eröffneten Firmeninsolvenzen wurde in den letzten Monaten mehr als halbiert. Die eröffneten Firmeninsolvenzen von zuletzt 120 Verfahren pro Monat bewegen sich auf einem historischen Tiefstand. Durch die Corona-Kurzarbeit konnten Insolvenzen größerer und mittlerer Unternehmen, die durch die Pandemie betroffen sind, vorerst vermieden werden. Die bisher in den ersten neun Monaten des heurigen Jahres eröffneten Großinsolvenzen (u.a. Commerzialbank, Meinl Bank, Vapiano, Kremsmüller, Odebrecht, ATB Spielberg) stehen bezüglich der Insolvenzursachen in keinem oder nur untergeordnetem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

 

Ausblick

Die zukünftige Entwicklung sowohl am Firmen- als auch am Privatkonkurssektor wird daher von den weiteren staatlichen Lenkungsmaßnahmen abhängen. Mit dem Auslaufen der Hilfspakete werden mit geringer Zeitverzögerung die Firmeninsolvenzen ab 2021 wiederum steigen. Da nach der Einschätzung der Wirtschaftsforscher die Pandemie die Wirt- schaft ebenfalls über 2021 hinaus negativ beeinflussen wird, rechnet der Alpenländische Kreditorenverband zwar nicht mit einem „Insolvenz-Tsunami“, aber mit steigenden Insolvenzzahlen in den nächsten drei Jahren. Diese Steigerung wird bei einem Vergleich zum Jahr 2019 bis zu 15% betragen, bei einem Vergleich zu den reduzierten Eröffnungen des Jahres 2020 würde die Steigerungsrate sodann sogar 77% betragen, ein ebenfalls in der Nachkriegszeit bisher unerreichter Wert.