Das Lexis 360:  Eagle Eye Upgrade im Test

ANDREAS GEYRECKER, Director Product Development & Product Management

 

Das diesjährige Jahresupgrade der Recherchelösung Lexis 360® wurde von Anwalt Aktuell vorab für Sie getestet

 

In mehreren Gesprächen haben Vertreter von LexisNexis ihre Vision für die Zukunft der Rechtsrecherche skizziert: Eine Evolution hin zu Legal Intelligence mit fortschrittlichen Analyse- und Entscheidungsunterstützungen. Bereits mit dem „Watchdog“-Upgrade des letzten Jahres wurde mit den SmartSearch Alerts ein Vorab-Tracking rechtlicher Änderungen eingeführt und erstmals ein Legal Intelligence Feature in Österreich nutzbar gemacht. Das diesjährige Jahresupgrade heißt „Eagle Eye“. „Das Blickfeld von JuristInnen soll erweitert werden und bisher nicht erkennbare Zusammenhänge zwischen Gesetzen, Übergangsbestimmungen und dazugehörigen Richtlinien und Verordnungen sollen aufgedeckt werden. User sollen mit weniger Risiko in kürzerer Zeit bessere Entscheidungen treffen können.“, so Andreas Geyrecker, Director Product Development bei LexisNexis Österreich gegenüber Anwalt Aktuell. Die neuen Features sollen schrittweise für alle Lexis 360 AbonnentInnen freigeschaltet werden. Anwalt Aktuell konnte sich während der Testphase einen Zugang verschaffen und hat die neuen Features für Sie getestet.

 

Lexis SmartSearch –  noch mehr Zusammenhänge

Lexis SmartSearch analysiert die Relationen zwischen Gesetzen und verbundenen Normen und macht bei Unionsrecht und nationaler Gesetzgebung mit einer Visualisierung zusammenhängende Richtlinien, Verordnungen bis hin zu speziellen Detailnormen wie Strafbestimmungen und Übergangsbestimmungen sichtbar, die sonst händisch zusammengesucht werden müssten, oder oftmals unbekannt oder leicht übersehbar in ganz anderen Quellen enthalten sind. „Für Sie als Experte heißt das oberste Ziel: Nichts übersehen und dadurch Haftung vermeiden. Wir machen den Kontext einer Norm erstmals erschließbar und finden Stolperfallen, die ansonsten übersehen werden. Diese Informationen können wir nur aufgrund der einzigartigen millionenfachen Verknüpfungen in Lexis 360 gewinnen.

Für mehr Sicherheit und Geschwindigkeit.“, so Andreas Geyrecker. Im Test wurden damit auch einschränkende Be- stimmungen angezeigt, die – alles andere als naheliegend – in anderen Gesetzen enthalten waren: So fndet man zum Glücksspielgesetz Rückverweise im WiEReG. Selbstredend empfanden wir dieses Feature in diesem Fall als absolut sinnvoll. In den meisten Fällen wird es zwar hauptsächlich die Recherchezeit verkürzen, weil es einschränkende Normen anzeigt, die man ohnehin – mit mehr Zeitaufwand – überprüft hätte. Aber in Fällen, wo man auf neue Einschränkungen stößt, nach denen man überhaupt nicht gesucht hätte, ist dieses Feature tatsächlich viel mehr als nur ein Produktivitätsgewinn, wie es klassische Digitalisierung verspricht. Es liefert neuartige Informationen, die man nur mit diesem Feature gewinnen kann – Informationen, die potentiell die Handhabung eines Falles stark verändern oder sogar entscheiden könnten.

 

Neues Design

Die wahrscheinlich offensichtlichste Änderung ist ein komplett neues Design der Oberfäche. Die Darstellung erscheint nun viel luftiger und ist zugleich leichter zu lesen. Neu ist der Schnellzugriff-Button „Inhalte“. Er ist sowohl auf der Startseite als auch auf allen Unterseiten links oben verfügbar und enthält die Links zu den Quellen wie Handbücher, Kommentare, Zeitschriften, etc. Auf der Startseite wurde der Bereich, der bis jetzt diese Links enthielt entfernt, dafür ist der neue Button auf jeder Unterseite verfügbar, womit der Zugriff jederzeit möglich ist. Der Schnellzugriff enthält zusätzlich eine Liste der vom User häufg genutzten Inhalte. Ganz allgemein wurden dadurch Pfade in Lexis 360 verkürzt, womit man im Endergebnis mit weniger Klicks zum gewünschten Werk navigieren kann. Weiters ist es nun auch möglich innerhalb einer einzelnen Quelle im Volltext zu suchen bzw inner- halb einer Quellen-Übersicht – z. B. in allen Kommentaren – nach Titel oder Autor zu filtern.

 

Kommende Neuerungen

Es gibt eine Reihe von Features, welche erst aktiviert werden und wir daher noch nicht testen konnten:

 

•  Eine neue Suchfunktion wird mittels Natural Language Processing (NLP) ermöglichen, dass man in Lexis 360  gezielt nach Inhalten suchen kann, die einer thematisch vorgegebenen Textpassage ähnlich sind. Man markiert z. B. die Sach- verhaltsdarstellung eines Urteils und fndet andere Dokumente, die einen ähnlichen Sachverhalt behandeln.

 

•  Die Lexis SmartSearch Empfehlungen – ein Alleinstellungsmerkmal von Lexis 360 , die zu einem Dokument weiterführende Vorschläge liefern – sollen noch weiter verbessert werden und mit Hilfe besserer interner Vernetzung zu relevanteren Quellen führen.

 

• Neu ist auch die maschinell-gestützte Erkennung von Verweisen in Kommentaren. Damit werden erstmals Kommentare automatisiert mit Verlin- kungen angereichert, was ebenso Ende des Jahres verfügbar sein wird.

 

Fazit

Das visuell optimierte Design ist frischer und wird natürlich eine Umstellung sein. Die kürzeren Wege werden objektiv eine Zeitersparnis sein. Wir sind gespannt, was die weiteren angekündigten Neuerungen bringen werden. Bis dahin hat uns im Test die Übersicht über die verbundenen Normen am meisten überzeugt – es ist unbestreitbar hilfreich, wenn man auf neue rechtliche Zusammenhänge stößt. Diese neuen Funktionen erfüllten im Test durchaus das Versprechen, das „Blickfeld zu er- weitern“. Die neuen Lexis SmartSearch Funktionalitäten sind ein gutes Beispiel, wie Technologie eingesetzt werden kann, um innerhalb einer großen Masse an Informationen Abkürzungen herzustellen und Zusammenhänge aufzudecken, für die menschliche Anwender lange Zeit aufwenden müssten. Es ersetzt nicht menschliche Kreativität und die intelligente Auseinandersetzung mit juristischen Herausforderungen, sondern schafft mehr Raum dafür, indem sie repetitive Vorarbeiten sehr schnell und vor allem lückenlos erledigt.

 

Dank der Visualisierungen und Empfehlungen und Hinweise auf verbundene Normen bekommt man einen guten Gesamtüberblick.

 

Man weiß, dass die Technologie alle Inhalte der Datenbank durchforstet hat, und es hilft dabei nichts zu übersehen. Und ja, manchmal fördert die Technologie auch fallentscheidende Informationen zu Tage, die einem menschlichen Nutzer entgehen würden ses Jahr neue Maßstäbe in der Rechtsrecherche. Mehr erfahren: Lexis.at/EagleEye