RA Mag. Bettina Knötzl: Die neue Vizepräsidentin stellt sich vor

RA MAG. BETTINA KNÖTZL, Vizepräsidentin der RAK Wien

 

Mit großer Mehrheit wurde RA Bettina Knötzl am 8.10.2020 zur neuen Vizepräsidentin der Rechtsanwaltskammer Wien gewählt. Exklusiv für die Leser und Leserinnen hat ihr Anwalt Aktuell Einblicke in die Person hinter der Position entlockt.

 

Als ich im vorigen Jahrtausend, konkret im Jahr 1999, von einer österreichischen Tageszeitung zu meinem Karriereschritt zur Partnerin interviewt wurde, folgte ein Bericht mit folgender Überschrift:

 

Auf die Begeisterung kommt es an

Über 20 Jahre später, nun im Zusammenhang mit meiner neuen Aufgabe als Vizepräsidentin der Rechtsanwaltskammer Wien, passt die Überschrift genauso gut wie damals. Die Begeisterung für den Beruf des Rechtsanwalts, der Rechtsanwältin ist das Fundament meiner Tätigkeit, sei es als Rechtsberater oder auch im Dienste unseres Standes. Ich empfnde es als Pri- vileg, das mich mit Dankbarkeit erfüllt, diesen spannenden, herausfordernden Beruf in politischer, wirtschaftlicher und persönlicher Unabhängigkeit ausüben zu dürfen. Wie Sie sehen, verstehe ich mich – seit ich denken kann – als „Freigeist“. Argumentieren ist mir wohl in die Wiege gelegt worden. Vielleicht hängt meine Vorliebe zur Macht des Wortes mit meiner Familienkonstellation zusammen, wo gehört werden, für den/die Jüngs- te(n) nicht immer ganz einfach ist. Jedenfalls hat mir meine – literaturbegeisterte – Mutter mit Augenzwinkern den Spitznamen „Der Geist, der stets verneint“ verliehen. Die Replik liegt mir geradezu im Blut.

 

Das gilt auch für das Unternehmertum. Schon in der Volksschule hatte ich mein erstes kleines Geschäft gut zum Laufen gebracht. Die spätere Aufbauarbeit bei Wolf Theiss zu einer der führenden Großkanzleien, in der International Bar Associa- tion, wie auch die Mitbegründung meiner heutigen Kanzlei sind Ausdruck meiner Freude am Schaffen. Die kaufmännische Seite des Anwaltsberufs ist für mich ebenso spannend wie die advokatorische, akademische und lehrende.

Vermutlich, weil ich diesen Freiberuf mit so viel Leidenschaft ausübe, haben mich traditionelle Hürden, wie etwa die berüchtigte „Glasdecke“, zu Beginn meines Berufswegs wenig gekümmert. Als teils alleinerziehende Mutter, mit deutlich weniger technischen Möglichkeiten für Home Offce wie heute, galt mein ganzer Fokus unseren Mandanten, meinen Kollegen und dem Nachwuchs, dessen Ausbildung mir schon seit meiner Tätigkeit als Assistentin am Institut für Zivilrecht der Universität Wien ein wesentliches Anliegen ist.

 

Die Zeit ist reif

Jetzt will ich mir für die Beseitigung störender Hürden Zeit nehmen. So soll unser Beruf noch mehr junge Talente begeistern und in seinen Bann ziehen. Mit intensivem Einsatz, großer Leidenschaft und klaren Zielen, lässt sich viel erreichen. Aller- dings verlieren wir im Stand auch viele Talente, weil die Arbeitsbedingungen für junge Mütter (und auch Väter) zum Teil als zu nachteilig, zu hart empfunden werden. Wie die Kanzlei KNOETZL seit einigen Jahren vorlebt, muss das nicht sein. Als wir im Jahr 2016 mit der neuen Sozietät am österreichischen Markt starteten, wurde unser Unternehmen zwar herzlich willkommen geheißen aber zeitgleich auch kritisch beäugt. Unser Anspruch, die Gesamtbevölkerung, bis an die Führungsspitze naturgemäß abzubilden, und damit eine Plattform für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Rechtsanwaltsanwärterinnen und Rechtsanwaltsanwärter, Juristinnen und Juristen gleichermaßen zu schaffen, hat sich ganz natürlich – ohne große Anstrengung – erfüllt. Schon am Tag 1 waren wir „von Kopf bis Fuß“ divers. Das Geheimnis ist unser Auswahlkriterium: Top Qualität, menschlich wie fachlich. Dieses Kriterium erfüllen Kolleginnen wie Kollegen verteilt gleichermaßen (gut oder schlecht). Es überrascht daher nicht, dass alleine drei Partnerinnen, die zu den Pfeilern unserer Kanzlei gehören, Mütter von zwei oder mehr Kindern sind. Wir sind stolz darauf, dass sich bei KNOETZL Beruf und Familie unter einen Hut bringen lassen.

 

Spannende Aufgaben in der Kammer

Gemeinsam können wir noch viel zum Besseren verändern. Gemessen an der Geschichte der Rechtsentwicklung unlängst, nämlich vor weniger als 100 Jahren, im Jahr 1929 wurde die erste Frau (und Mutter) in Österreich Anwältin. Unser Stand hat immer gut daran getan, sich weltoffen zu präsentieren und gesellschaftliche Entwicklungen zu gestalten. Diese gestalterische Arbeit, die zu einem wesentlichen Teil von der RAK Wien geleistet wird, will ich gerne positiv beeinfussen und mit kreativen Ideen bereichern. Überdies warten auch viele administrative Aufgaben auf mich. Dank einiger Management-Erfahrung (jahrelange Leitung der Dispute Resolution Group von Wolf Theiss, Präsidentin bei Transparency International – Austrian Chapter, Vorsitz im Soupirium, dem ältesten Anwaltsclub Österreichs) mit einer Führungsrolle in der International Bar Association, wo mir zuletzt in den Jahren 2016/2017 die Leitung des Litigation Committee übertragen war, freue ich mich auf die Arbeit im Präsidium der RAK Wien. Ich werde die zahlreichen Anliegen unseres Standes mit großem Engagement verfolgen und sehe meinen Aufgaben mit Begeisterung entgegen, denn auf die Begeisterung kommt es an.