Das Schweigen der echten Mander

DR. PETER KOLBA kämpft mit dem Verbraucherschutzverein (VSV) für die Aufklärung der Corona- Causa Ischgl und betreut mehrere Sammelklagen im sogenannten  Diesel-Skandal www.verbraucherschutzverein.at

 

ZÖGERLICHE AUFKLÄRUNG. Obwohl der nächste Winter bereits knapp vor der Türe steht bewegen sich in der Causa Ischgl weder Politik noch Justiz spürbar. Die alpine Idylle des Schweigens wird wieder einmal vom Konsumentenschützer Peter Kolba gestört, der mit seinem Verein vier Einzelklagen eingebracht hat. Sammelklagen sollen folgen.

 

„Wäre das Paznauntal eine Woche früher geschlossen worden hätte man Österreich viel erspart“ sagt Dr. Peter Kolba, Obman des Verbraucherschutzvereins ( VSV ). Wenn er dann erzählt, wie chaotisch die Szenen am Freitag, dem 13. März in der Gegend waren, nachdem der Bundeskanzler davon sprach, dass das Tal gesperrt sei, dann beginnt man zu ahnen, wie behördliche Überforderung aussehen kann. 

 

Nur raus hier

Am legendären 13. März „wurden die Leute in Busse gepfercht“ und so rasch wie möglich aus dem Corona-verseuchten Tal hinausgebracht. Unter den panisch Abtransportierten war ein pensionierter Wiener Journalist, Mitte 70. Er verstarb Wochen danach an den Folgen einer Corona-Ansteckung, wobei nicht geklärt ist, ob diese in Ischgl beim Schifahren oder im Bus stattgefunden hat. Im Namen der Angehörigen bringt der VSV für diesen Mann Klage ein. Kläger Nummer zwei ist ein deutscher Geschäftsmann, der schwere Folgeschäden erlitten hat und seinen Verdienstentgang zurückhaben möchte. Als Kläger Nummer drei tritt ein deutscher Schifahrer auf. Kläger Nummer vier ist ein italienischer Geschäftsmann, der in Mün- chen wohnt und bei seiner Fahrt ins Paznauntal am 12. März angesteckt wurde, nachdem die Behörden ihm versichert hatten, dass keinerlei Gefahr bestehe.

 

Zuerst Einzel-, dann Sammelklagen

„In der ersten Phase bringen wir sukzessive Klagen für Klienten mit Rechtsschutzversicherungen ein“ sagt Peter Kolba. Parallel dazu laufe die Suche nach einem Prozessfinanzierer, der die Kosten für die Sammelklagen übernimmt. Der legendäre Konsumentenschützer (26 Jahre Jurist beim Verein für Konsumenteninformation, Cobin Claims) wundert sich über die Mischung aus juristischem Mauern und politischer Sprachlosigkeit. Ein Offener Brief des VSV an den Kanzler mit den Forderungen, die Verantwortung einzugestehen, eine Entschuldigung auszusprechen und Schadenersatz anzubieten blieb bisher unkommentiert. Dabei, meint Kolba, könnte man diesmal aus dem Beispiel Kaprun lernen. Dort wurde jahrelang pro- zessiert und die Gerichtsmappe ohne Schuldspruch geschlossen. Allein die hartnäckige Haltung der Hinterbliebenen führte Jahre später dazu, dass eine Kommission eingesetzt wurde, die schlussendlich finanzielle Entschädigungsleistungen ausarbeitete.

 

Transparenz? Wozu?

Dass das große Schweigen in Tirol Mitte August unterbrochen wurde, indem die Staatsanwaltschaft Innsbruck bekannt gab, gegen vier Personen in der Causa Ischgl zu ermitteln, erstaunt Kolba: „Die Sache ist zu groß geworden, da fängt man jetzt unten an, Schuldige zu suchen. Es läge nahe, den Landeshauptmann zu befragen und das Zusammenspiel zwischen Bund und Land zu untersuchen.“ Davon sei aber nichts zu hören. Man unterschätze einfach, welche Folgen daraus entstanden sind und weiter entstehen, dass von den 6.000 Touristen, die damals in Ischgl waren, 4.000 aus Deutschland stammten.

Das Thema sei jetzt, in Greifweite des Winters, medial lebendiger denn je: „Ich hatte mittlerweile Kontakt mit 200 Journalisten aus aller Welt – von der New York Times über den Guardian bis zum japanischen Fernsehen.“ Mit „Aussitzen“ und jahrelangen Prozessen erzeuge man in der (Welt)Öffentlichkeit nur weiteres Misstrauen.