Der Professor spricht zu den Kindern

PROFESSOR RUDOLF WELSER hat das erste Kinderbuch übers Recht geschrieben
PROFESSOR RUDOLF WELSER hat das erste Kinderbuch übers Recht geschrieben

RECHT IM REIM. Seit Jahren, sagt Professor Rudolf Welser, arbeitet er daran, das Thema „Recht“ auch an die Jüngsten heranzutragen. Das Ergebnis liegt nun vor: Mit strengen Reimen und liebevollen Zeichnungen (Robert Fucik) geht’s im Galopp durch den Rechtsstaat.

 

Wohlbekannt sind die Entscheidungstage österreichischer Maturanten und Maturantinnen: Medizin oder Jus? Von Medizin weiß man, dass der Aufnahmetest nicht zu schaffen ist, von Jus weiß man gar nichts. Also wählt man Jus.

 

Es mag den leidenschaftlichen Universitätslehrer Professor Rudolf Welser Jahr für Jahr geärgert haben, bei der Einführungsvorlesung in komplett leere Gesichter geschaut zu haben. Bis bei ihm die Erkenntnis reifte: Hier muss ganz früh geholfen werden. Passend zur Weihnachtszeit ist das entsprechende Werk nun erschienen: „Mama, Papa, was ist Recht?“

 

Gegen das Böse und für Gerechtigkeit

 

Welser macht einleitend klar, dass das Böse immer und überall lauert. Gäbe es nicht die segensreiche Erfindung des Rechts: „Um all dieses zu vermeiden und die Bösen zu vertreiben, um zu trennen Gut und Schlecht, gibt’s seit langem schon das Recht.“ Mit einem Beispiel aus der Schule führt der Autor in die Erlebniswelt der Kleinen. Das Buch berichtet zwar nicht, ob die Ungleichbehandlung von Resilein ausjudiziert wurde, lässt aber dessen Vater Grundsätzliches sprechen: „Ob Haare  schwarz, blond oder rot, für alle gilt des Rechts Gebot: Gerecht sein, heißt aufs Gleiche achten, und niemanden gering betrachten.“

 

Polizei und Gericht

 

Welser erläutert das breite Arbeitsfeld der Exekutive – vom Einbruch über Drogenhandel bis zur Verkehrsregelung inklusive Handy am Fahrrad: „So ist die Polizei vonnöten, ich wüsste nicht, was wir sonst täten, sie schaut auf’s Recht, niemand verletz‘ es! Sie ist das ‚Auge des Gesetzes‘.“

 

Im Kapitel „Gericht“ wird die kindliche Aufmerksamkeit auf die schillernde Palette von Verbrechen aller Art gelenkt: Mord, Raub, Diebstahl, Geldfälschen, Betrug… Ebenfalls, so erfährt man, kümmere sich das Gericht um Nachbarschafts- streitereien oder Nichtbezahlung von Schulden. Am Ende gibt’s jeweils eine Entscheidung: „Dem Richter sagt man, was man will, er hört zu und schweigt erst still. Doch dann prüft er im Gesetz, ob einer dieses hat verletzt, spricht im Urteil endlich aus, was rechtens ist – der Streit ist aus.“

 

Parlament und Universität

 

Was vielen Erwachsenen bis heute fremd ist, erfahren in diesem Buch jedenfalls die Kinder: Gesetze werden im Parlament gemacht! In einem weiteren Abschnitt erläutert Professor Welser die Arbeitswelt von Rechtsanwälten und Notaren. Schließlich landet er an der Universität, wo die Grundlagen für die Ausbildung zu einer Reihe von Rechtsberufen gelegt werden: „Das Recht hat vielerlei Gesichter: Beamter, Rechtsanwalt und Richter, Notar, Professor, Diplomat, für alles ist er Kandidat.“

 

Bevor das Buch ins Finale eines kleinen Rechtslexikons abbiegt beschwört der Autor noch eine Art kategorischen Imperativ: „Was immer ihr auch selber tut, fragt nicht nur, ob es für euch gut, denn wenn es auch für euch nicht schlecht, gut ist es nur, wenn es gerecht.“

 

Das sind in der herrschenden Ellbogengesellschaft mahnende Worte, die möglicherweise von den jungen Eltern, die sich gerade durchs Leben keilen, gar nicht verstanden werden. Wahrscheinlich passt das Buch besser in die altersfeckigen Hände der Großeltern, die noch mit der friedlichen Maxime „Mir wer’n kan Richter brauchen“ aufgewachsen sind.

 

Rudolf Welser, Mama Papa, was ist Recht? Buch, gebunden, 64 Seiten ISBN: 978-3-214-15354-0 MANZ Verlag Wien