Für mehr Diversität im Recht

„Wenn alle das Gleiche denken, gibt es keine Meinungsvielfalt“, meint MANZ-Chefn Susanne Stein-Pressl im Gespräch mit Alix Frank-Thomasser.
„Wenn alle das Gleiche denken, gibt es keine Meinungsvielfalt“, meint MANZ-Chefn Susanne Stein-Pressl im Gespräch mit Alix Frank-Thomasser.

Divers ausgerichtete Unternehmen sind widerstandsfähiger. Das zeigt sich gerade in der Coronakrise. Warum es mehr Diversität im Rechtsbereich braucht, erörtert die geschäftsführende MANZ-Gesellschafterin Susanne Stein-Pressl im Gespräch mit Alix Frank-Thomasser, einer der Initiatorinnen von „Women in Law – Frauen im Recht“.

 

Anlass für die Gründung von „Women in Law – Frauen im Recht“: das Missverhältnis zwischen jungen Frauen, die eine Ausbildung im Recht absolvieren, und jenen, die dem Berufsstand erhalten bleiben. „Der Anteil der Studentinnen und Rechtsanwaltsanwärterinnen liegt bei mehr als 50 Prozent“, erzählt Alix Frank-Thomasser. „Der Frauenanteil im Berufsstand hingegen machte vor Corona nur 23 Prozent aus.“ MANZ unterstützt die Initiative. „Nur dort, wo Vielfalt herrscht, kann auch Kreativität entstehen“, ist Susanne Stein-Pressl überzeugt. Im Sommersemester 2020 wurde bereits eine Lehrveranstaltung zu „Women in Legal Professions – Contemporary Issues“ abgehalten, die zweite Runde startete im Wintersemester. Dies mündet in eine Publikation, die Anfang 2021 im MANZ-Verlag erscheint.

 

Diversität als Grundwert

 

„Frauen stoßen bis heute an eine gläserne Decke“, sagt Stein-Pressl. Einen Hoffnungsschimmer sieht die MANZ-Geschäftsführerin: „Der öffentliche Bereich, insbesondere die Gerichtsbarkeit, hat in den letzten Jahren bei der Frauen- quote aufgeholt.“ Um Role Models ins Rampenlicht zu rücken, haben Women in Law und MANZ die kürzlich zum ersten Mal vergebenen Justitia Awards aus der Taufe gehoben. Ein wichtiger Aspekt für Stein-Pressl: „Diversität ist kein Selbstzweck, sondern zählt zu den Grundwerten. Als dem bedeutendsten österreichischen Verlag im Rechtsbereich und als großem Arbeitgeber kommt MANZ hier besondere Verantwortung zu.“ Die MANZ-Chefn schätzt Diversität als Katalysator für Innovation und Kreativität: „Wenn alle das Gleiche denken, gibt es keine Meinungsvielfalt. Undenkbar für ein Verlagshaus, das in Zeiten der Revolution von 1848 entstanden ist!“ Diversity Management wird bei MANZ auf allen Unternehmensebenen berücksichtigt. „Ein hoher Grad an Diversität führt zu mehr Resilienz. In der Corona-Krise hat uns das sehr geholfen.“

 

Legal Tech aus weiblicher Perspektive

 

Knowhow zum Thema findet sich im eigenen Haus: Lektorin Franziska Koberwein ist zugleich diplomierte Inhouse-Resilienztrainerin. „Der Begriff der Resilienz wird heute nicht mehr nur auf Individuen angewandt“, weiß Koberwein. „In einem Unternehmen ist die Vielfalt der Mitarbeiter, der Sichtweisen und Talente ausschlaggebend, um sich auf neue Herausforderungen einzustellen.“ Auch der sonst oft männlich dominierte IT- Bereich proftiert bei MANZ von Frauenpower: Marion Oberenzer treibt zentrale Legal Tech-Projekte wie den Linkbutler und die MANZ Cloud voran. Bei Umsetzung und Weiterentwicklung orientiert sie sich nicht nur an den technischen Möglichkeiten, sondern an den Workflows und Bedürfnissen der Kunden, wie sie schildert: „Unser Repertoire in der Marktforschung reicht von der Online-Befragung mehrerer tausend User bis zu ausführlichen qualitativen Interviews. Meist spiele ich anhand eines Prototypen mögliche Use Cases mit den Kunden selbst durch.“