Die Stimme der Frau in der Anwaltschaft

Die (junge) PartnerIn – Erfolg und Well-being, Ausschlussfaktoren oder wichtige Abhängigkeiten!

Welchen Herausforderungen muss sich 2024 ff die junge PartnerIn in der Anwaltskanzlei stellen?

Die Verhandlungen sind abgeschlossen, der Vertrag unterfertigt, Karriereweg und special skills auf der Website der Anwaltskanzlei prominent ausgewiesen, was soll da einer erfolgreichen Zukunft als PartnerIn noch im Wege stehen? Die Herausforderungen an die PartnerIn der Anwaltskanzlei 2024 ff sind mannigfaltig. Ohne verständiges Networking im Unternehmen kein Rückhalt im back office, ohne exzellentes Networking außerhalb der Kanzlei weder wiederkehrende noch neue Klienten. 

Ohne Verständnis für den sinnvollen Einsatz von digitalen tools im Arbeitsalltag, kein effizientes und gesichertes Arbeitsergebnis. Ohne gesicherte Kostenkalkulation kein zufriedenstellender Gewinn auf Jahressicht. Dazu kommen die Herausforderungen, die eigene fachliche Leistung und die der Mitarbeiter richtig zu verkaufen. Längst werden Zeithonorare von Klienten aller Art heftig kritisiert. Nicht ganz zu Unrecht! Oder würde irgendjemand einen Flug bei einer Fluggesellschaft buchen, die keinen Flugpreis bekannt gibt, sondern diesen von den tatsächlich verrechneten Flughafengebühren und vom Verbrauch des Kraftstoffes und allfällig notwendiger Zwischenlandungen abhängig macht?

 

Schließt die Bewältigung all dieser Herausforderungen jegliches Well-being für die in 2024 ff erfolgreiche PartnerIn und deren berufliches und privates Umfeld aus? Was bedeutet Well-being im Beruf und wie steht es zu Erfolg im Beruf? Jan-Emmanuel de Neve von der Said Business School, Oxford University nennt in der weltweit repräsentativen Studie Work and Well-being – A Global Perspective. 12 Faktoren, die unmittelbaren Einfluss auf die Qualität des Arbeitsplatzes haben und gleichermaßen für selbständig wie für unselbständig Erwerbstätige gelten.

 

Die Qualität des Arbeitsplatzes ist nach dieser Studie ausschlaggebend für das Well-being, einem glücklichen und erfüllten Berufsleben mit einem entsprechend positiven Ausschlag auf das Privatleben. Nach dieser repräsentativen Studie rangiert nicht etwa das Einkommen an erster Stelle der Skala der Arbeitsplatzqualität, sondern die Qulität der zwischenmenschlichen Beziehungen am Arbeitsplatz, wobei ganz besonders die gute Beziehung zu bzw. unter den „Chefitäten“, auch gleichzusetzen mit den Beziehungen der Partner:innen einer Anwaltskanzlei untereinander, hervorgehoben wird. Gleich danach kommt die Frage, wie dauerhaft interessant die Tätigkeit ist und erst danach der Zufriedenheitsindex mit dem Einkommen. Auf fast gleicher Ebene rangieren work life balance, Stress, Komplexität der Tätigkeit und eine mit der Arbeit verbundene Gefahrensituation, sowie Jobsicherheit. Die Frage, ob ich meinen Job als nützlich betrachte oder ihm sogar eine höhere Bedeutung für die Gemeinschaft zumesse, steht gleich nach den Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten, die der Beruf mit sich führt. Das führt uns auf direktem Weg zu den ESG – Environmental Social Governance – Kriterien (zu Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung), also die proaktive unternehmerische Steuerung der Auswirkungen, die unternehmerisches Handeln auf die Umwelt hat. ESG für die Anwaltskanzlei bedeutet genauso wie für jedes andere Unternehmen, die Kontrolle und Steuerung der Energie-, Transport- und Reisekosten ob deren Auswirkungen auf die Umwelt, wie auch die Frage, ob Mitarbeiter:innen und Patner:innen motiviert sind und in der Zusammenarbeit mehr sehen, als die bloße Erledigung eines Jobs. Eine solche Motivation kann ein besonderer pro bono Fall sein und der Umstand, dass herausragende Leistungen auch damit belohnt werden, dass im Namen der MitarbeiterIn ein Sozialprojekt mit einer Spende unterstützt wird.

 

Platz 8 auf der Skala der Arbeitsplatzqualität bestimmt hingegen, inwieweit ich meine berufliche Tätigkeit weitgehend selbstbestimmt ausführen kann. Bezeichnend ist, dass das Ausmaß der Gesamtarbeitszeit an letzter Stelle der Bestimmung für die Qualität des Arbeitsplatzes steht. Ein gutes Verhältnis zwischen den PartnerInnen, aber auch zwischen diesen und den Mitarbeitern, eine interessante und damit erfüllende Tätigkeit für jedermann in der Kanzlei und ein dem jeweiligen Beitrag angemessenes Einkommen führen offenkundig dazu, dass wir uns glücklich im Beruf fühlen und dieses Glück ist wiederum für den Erfolg im Beruf ausschlaggebend.

 

Wir werden unter anderem die ESG-Kriterien und deren Auswirkungen und vor allem Chancen für Frauen in Rechtsberufen im Rahmen der 5. Internationalen Konferenz vom 12. bis 14. September 2024 in Wien der The Initiative Women in Law – Frauen im Recht www.womeninlaw.info umfassend diskutieren.