Nationalratswahl 2017

RECHTSRUCK. Heinrich Heine’sche Schlaflosigkeit bei den Nachbarn: „Denk ich an Österreich bei der Nacht …“ Auch jenseits der Grenzen rechnet man mit schwarz-blau. Eine Stimmungs-Kostprobe von Reinhold Messner, Elmar Brok und spiegelonline.

 

Im Magazin „Datum“ meint der mit einer Österreicherin verheiratete Südtiroler Extremberg­steiger Reinhold Messner:

„Ich habe nicht Angst vor den Rechten, sondern ich habe Be­denken und große Sorgen, was die Rechte in Europa angeht. Nicht nur in Österreich oder Deutschland. In Deutschland gebärdet sich die AfD derzeit sehr unangenehm. Ich würde sagen: proletenhaft und mit Sprüchen, die nicht akzeptabel sind. In Österreich ist es schon länger so. Dort wissen wir, dass ein Drittel der Wähler rechtslastig ist. Die sind bei der Strache-Partei. Es scheint jetzt so, dass Sebastian Kurz bereit ist, sich dieser Rechten anzunähern, um Kanzler zu werden. Zum Teil bedient er sich dabei der selben Sprache wie Strache. Wenn also nach der Wahl wirklich Strache und Kurz miteinander regieren sollten, dann will ich von unserem sogenannten Vaterland nichts mehr wissen.“

 

Im Magazin PROFIL kommt einer der wichtig­sten Europapolitiker, Elmar Brok von der deut­schen CDU, zu Wort:

Profil: Merkel und Kurz sollen seit der Flücht­lingskrise nicht das beste Verhältnis haben.

Brok: Kurz muss anerkennen, dass der EU/Türkei-Deal entscheidend ist, und man das nicht leug­nen kann. Seitdem ist der Zufluss von Menschen aus der Türkei um 97 Prozent gesunken.

Profil: Kurz sagt aber, er habe die Migrations­route geschlossen, nicht Merkel.

Brok: Berlin denkt eher, dass dies keine vollstän­dige Wahrnehmung der Situation ist.

Profil: Das klingt nach belasteten Beziehungen.

Brok: Frau Merkel wird sicherlich bereit sein, mit einem Bundeskanzler Kurz gut zusammen­zuarbeiten. Aber er muss verstehen, dass man einander nicht öffentlich angreift. Kurz hat in deutschen Talkshows nicht gerade CDU- und Merkel-freundlich argumentiert. Ich kann mich nicht erinnern, dass Merkel das Umgekehrte ge­macht hätte.

 

Auf spiegelonline wundert sich Hasnain Kazim am Tag nach der Wahl über das Wahlverhalten der Österreicherinnen und Österreicher:

„Österreich ist eine heile Welt. Der Lebensstandard ist so hoch wie kaum irgendwo anders in der Welt. Dem Land geht es im Vergleich zu anderen Ländern unfassbar gut. Ja, es hat für seine Verhältnisse viele Flüchtlinge aufgenommen, aber es hat die Herausforderungen im Großen und Ganzen gut bewältigt. Und es könnte der Zukunft zuversichtlich entgegenblicken, trotz aller Problemchen … und dabei ein menschliches, freundliches,­ soziales Land sein. Aber nein, die Menschen sind grantig und wählen Protest … Anstatt Sozial-, Steuer-, Bildungs-, Wirtschafts-, Gesundheits-, Renten- oder Verkehrspolitik … spielten fast ausschließlich Flüchtlinge und Aus-länder, Zuwanderung und Islam die Hauptrolle im Wahlkampf. Die FPÖ gab hier die Marschrichtung vor, die ÖVP folgte schamlos, verpackte die rechtspopulistischen Inhalte nur hübscher und triumphierte am Ende sogar.“