„Sie können mit jedem Problem zu mir kommen“

JUNG. WEIBLICH. ERFOLGREICH. Am Hauptplatz von Schwechat betreibt Magister Kathrin Schuhmeister eine Kanzlei mit echter sozialer Nahversorger-Qualität. Bereits drei Jahre nach dem Start denkt die engagierte Rechtsanwältin an Expansion.

Interview: Dietmar Dworschak

Oft höre ich, ANWALT AKTUELL sei Wien-lastig und männlich. Umso erfreulicher, heute bei Ihnen zu sein, Frau Magister Schuhmeister. Es gibt sie also doch, die Frau als Anwältin …

 

Mag. Kathrin Schuhmeister: Ja, das gibt es durchaus. Auch in meinem Freundeskreis habe ich mehrere Anwältinnen, teilweise sogar mit Familie und Kindern. Die freie Zeiteinteilung, die man hat, ist für Frauen einfach attraktiv. Man muss sich nur diesen Sprung in die Selbstständigkeit trauen und bereit sein, Mag. Kathrin Schuhmeister wirtschaftliches Risiko zu tragen, auch auf die Gefahr hin, dass einem am Anfang die Mandanten nicht gleich die Türe einrennen. Man muss bewusst nach außen hin offen sein, bewusst schauen, dass man Mandate erhält … Gerade im ländlichen Bereich ist es wichtig, Charity-Veranstaltungen zu besuchen, Feuerwehrfeste zu sponsern etc. Da merkt man schon den Unterschied zur Stadt, auch von der Anwaltsdichte her.

 

Wenn ich mich in Ihren großzügigen, lichten Räumen umschaue, dann scheint sich Ihr Entschluss, vor drei Jahren eine eigene Kanzlei zu eröffnen, mittlerweile bestätigt zu haben?

 

Mag. Kathrin Schuhmeister: Absolut. Ich habe im Jänner 2016 eröffnet. Ich wollte unbedingt am Hauptplatz sein und nicht in der Nebengasse der Nebengasse. Aus meiner Erfahrung war das richtig, denn ein Objekt an einer guten Stelle zahlt sich in der heutigen Zeit speziell am Land einfach aus. Die Leute sehen uns, wenn sie vorbeifahren und es ist für mich verblüffend, wie viel Laufkundschaft zu uns kommt.

 

Wo liegen die Beratungsschwerpunkte Ihrer Kanzlei?

 

Mag. Kathrin Schuhmeister: Familienrecht und Erbrecht sowie Vertragserrichtung. Ich bin auch gerne im Strafrecht tätig, aber bei weitem nicht so viel. Der Schwerpunkt Familienrecht hat sich eigentlich durch die Selbstständigkeit entwickelt, weil ich die einzige weibliche Anwältin in Schwechat bin. Für mich war überraschend, dass offensichtlich auch viele Männer lieber zu einer Anwältin gehen. Offensichtlich wird angenommen, dass man als Frau vor Gericht vehementer auftritt. Mir scheint, dass nicht nur bei Scheidungen, sondern auch bei Unterhaltsfragen oder Obsorge gerne weibliche anwaltliche Unterstützung gesucht wird.

 

Was machen Sie im Vertragsrecht?

 

Mag. Kathrin Schuhmeister: Die Schwerpunkte sind Schenkungsverträge und Kaufverträge. Bei den Schenkungsverträgen steckt oft ein familiärer Zusammenhang dahinter, denn meine Mandanten denken im Zuge einer Testamenterrichtung bei mir häufig daran allfällige Liegenschaftsübertragungen im Familienverband bereits zu Lebzeiten regeln zu wollen. Es kommt immer darauf an, was die Leute wollen. Es gibt die eine Gruppe, die schon zu Lebzeiten die Dinge regeln will, was ich an sich sehr gut finde. Dann gibt es jene Leute, die bis zum Tod nicht darüber nachdenken wollen, hier muss man sohin im Testament Regelungen treffen.

 

Sie sind in der Gegend aufgewachsen, Sie kennen die Leute und Ihre Bedürfnisse, Sie sind mittendrin …?

 

Mag. Kathrin Schuhmeister: Genau so ist es. Ich bin in Himberg aufgewachsen, wo ich nach wie vor wohne. Ich kenne hier natürlich sehr viele Leute, was mir von den Kontakten ein bisschen hilft. Ein weiterer Vorteil ist, dass mein Großvater hier eine Kanzlei gegründet hat, die von meinem leider schon verstorbenen Vater und dessen Bruder fortgeführt wurde. Das ist etwas, was am Land sicher hilft. Aber grund­sätzlich ist es so, dass man schon aktiv akqui­rieren muss – und das ist in der Gegend hier einfach die bloße Präsenz. Das heißt, dass man sich immer wieder irgendwo blicken lässt – sei es bei Wirtschaftskammerveranstaltungen oder anderem … Wenn man ein halbwegs umgäng­licher Mensch ist und mit den anderen leicht ins Gespräch kommt, bleibt man einfacher im Gedächtnis.

 

Da ich sehr oft mit teilweise hoch spezia­lisierten Kollegen von Ihnen spreche ist das heute eine interessante neue Erfahrung für mich, auch wenn ich aus deren Richtung schon die leicht verächtliche Bemerkung „Wald und Wiese“ höre …

 

Mag. Kathrin Schuhmeister: Ich finde das absolut positiv. Ich bezeichne mich selber als „Wald und Wiesen“-Anwältin. Ich bin am Land, und ich sag den Leuten ganz offen: Sie können mit jedem Problem zu mir kommen. Ich arbeite mit einer Reihe von Spezialistinnen zusammen. Ich habe beispielsweise eine Kollegin mit Schwerpunkt Arbeitsrecht, an die ich Mandanten gerne weiterverweise. Wenn ich bei der Erstberatung das Gefühl bekomme, dass das Thema nicht in meinem Tätigkeitsfeld liegt, dann habe ich auch die Größe zu sagen: da habe ich jemanden an der Hand, an den ich Sie verweisen darf.

 

Viele junge Frauen biegen bei der Berufsentscheidung in Richtung Richterin ab, vergleichsweise eher wenige wollen Anwältin werden. Wie erklären Sie sich das?

 

Mag. Kathrin Schuhmeister: Ich finde, dass Anwältin ein absolut empfehlenswerter Beruf ist, wenn man das damit verbundene wirtschaftliche Risiko zu tragen bereit ist. Man hat relativ bald hohe Fixkosten, mit Kammerbeiträgen, Sekretariat usw. Ich bin jedoch der Meinung, dass es sich lohnt, vorallem auch langfristig. Ich habe das besondere Glück, dass meine Mutter und mein Vater wie auch mein Stiefvater selbstständig waren oder sind. Die Selbstständigkeit wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Meine Vision ist es, ein Unternehmen aufzubauen und groß zu machen.

 

Im Moment sehe ich nur Frauen in Ihrer Kanzlei. Ist das ein Statement?

 

Mag. Kathrin Schuhmeister (lacht): Sehr gerne sind auch Männer willkommen. Als ich vor einem Jahr die Konzipientenstelle ausgeschrieben habe, gab es auch viele Gespräche mit männlichen Bewerbern. Fakt ist, dass sich meine jetzige Konzipientin­ einfach besser geschlagen hat. Außerdem scheint mir, dass sich Männer eher in Richtung großer Wirtschaftskanzleien orientieren. Vielleicht ist da die „Wald und Wiesen“-Kanzlei in Schwechat weniger interessant.

 

Wie groß soll Ihre Kanzlei werden?

 

Mag. Kathrin Schuhmeister: Ich kann mir durchaus vorstellen, dass hier zwischen fünf und zehn Leuten in den nächsten Jahren arbeiten werden.

 

Frau Magister Schuhmeister, danke für das Gespräch.