Technische Praxis vs. Vertragstext


BAUEN IN SCHWIERIGEN ZEITEN. „Archimedes – Vereinigung zur Förderung des lauteren Wettbewerbs“ lud im Mai in Wien zur Tagung „Die Folgen schlüssigen Handelns auf Baustellen – im Gegensatz zu geschriebenen Verträgen.“

Zu diesem Thema konnte am 19.05.2022 im Radisson Blu Park Royal Palace Hotel in Wien der Präsident von Archimedes Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Berger (Salzburg) eine große Zahl von TeilnehmerInnen aus dem technischen und baujuristischen Bereich begrüßen. In seinem Eingangsstatement hat er dazu – thematisch – beginnend vor über 2000 Jahren im alten Rom dargelegt, wie wichtig das Bewusstsein darüber ist, dass grundsätzlich das Gewollte und erst in zweiter Linie wenn so vereinbart das Geschriebene zwischen Beteiligten auf Baustellen gilt. Die oft „naturwissenschaftliche Herangehensweise“ an Vertragstexte durch Techniker schaffe oft
nicht jene Klarheit die sich die Parteien wünschen. Dieses Zentralthema wurde von sechs Spitzenreferenten
aus den verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet.

DI Volker Schörghofer als Direktor im Dachverband der Österreichischen Sozialversicherungen konnte über ein Generalsanierungsprojekt eines Bürogebäudes des Dachverbandes berichten und aufzeigen wie entscheidend die völlige Transparenz des Gesamtvorgangs ist.

DI Stefan Knittel als Geschäftsführer von S-Link welche gerade die Verlängerung der Regionalstadtbahn (S-Link) im geologisch herausfordernden Untergrund von Salzburg plant und umsetzen wird berichtete über ein – auch vom skandinavischen Muster geprägtes – „Vorgehen zur Schaffung von Partnerschaft und Vertrauen“.

Univ.-Prof. Dr. Claudia Fuchs befasste sich mit der Möglichkeit vergaberechtlicher Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit nachträglichen Vertragsänderungen, was gerade im Lichte der momentanen Materialknappheit und Lieferkettenprobleme von besonderer Wichtigkeit war.

Univ.-Prof. DI Peter Bauer wiederum zeigte anhand der Fülle von in Bauverträgen vorausgesetzten Normen
die Problematik allgemeiner möglichst weit gefasster Bauvertragsbestimmungen auf.

Herr Direktor DI Johann Herdina konnte anhand großer herausfordernder Bauten im Kraftwerksbereich
die Wichtigkeit der völligen Transparenz selbst kleiner Entscheidungen und deren Dokumentation hervorheben.

Zusammenfassend wurde dann von Univ.-Prof. Dr. Johannes Flume (Linz) eine Summe aus Geschriebenem, Gewolltem oder Faktischem bei bauvertraglichen Vertragsbeziehungen gezogen.

Die regen Diskussionen und Anmerkungen der knapp 50 Teilnehmer bildeten den fruchtbaren Boden für neue Themen zum nächsten 13. Techniker/ Juristen Dialog.