Österreich wird zubetoniert II:

Leserbrief


Das Zubetonieren Österreichs geht munter weiter. Jeden Tag werden knapp 15 Hektar der nutzbaren Fläche versiegelt. Politisch gibt es dazu keine Reaktionen,
weder von Türkis noch von Grün. Am Rande des ÖVP Parteitages kürzlich in St. Pölten demonstrierten Bauern gegen den unaufhaltbaren Betonierungswahn.
Mit einem Leserbrief wendet sich auch eine Rechtsanwältin
gegen die schrankenlos „Versiegelung“:

Es ist zu begrüßen, dass sich Anwalt Aktuell mit dem Beitrag „Österreich wird zubetoniert“ dem Thema „Bodenverbrauch
und (Versagen der) Raumordung“ widmet.

Denn der Zusammenhang zwischen Boden- und Bauernsterben – verwiesen wird auf die ausführlichen Publikationen von H. Wohlmeyer dazu schon in den 80-er Jahren – und der Errichtung von hypertropher Infrastruktur, verbunden mit
der zunehmenden Zersiedelung und Verbauung der ökologisch hochsensiblen Landschaften Österreichs findet immer noch zu wenig kritische Beachtung. Dazu auch, dass ausschließlich eine nachhaltig stabile Landwirtschaft die Auswirkungen
des Klimawandels – mit dessen Ausprägungen stehen wir erst am Anfang – zu dämpfen vermag. Zukünftig werden dafür jedenfalls mehr Bodenflächen und weniger verbaute Infrastruktur benötigt.

Jedoch ist das Interesse an Hof- und Betriebsübernahmen massiv gesunken, sodass teilweise ganze Höfe mit sämtlichen Grund- und Bodenflächen auf den Markt geworfen werden und zur baulichen, gewerblichen oder industriellen Widmung
zur Verfügung stehen. Der derzeitige Status quo ist daher, dass Dörfer, Märkte und Kleinstädte ausgetrocknet sind, wogegen sich Einfamilienhaussiedlungen – meistens völlig ungeordnet durch ein Versagen der Raumplanung irgendwie und in alle Richtungen – in ehemals landwirtschaftlich genutzte Flächen ausdehnen. Geschäfte schließen, Einkaufszentren sind zum Generalversorger mit Unterhaltungsprogramm geworden, Autos dafür unverzichtbar.

Diese Negativ-Spirale ist aber nur ein Segment des darüberliegenden Negativprogramms Österreichs, nämlich dass der jährliche Ressourcenverbrauch viel zu hoch ist. Er liegt im Jahr 2020 bei 19t/Einwohner und stagniert seit Jahren auf zu
hohem Niveau (2008: 24t/Einwohner).

Jede Nutzung von Energierohstoffen, metallenen, nicht metallischen Mineralstoffen, Biomasse, Wasser und Luft führt zu einer Belastung der Umwelt in Form von Abfällen und/oder Emissionen – dahinter stehen klimarelevante Tätigkeiten, wogegen bedauerlicherweise seitens der Politik überhaupt noch keine nachhaltig wirksamen Schritte gesetzt wurden. Bekannt ist, dass die Ökostromziele bis 2030 nicht erreichbar sein werden.

Wünschenswert wäre gewesen, dass die derzeitige Regierung bei ihrem Amtsantritt schon einen  Maßnahmenplan hinsichtlich der umgehend und schnell voran zu treibenden Reduktion dieser Ressourcen-Verbrauchsmengen verabschiedet
hätte. Der Einsatz von R-Materialien in sämtlichen Wirtschaftsbereichen ist unterdurchschnittlich und noch überschaubar.

Jedenfalls geht und schreitet Österreich nicht, wie im letzten Weltklima-Bericht angekündigt, sondern es rennt in Richtung 5°C Erwärmung, wenn es nicht rasch gelingt diese extrem hohe Ressourcen-Übernutzung zu reduzieren. Dazu sei festgehalten, dass wir hinsichtlich der damit verbundenen Auswirkungen, den Hochwässern und Überschwemmungen in diesem Jahr und den letzten Jahren, dem Zerbröseln von Österreichs Bergen sowie der Gletscherschmelzen erst am Anfang stehen.

Rechtsanwältin FH-Lektorin Mag. E. Moser-Marzi