Wissen Sie wirklich, mit wem Sie Geschäfte machen?


Die Prüfung von Eigentumsverhältnissen und Firmenverflechtungen bei Geschäftspartnern ist wesentlicher Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg. Sie ist essenzieller Bestandteil des Risikomanagements und gleichzeitig Kernelement jedes Compliance Prozesses. Dabei wird die ohnehin schon aufwändige Aufgabe durch die Corona-Pandemie nochmals komplexer. Automatisierte Lösungen schaffen Abhilfe.

 

Von Carsten Ettmann, Senior Business Consultant, Dun & Bradstreet


Wer seine Geschäftspartner kennt, vermindert Risiken: Neben potenziellen Lieferengpässen, Zahlungsverzügen oder -ausfällen zählen dazu insbesondere rechtliche und Reputations-Risiken. Doch nicht nur die entsprechenden Behörden,
sondern auch Verbraucherschützer und andere Interessenvertreter werfen zunehmend prüfende Blicke auf potenziell kritische Geschäftspraktiken. Auch um den Ruf des eigenen Unternehmens und der eigenen Marke zu schützen, ist die genaue Prüfung von Lieferanten, Kunden und anderen beteiligten Dritten unabdingbar.

Dabei sorgt nicht nur die jüngste Verschärfung der Anforderungen an die Geldwäscheprävention durch die neueste EU Richtlinie mit ihrem erweiterten Deliktkatalog und ausgeweiteter Strafandrohung für zusätzlichen Handlungsbedarf in Sachen Compliance und Due Diligence. Die Corona-Pandemie erweist sich als zusätzliche Herausforderung. Denn sie hat nicht nur die Geschäftstätigkeit vieler Unternehmen ausgebremst, sondern gleichzeitig eine Vielzahl von Kriminellen auf den Plan gerufen.

Vor allem durch die Krise geschwächte Unternehmen geraten seit vergangenem Jahr verstärkt ins Visier krimineller Organisationen. Schließlich ermöglicht ihnen eine Übernahme, vielfältige illegale Aktivitäten unter dem Deckmantel eines legitimen Unternehmens zu betreiben. Dazu zählen beispielsweise die Erschleichung staatlicher Fördergelder und die Terrorismusfinanzierung. Besondere Bedeutung kommt in Zeiten eingeschränkter Reisemöglichkeiten und zahlreicher Lockdowns zudem der Einschleusung illegaler Gelder in den legalen Geldumlauf zu.

Entsprechend hoch ist das Interesse an potenziellen Übernahmekandidaten auch von Seiten organisierter Kriminalität. Bereits in den frühen Sommermonaten 2020 war eine exponentielle Steigerung in der Änderung von Unternehmenseigentümern zu verzeichnen. Klar ist: Hier waren nicht nur klassische Schnäppchenjäger unterwegs,
sondern vermehrt auch kriminelle Organisationen.

Es ist daher essenzieller denn je, zu verstehen, wer hinter potenziellen neuen, aber auch bestehenden Geschäftspartnern steht. Auch sie müssen gerade in Krisenzeiten, wie wir sie derzeit erleben, regelmäßig genau unter die Lupe genommen
und auf Veränderungen von Eigentumsverhältnissen hin überprüft werden. Diese sind nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich: Komplexe Konzernverflechtungen, Dependancen in Ländern mit undurchsichtigen Gesetzeslagen, unvollständige staatlich geführte Register haben zur Folge, dass sich Unternehmens- und Eignerstrukturen häufig nicht einfach per Google-Suche durchleuchten lassen. Das gilt schon im Bereich legal operierender Unternehmen; gerade die organisierte Kriminalität tut indessen viel dafür, sie möglichst geschickt zu verschleiern.

Ohnehin stößt die manuelle Prüfung von Geschäftspartnern fast immer schnell an ihre Grenzen. Eine Handvoll sorgsam ausgewählter Lieferanten und Kunden lässt sich sicherlich manuell überwachen. Je größer aber Anzahl und Spektrum von Geschäftspartnern, desto aufwändiger wird es, die entsprechenden Compliance-Verpflichtungen zu erfüllen, die sich aus den genannten Vorschriften ergeben.

Kernstück dieser Vorschriften ist die Identifizierung und Verifizierung von wirtschaftlich Berechtigten (Ultimate Beneficial Owner, UBO). Der wirtschaftlich Berechtigte ist laut Geldwäschegesetz jene natürliche Person, die den jeweiligen
Geschäftspartner kontrolliert. Auf ihr Geheiß werden Transaktionen durchgeführt und Geschäftsbeziehungen geschlossen. In der EU-Geldwäscherichtlinie ist dabei festgelegt, dass Informationen bezüglich des UBO sowohl überwacht als auch auf
dem neuesten Stand gehalten werden müssen.

Insbesondere wenn die Geschäftspartner in großen Firmenverflechtungen vernetzt sind, wird diese Überwachung schnell sehr komplex: Es gibt meist mehr als nur einen Shareholder und damit mehr als einen UBO. Daher gilt zu prüfen: Wer hält
wie viele Anteile, wer sind die Shareholder, wer sind die UBO, und wer hat möglicherweise eine Ausstrahlwirkung, beispielsweise weil er maßgebliche Kontrolle über die Muttergesellschaft des Geschäftspartners ausübt? Dabei sind Berechtigungen komplex, und Veränderungen treten oft auf mehreren Ebenen auf.

Vielfach lassen sich UBOs nur schwer berechnen und noch schwerer auf dem neuesten Stand halten. Nicht umsonst machen Ermittlung des UBO und der Unternehmensstruktur zeitlich den Löwenanteil im Onboarding-Prozess neuer Geschäftspartner aus: Im Durchschnitt benötigt man für das Onboarding eines Business Partners zehn Stunden. Davon entfallen im Normalfall allein sechs Stunden auf die Identifikation und Verifikation des wirtschaftlich Berechtigten. Auch
die fortlaufende Überwachung bestehender Partner ist mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden.

Herauszufinden, wie UBO-Informationen eingeholt und überwacht werden können, ohne dabei Abstriche bei der Effizienz zu machen oder den betrieblichen Aufwand erheblich zu erhöhen, bleibt daher für viele Unternehmen eine echte Herausforderung.

Automatisierte Prozesse wie zum Beispiel das UBO Monitoring von Dun & Bradstreet unterstützen Unternehmen dabei, die Komplexität in ihrer Due Diligence zu reduzieren und dabei manuelle Arbeit einzusparen. Web-basiert oder per API-Schnittstelle bieten derartige datenbasierte, automatisierte Lösungen Zugriff auf alle relevanten Informationen zu einer stetig wachsenden Anzahl von Unternehmen weltweit – von wichtigen Kennzahlen über strukturelle Verflechtungen bis zu den wirtschaftlich Berechtigten und zu einem Abgleich mit beispielsweise Sanktionslisten. Und das per Knopfdruck oder als Push-Dienst nahezu in Echtzeit.

Ein automatisiertes Monitoring ermöglicht die Überwachung des gesamten Geschäftspartner-Netzwerks mit größerer Effizienz. Automatisierte Meldungen über Veränderungen in den UBO-Strukturen von Kunden, Lieferanten oder Dritten
halten stets auf neuestem Stand; turnusmäßige Prüfungen von Geschäftspartnern können so entfallen oder sind bedeutend schneller abzuwickeln. Das senkt den betrieblichen Aufwand, der mit der Prüfung von Berechtigungen Dritter verbunden ist, erheblich und sorgt so für Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen, ohne die vollumfängliche Erfüllung von Sorgfaltspflichten zu gefährden.


Carsten Ettmann
Senior Business Consultant Risk & Compliance Consulting
E-Mail: ettmannc@dnb.com
Dun & Bradstreet Austria GmbH
Tel.: +43 1 58861 0
www.dnb.com/de-at