Sind Frauen schlechtere Unternehmerinnen?


Mag. Sabrina Obelojer, Mag. Therese Frank LL.M.
Mag. Sabrina Obelojer, Mag. Therese Frank LL.M.

ANWÄLTIN ODER FAMILIE? Dass es in der österreichischen Advokatur nur 23 Prozent Frauen gibt, hat sowohl handfeste wirtschaftliche wie auch gesellschaftlich-atmosphärische Gründe. Nur Juristinnen mit solidem finanziellen Background können sich die Etablierung einer Kanzlei sowie die Kammerumlage leisten. Anlässlich eines Anwaltstreffens berichteten zwei junge Wiener Anwältinnen, denen es „trotzdem“ gelungen ist.

Es hätte ein freundschaftlich männlich-weibliches Geplänkel werden können, als man sich am Vormittag des 12. November im Hotel Pitter in Salzburg traf. Die Deutsch-Österreichische Juristenvereinigung (DÖJ) startete ihre Jahrestagung mit dem Thema „Anwältin – ein Auslaufmodell?“. Am Pult: Mag. Sabrina Oberlojer und Mag. Therese Frank LL.M., beide junge Anwältinnen aus Wien. Vorweg kann bereits gesagt werden: SO hatten sich die Referentinnen den Ausgang ihrer Provokation nicht vorgestellt.

 

Empfehlungen gegen den Beruf

Anfänglich herrschte noch morgendlich-konzentrierte Gemütsruhe, als es um Einstiegsbedingungen für österreichische Juristinnen in den Anwaltsberuf ging. Wer wollte schon widersprechen, wenn Sabrina Oberlojer berichtete: „Bereits an meinem ersten Tag als Jus-Studentin wurde uns Frauen gesagt, dass wir, wenn wir Kinder haben wollten, keine Karriere machen könnten.“ Dieser freundliche Empfehlungs-Grundton sei auch während der Konzipientinnenzeit fortgesetzt worden: „Am besten werden Sie Richterin!“

Unruhiger wurde das überwiegend männliche Auditorium spätestens, als die beiden Anwältinnen rund um die Frage „Krieg ich ein Kind oder werde ich Anwältin?“ einige massive Hinderungsgründe für „Frau als Anwältin“ ins Treffen führten.
Die Feststellung, dass eine Junganwältin zum Berufsstart bereits 18.000 Euro Kammerumlage pro Jahr abzuliefern hat wurde mit der (männlichen) Bemerkung quittiert, dass ja nicht jede/jeder Jurist/in Unternehmer/in werden müsse.Das sei auch in der Wirtschaft so.

 

Das Rollenbild ist stabil männlich definiert

Therese Frank verwies in der Folge darauf, dass insbesondere jüngeren Juristinnen das Verständnis dafür fehle, wie „der Anwaltsberuf“ definiert sei, nämlich rein männlich. Sowohl in der Schreibweise wie auch in der Standeskommunikation suche man vergeblich die „Anwältin“. In den Sozialen Medien rumore es zu diesem Thema gewaltig. Auch aus dem Land der unbegrenzten (weiblichen) Möglichkeiten kommen keine besseren Signale, wie die beiden Referentinnen aufzeigten. Auf „Bloombergbusiness“ im Internet war zu lesen: „Men who take six months of paternity leave are ‚losers‘“. Dieser Eintrag gefiel 50.679 mal.

 

Widerspruch: Wir brauchen Männer-Förderung im Richteramt

Richtig deftig wurde die Diskussion spätestens nach der Bemerkung eines „gestandenen“ Anwalts, man möge doch einmal in die Gerichte hineinschauen, die ja mittlerweile von einer soliden weiblichen Mehrheit dominiert würden. Wer sorge denn endlich hier dafür, dass den Männern eine Parität eingeräumt werde? Die Frage lautete jetzt nicht mehr, wie es Juristinnen leichter gemacht werden könne, im Anwaltsberuf Fuß zu fassen, sondern vielmehr, was getan werden sollte, die „weibliche Übermacht“ in der Richterschaft zu begrenzen. Wohltuend faktisch berichtete ein steirischer Anwalt von seinem Versuch, Konzipientinnen zu Partnerinnen seiner Kanzlei aufzubauen. Das Ergebnis: Praktisch alle Frauen landeten beruflich woanders – bei Gericht oder in der Verwaltung. „Weil sich das einfach besser mit dem Thema Familie vereinbaren lässt.“

 

Und die Branche selbst?

Auch zur Frage, welche Karrieremöglichkeiten große Kanzleien anbieten, konnten die beiden Referentinnen keine motivierenden Positiv-Nachrichten präsentieren. Ihre Untersuchung des Anteiles weiblicher Equitiy-Partner erbringt düstere Ergebnisse. Anglo-amerikanische Law-Firms führen (wohl wegen der dort stärkeren Frauen- Positionen) die Statistik mit bis zu einem Drittel weiblicher Partner an, bei großen österreichischen Sozietäten liegen die Anteile bei etwa fünf Prozent. Interessanterweise auch bei solchen, die in ihrer Kommunikation gern und oft das Thema Diversität verwenden. Die Diskussion insgesamt zeigte klar, dass der Weg in eine geschlechtermäßig ausgeglichene Berufszukunft noch lange und schwierig sein wird. Therese Frank: „Das Ziel ist erst erreicht, wenn es von der Geschlechtszuordnung niemanden mehr interessiert, wer da vorne steht.“