„Wir versuchen, so wenig Rechtssstreitigkeiten wie möglich zu haben“


MAG. MICHAELA SCHNEIDER
MAG. MICHAELA SCHNEIDER

Während ganz Österreich im vierten Lockdown liegt, stehen die Räder bei der JAF Gruppe mit Konzernzentrale in Stockerau alles andere als still. Eines der führenden Holzhandelsunternehmen Europas arbeitet auch in der Gesundheitskrise auf Hochtouren.

 

Interview: Dietmar Dworschak

 

 

Während ganz Österreich im vierten Lockdown liegt, stehen die Räder bei der JAF Gruppe mit Konzernzentrale in Stockerau alles andere als still. Eines der führenden Holzhandelsunternehmen Europas arbeitet auch in der Gesundheitskrise auf Hochtouren.

Eine, die am Tag eins der vierten bundesweiten Ausgangssperre besonders viel zu tun hat ist Mag. Michaela Schneider, die Leiterin der Rechtsabteilung des Unternehmens. Es geht gerade um die Definition und Koordination der Corona-Maßnahmen am Arbeitsplatz. Immerhin ist eine Regelung für über 800 Arbeitsplätze in Österreich zu treffen. Dazu kommen noch die komplizierten Fragen der Tests für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

 

Führend im Holzhandel

Die JAF Gruppe, in Österreich unter J. u. A. Frischeis, bekannt, wurde 1948 in Stockerau gegründet, sie ist heute ein Konzern mit ca. 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an 56 Standorten in 17 überwiegend zentraleuropäischen Ländern. Der Schwerpunkt der Tätigkeit liegt im Großhandel – Holzeinund -verkauf – sowie Bearbeitungs-Services für gewerbliche Kunden. Eine eigene Rechtsabteilung hat das Unternehmen erst seit 11 Jahren, als Mag. Michaela Schneider die juristischen Agenden zu einer eigenen Einheit entwickelte. Derzeit sind neben Frau Schneider eine weitere Juristin sowie je eine verantwortliche Person für Compliance und für Arbeitsplatzsicherheit tätig, ein Junior-Jurist/eine Junior-Juristin wird gerade gesucht.

 

Umfangreiches Portfolio

Die internationalen Aufgaben der relativ kleinen Rechtsabteilung sind ebenso umfangreich wie vielfältig. Da geht es beispielsweise um Compliance- Regelungen in 18 verschiedenen Ländern. Sämtliche gesellschaftsrechtlichen Causen und M&A-Transaktionen werden in Abstimmung mit lokalen Rechtsanwaltskanzleien von hier gesteuert. Internationale Vertragsgestaltung und Vertragsprüfungen in allen erdenklichen Rechtsbereichen gehören zum täglichen Geschäft der Rechtsabteilung. Die operativen Einheiten werden im Tagesgeschäft z. B. im Falle von Reklamationen oder Lieferschwierigkeiten unterstützt. Daneben betreut Mag. Michaela Schneider mit ihrem Team auch den gesamten Versicherungspool des Unternehmens.

 

International denken, in der Nähe leben

Internationalität bestimmt hier das Tagesgeschäft. Grenzüberschreitende Verträge sind in der Regel in Englisch und einer weiteren Fremdsprache verfasst. Mehrsprachige und transkulturelle Korrespondenz ist selbstverständlich, etwa, wenn es um die Abwicklung eines internationalen Direktgeschäfts geht. Dass auch Digitalisierung in einem solchen Umfeld kein Fremdwort sein darf versteht sich von selbst. Die Verantwortung der Rechtsabteilung umfasst somit ebenfalls Themen wie E-Signatur, E-Learning und digitales Vertragsmanagement zur optimalen Auffindbarkeit und Vermittlung von Wissen. Und wie wird man Leiterin einer derart komplexen Rechtsabteilung? Michaela Schneider, die aus Hollabrunn stammt, studierte Rechtswissenschaften in Wien. „In eine Kanzlei oder zu einem Gericht hat es mich nicht gezogen“ erinnert sie sich. Stattdessen wurde sie Assistentin an der Wirtschaftsuniversität in Wien. Familie (drei Kinder) und die Lebensqualität „am Land“ waren dann die Motive, sich „in der Nähe“ nach einem Arbeitsplatz umzusehen. Dieser wurde vor 13 Jahren in der Personalabteilung der JAF Gruppe angeboten.

 

Holz und die Frauen?

Und wie geht es Frauen in der Holzbranche, mit der man große Säge, und wuchtige Männermuskeln assoziiert?
„Gut“, sagt Michaela Schneider. „Bei uns gibt es viele weibliche Führungskräfte“. Jedenfalls der Rechtsabteilung scheint diese Tatsache gut zu tun: „Wir versuchen, so wenig Rechtsstreitigkeiten wie möglich zu haben.“ Und das ist in diesen Tagen gar nicht so leicht. Denn neben den zahlreichen Turbulenzen rund um Corona hat auch der Holzhandelschwer mit den weltweiten Lieferproblemen zu kämpfen. Optimistischer Schlusssatz: „Bis jetzt sind wir gut durch die Krise gekommen.“


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