12-Stunden-Tag und Muttersein

UNVEREINBARKEIT. Beträchtliche gesundheitliche Zusatzbelastung, fehlende staatliche Kinderbetreuung und massive Störung des Familienlebens sind die markantesten Folgen des neuen Arbeitszeitgesetzes.

Beitrag: RA Mag. Katharina Braun

 

Befürwortern des 12-Stunden-Tages zufolge habe sich durch die Einführung desselben nichts geändert. Es habe sich im Wesentlichen lediglich der Spielraum für die Verteilung der Arbeitszeit erweitert. Durch diese Flexibilität könnten sich Arbeitnehmer nun über lange Wochenenden freuen. Überhaupt sei Studien zufolge die Arbeitszeit in Österreich die letzten Jahre kontinuierlich am Sinken. Ausdrücklich festzuhalten ist in diesem Zusammenhang aber, dass diese gesunkene Arbeitszeit vor allem auf den Umstand zurückzuführen ist, dass eben viele Frauen in Teilzeit arbeiten. Noch immer ist die staatliche Kinderbetreuung mit einer Vollzeitbeschäftigung in Österreich nur schwer zu vereinbaren. Lediglich für 36 Prozent der Kinder im Volkschulalter, so Expertinnen der Arbeiterkammer, gebe es eine schulische Tagesbetreuung bzw. eine außerschulische Betreuungseinrichtung. Nur jedes dritte Kind in Österreich hat also einen Platz, der mit einem 8 Stunden Tag vereinbar ist. Bei einem 12 Stunden Tag spitzt sich die Situation noch um einiges zu. Nur in Wien gibt es elementare Bildungseinrichtungen, die 12 Stunden geöffnet haben. Im Rest von Österreich haben ganze 2 Prozent der Krippen und Kindergärten so lange Betreuungszeiten.  Bei den Volksschulen gibt es de facto gar keine 12 Stunden Betreuung. In vielen Gegenden Österreichs gilt Frau noch immer als Rabenmutter, wenn das Kind am Nachmittag im Hort sein muss. Hinzu kommt der soziale Druck für Mütter, sich ins Schulleben aktiv einzubringen. So hat Mutti die „gesunde Jause“ für die ganze

Kindergartengruppe/Volkschulklasse, natürlich selbst gemacht, auf den Tisch zu zaubern. Ich schreibe hier bewusst Mutti; denn der Normalfall in Österreich ist noch immer jener, dass Haushalt/ Kinderbetreuung als Aufgabe der Frau gilt. 

 

Alleinerziehende besonders betroffen

Abgesehen von dem mangelnden Betreuungsangebot für Kinder kann es nicht Sinn der Übung sein, dass Kinder bis zu 13 Stunden im Kindergarten/in der Schule auszuharren haben. Besonders betroffen von der Arbeitszeiterhöhung sind die Alleinerzieherinnen. Auch verfügen Alleinerzieherinnen meist über ein geringes Einkommen. Für diese ist die Fremdbetreuung der Kinder sohin nur schwer leistbar. 

 

Hallo, ist da Jemand?

Soll bitte eine Mutter ihrem Kind sagen: „Ich bin dann mal von Di bis Do weg, dafür hast Du mich dann, verlängert zum Wochenende. Vorausgesetzt ich kippe nicht vor Müdigkeit um.“ Zeit zum Erholen wird Mutti am verlängerten Wochenende nicht haben. Denn Einkauf und sonstige Erledigungen bleiben an den langen Arbeitstagen liegen und müssen dann in der sogenannten Freizeit nachgeholt werden. Von quality time ist nicht die Rede.

 

Familienleben und Kinder lassen sich nicht auf Zeitblöcke beschränken

Auch wenn die Erhöhung der Tagesarbeitszeit nicht der Normalfall sein soll, sondern einem Vorliegen eines erhöhten Arbeitsbedarfs vorbehalten ist, steigt die Unsicherheit der Arbeitnehmer, fühlen sich diese unter Druck gesetzt. Denn wer wagt es schon seinem Chef abzusprechen, dass der Einsatz als Mitarbeiter gefordert ist? Daran ändert auch nichts die Möglichkeit des Arbeitnehmers, das Aufstocken auf die 11. oder 12. Stunde oder eine über 50 Stunden hinaus gehende Wochenarbeitszeit grundlos abzulehnen. (geregelt ist diese Möglichkeit in § 7 Abs 6 Arbeitszeitgesetz). Denn auch eine Kündigung eines Mitarbeiters durch den Arbeitgeber bedarf keiner Begründung. We r  nicht Einsatz, Freiwilligkeit zeigt, läuft Gefahr, den Job zu verlieren. Arbeitszeitüberschreitungen gab es schon immer, doch standen diese unter Sanktion. Ein 12-Stunden-Tag, wenn er nicht die Ausnahme ist, stellt zudem eine enorme gesundheitliche Belastung dar. Es ist das grundsätzliche Recht eines Arbeitnehmers auf geregelte Freizeit. Freizeit, in welcher der Arbeitnehmer von langen Arbeitszeiten nicht so übermüdet ist, dass er seine Familie nicht mehr richtig mitbekommt. Es ist eine Entscheidung ob man selbst/ oder unselbständig erwerbstätig ist. Der Selbständige arbeitet selbst und ständig. Ein Arbeitnehmer hingegen arbeitet fremdbestimmt, seine Arbeitszeit ist aber eben begrenzt.

 

Die Thematik des 12-Stunden-Tages bzw. der 60-Stunden-Woche betrifft nicht den top bezahlten Manager (für diesen gilt das Arbeitszeitgesetz ohnedies nicht) , mit seiner „All in Lösung“ , sondern eben jene Familien, bei denen beide Elternteile, arbeiten müssen. Bald wird es (wenn es nicht ohnedies bereits der Fall ist) wieder heißen„Schatzi, das lohnt sich doch alles nicht, bleib Du zuhause“. Das Schatzi ist dann wohl meistens die Frau.

 

Wenn dann am Ende des Tages das jüngere Schatzi auftaucht, werden dann wieder einmal die Frauen diejenigen sein, die die Auswirkungen dieser Regelung finanziell zu schultern haben. Im Übrigen ist laut einer Umfrage, welche von Deloitte Österreich, der Universität Wien und der Universität Graz durchgeführt wurde, der

12-Stunden-Arbeitstag bereits in 30 % der österreichischen Unternehmen Realität geworden sei.