250 Seiten

gegen Burnout

 

HIGH-PERFORMER-LEKTÜRE. Anstelle des alkoholischen Wegschwemmens diverser Schlaf-Ängste empfiehlt der Neurologe Wolfgang Lalouschek den genaueren Blick auf die eigene Arbeitssituation. Damit „Der Tag, an dem ich alles hinschmeiße“ vermieden werden kann. Lebenshilfe vom Feinsten.

 

Noch in den späten Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts gab es den Begriff des „Aussteigers“. Da ließen sich 50-jährige Firmenbesitzer, meist mit 26-jähriger Sekretärin, auf ihrer Yacht vor Mallorca ablichten und teilten der neidgeplagten Umwelt mit: „Ich bin raus, und das ist gut so.“ Spätestens die konsequente Digitalisierung unseres

Lebens hat diese Helden aussterben lassen (abgesehen von Teilhabern großer Rechtsanwaltskanzleien, die ihren „goldenen Schnitt“ gemacht haben und nur noch tiefgebräunt durch die City stolzieren). Die wahre Arbeitswelt, speziell auch des Großteils der Rechtsanwälte, sieht anders aus. Termindruck treibt Blutdruck, die Leistungsanforderungen sind – auch durch die Digitalisierung – exponentiell gestiegen. Gemütliche Berufsbiografien wie vor der Jahrtausendwende werden Mangelware. Der Neurologe Wolfgang Lalouschek bringt in seinem Buch „Der Tag, an dem ich alles hinschmeiße“ die Lage auf den Punkt: „Zu viel Arbeit, teilweise gegen

das eigene Gehirn, die uns erschöpft und der Fähigkeit beraubt, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden".

 

Arbeitsfreude sieht anders aus

Sehr anschaulich wird ein typisches Belastungsszenario am Beispiel von Robert, einem Manager der Automobilindustrie, alleinerziehend – und krebsgefährdet. Da kommt so ziemlich alles zusammen, was den Himmel des Lebens verschattet. Enormer Berufsstress mit immer neuen, auch selbstdefinierten Zielen, Unzufriedenheit mit vermeintlicher familiärer Minderleistung und sinkende Freude am Pro-forma-Sport. Bekannt? Schon auf den ersten 50 Seiten des Buches entdeckt der durchschnittliche „High-Performer“ Szenen seines eigenen Lebens: als Manager, als Spitzenfunktionär, als Rechtsanwalt…

Freude an der Arbeit versickert zu einer seltenen Erde.

 

Kriterium Arbeitsqualität

Auch Nicht-Arbeit kann belasten, lesen wir. Die Geschichte eines Juristen, den sein Vorgesetzter intensiv mobbt und von jeder sinnvollen Arbeit abschottet ist gleichermaßen erschütternd wie erhellend. Hier erhält der Arbeitsrechtler wichtige Tipps für die Praxis: Wie vertrete ich einen Arbeitnehmer gegen anhaltend den Vorgesetzten-Terror? Neben krassen, geradezu krankheitsfördernden Fällen wie diesem bietet die Lektüre des Buches auch Handfestes für die Verbesserung der eigenen Arbeitsqualität, z. B. wie man als Viel-Arbeiter seine

Abläufe besser strukturieren kann bzw. wie man zielgerichteter kommuniziert. Wolfgang Lalouschek nennt eine der wesentlichen Fragen, die man im Sinne der persönlichen Arbeitszufriedenheit sinnhaft beantworten können

sollte: „Was habe ich heute eigentlich erledigt?“

 

Das Ziel und das Glück

Um grundsätzlich „Glück“ in der Arbeit zu finden braucht es laut Dr. Lalouschek drei Faktoren: „Erstens müssen wir ein Ziel haben. Zweitens müssen wir uns darum bemühen, das Ziel zu erreichen. (Und drittens:) müssen wir mit eigenen Augen sehen, dass wir das Ziel erreicht haben.“ Diesen Zustand zu erreichen verlangt einiges an

Gelassenheit, die üblicherweise nicht am nächsten Baum wächst, sondern erst durch Reflektion des eigenen Verhaltens erzielbar ist. Nur wer sich dem ständigen Druck des „Multi-Tasking“ erfolgreich entgegenstellt, vermeidet die vom Autor so genannte „Massenhypnose“: „Alles, was passiert, ist das Allerwichtigste auf der Welt.“

Und: „Ich könnte nirgendwo anders überleben.“ An den Beginn des abschließenden Fragebogens zum „Hinschmeiss-Führer“ stellt der Neurologe Wolfgang Lalouschek diese buddhistische Weisheit:

„Wenn Du denkst, wie Du nie gedacht hast, und handelst, wie Du nie gehandelt hast, wirst Du erreichen, was Du nie erreicht hast.“