Behutsamer Rückzug

 

DR. HARALD BISANZ

1994–2019 Präsident des Österreichischen Rechtsanwaltsvereins,  2002–2008 Präsident der Rechtsanwaltskammer Wien

 

 

25 Jahre. So lange steht Dr. Harald Bisanz an der Spitze des Österreichischen Rechtsanwaltsvereins. Im September übergibt er das Präsidentenamt in Salzburg. Trotz seiner Liebe zu den Bergen bleibt ihm das Wort Ruhestand fremd.

 

Braungebrannt und elastisch kommt er ins Besprechungszimmer seiner Kanzlei am Kärntner Ring. Für ein paar Tage unterbricht er seinen Sommerurlaub am Traunsee, wo er gerade wieder mit dem Windsurfen beginnt: „Meine Familie hat mir eine tolle neue Ausrüstung geschenkt, kein Vergleich zu dem Material, mit dem ich als einer der ersten am See zu surfen begonnen habe.“ Sportlich ist Dr. Harald Bisanz seit seiner Bundesheerzeit, wo er als HSNS- „Ranger“ so ziemlich jede Bewegungsart lernte. Mit 74 Jahren ist er schlank und rank wie damals, was wohl auch am Bergsteigen liegt, das er mit der Familie im Salzkammergut, wo er geboren wurde, regelmäßig betreibt. 

 

Fit und wendig

Fitness und Elastizität konnte der Vater eines Sohnes und dreier Töchter beruflich und privat immer gut brauchen. Speziell in den Jahren 2002 bis 2008, in denen er seine Kanzlei als Einzelanwalt und die Präsidentschaft der RAK Wien unter einen Hut bringen musste. Obwohl er in seinem Anwaltsgeschäft quasi als „einsamer Wolf“ im Revier unterwegs ist konnte er immer wieder Kolleginnen und Kollegen überzeugen, ihm im Rudel zu folgen. Bei der Wiener Kammer waren es „nur“ sechs Jahre, beim Österreichischen Rechtsanwaltsverein sind es mittlerweile 25. Im September zieht sich Dr. Harald Bisanz als dessen Präsident zurück.

 

Schulung und Interessenvertretung

Rund 900 Mitglieder im gesamten Bundesgebiet vertrauen dieser „wirtschaftlichen Organisation der Rechtsanwälte“ (WO) mit ihren vielfältigen Leistungen. Den prominentesten Rang nimmt der Bereich „Aus- und Weiterbildung“ ein, wo zahlreiche Seminare und Kurse zur Kompetenz-Absicherung der Kanzlei angeboten werden – vom

BU-Kurs bis zur aktuellen Information im Bereich „Handy-Signatur“. 

Sehr ernst nimmt es der Rechtsanwaltsverein auch mit Attacken auf wesentliche rechtsanwaltliche Vertretungsbereiche. Dr. Bisanz: „Wir werden aktiv, wenn Eingriffe in Bereiche stattfinden, die nur uns Rechtsanwälten zustehen.“ Als Beispiel nennt er den Begriff „Bauanwalt“, den Dienstleister ohne anwaltliche Befugnis verwendeten, um eine Art juristischen Hintergrund ihres Tuns zu suggerieren. Auf Betreiben des Rechtsanwaltsvereins wurde die missbräuchliche Verwendung des Begriffes schlussendlich vom OGH untersagt. Dass viele Anwälte bis ins hohe Alter arbeiten erlebte Harald Bisanz bereits als Konzipient bei Dr. Michael Stern, der damals im 82. Lebensjahr stand. Wer sich früher aus dem Beruf verabschiedet findet beim Österreichischen Rechtsanwaltsverein einen fürsorglichen Partner für die Zeit des Ruhestandes. Man organisiert Zusammentreffen für Emeriti und kümmert sich auch um die Witwen verstorbener Anwälte.

 

Freude am Beruf

Wie tief bei Dr. Bisanz die Freude am Beruf sitzt hört man, wenn er einen kürzlich erzielten Erfolg beschreibt. In seinem juristischen Kerngebiet, dem Arbeitsrecht, hat er gerade den Arbeitsplatz eines führenden Mitarbeiters einer gut verdienenden Firma gesichert, die den Mann mit 56 Jahren (2 Jahre vor Erreichen seines Pensionsalters) „aus Kostengründen“ entlassen wollte. Zweites Beispiel für „Freude am Beruf“: Als Ausbildungsanwalt betreute er die Konzipientinnenzeit der früheren Gerichtspräsidentin von Wiener Neustadt und Krems, Dr. Ingeborg Kristen. Mittlerweile arbeitet sie als Anwältin in Kanzleigemeinschaft mit ihm. (siehe auch ANWALT AKTUELL 3/18). Gut, dass es diese Freude gibt. Denn die Tatsache, dass man als Rechtsanwalt seine Pension erst nach Zurücklegung der Berufszulassung überwiesen bekommt, sei ein gutes Motiv, noch eine Weile weiter zu machen.