„Die wenigsten machen sich Gedanken, wie unsicher eine E-Mail ist.“

DATENSICHERHEIT. Eine der positiven Auswirkungen ist im Zuge der Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung im Manz Verlag entstanden, nämlich die sichere Übermittlung von Dateien und die sichere Ablage von Dokumenten in der MANZ Cloud. Geschäftsführer Peter Guggenberger erläutert im Gespräch mit ANWALT AKTUELL die Funktionen und den Österreich-Bezug des neuen Datenspeichers.

Interview: Dietmar Dworschak

Herr Guggenberger, lassen wir das Irdische unter uns. Was ist die MANZ Cloud?

Peter Guggenberger: Die MANZ Cloud ist ein Dokumentenspeicher, in dem Dateien wie Dokumente oder Bilder gespeichert und an Dritte sicher versendet werden können – beides verschlüsselt. Mit dieser Lösung erfüllen wir unter anderem eine der Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung im Umgang mit besonders sensiblen Daten. Der Unterschied zu anderen Cloud-Lösungen besteht darin, dass wir die besonderen Schutzbedürfnisse unserer Kunden, also von Rechtsanwälten

und Steuerberatern, berücksichtigen. Diese Berufe unterliegen zur Erfüllung ihrer Leistungen ja auch den jeweiligen Standesvorschriften. Letztere decken wir vertraglich, technisch und organisatorisch mit der MANZ Cloud ab.

 

Was kann die Cloud?

Peter Guggenberger: Bisher wurden Dokumente größtenteils als Anhang per E-Mail versandt. Das

ist zwar die bequemste, gleichzeitig aber auch die unsicherste Methode. Diese Anhänge werden nämlich nur in den seltensten Fällen verschlüsselt und können so im Falle eines Hacker-Angriffs im Klartext gelesen bzw. verändert werden. In der MANZ Cloud hingegen werden sämtliche Dateien stets verschlüsselt gespeichert. Und auch die Übermittlung der Daten erfolgt sowohl bei Up- wie beim Download immer verschlüsselt: Dritte, wie Klienten oder Geschäftspartner unserer Kunden, erhalten bei Bedarf einen durch Passwort geschützten Link. Über ihn können sie auf die freigegebenen Dateien oder Ordner in der MANZ Cloud zugreifen. Zudem werden die Aktivitäten aller Benutzer protokolliert, sodass z. B. ein Anwalt weiß, wann und wie oft ein Klient ein freigegebenes Dokument heruntergeladen hat. Eine Funktion, die es bei Versand von Dateien via E-Mail nicht gibt.

 

Wie kann man sich das technisch vorstellen. Ist diese Cloud irgendwo in den Tiefen des Internet-Universums ein eigener Raum?

Peter Guggenberger: Es ist keine Wolke irgendwo im Universum im eigentlichen Sinne. Die Daten liegen ganz konkret und garantiert hier in Österreich, im Rechenzentrum von MANZ.

 

Sie wenden sich an Berufsgruppen mit hohem Sicherheitsbedürfnis. Nun weiß man aber, dass alles, was verschlüsselt worden ist, auch geknackt werden kann…

 

Peter Guggenberger: Von absoluter Sicherheit zu sprechen wäre vermessen. Wir haben aber alles dazu getan, um das System technisch so umfassend wie derzeit möglich abzusichern. So sicher wie möglich heißt: Benutzer können Dateien auch mittels „End-to-End“-Verschlüsselung in der MANZ Cloud ablegen. Man kann sich das wie einen Tresor vorstellen, der nur vom Schlüsselinhaber geöffnet bzw. eingesehen werden kann. Für alle anderen Benutzer sind in diesem Fall ausschließlich wirre Zeichenfolgen sichtbar – übrigens auch für Systemadministratoren.Der Speicherort in Österreich spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Speziell für unsere Kundengruppen ist es von immenser Bedeutung, zu wissen, an welchem Ort die Daten tatsächlich gespeichert sind

und wer der Dienstleister ist. Mittels offener, transparenter Vertragsgestaltung können wir Zweifel und Befürchtungen in dieser Hinsicht zerstreuen und in Vertrauen verwandeln.

 

Wie sehen Sie das Spektrum dessen, was in der MANZ Cloud gespeichert werden kann?

Peter Guggenberger: Grundsätzlich kann jegliche Datei bzw. jegliches Dokument gespeichert und geteilt werden – vom Schriftsatz bis zum Vertrag, aber auch Bilder. Es gibt jedoch noch einen anderen interessanten Aspekt: Wie kann man ein Dokument gemeinsam, kollaborativ verwenden? Wir bieten demnächst die Möglichkeit, dass mehrere Benutzer an unterschiedlichen Standorten gleichzeitig und gemeinsam ein Dokument erstellen bzw. bearbeiten können, ohne dass mehrere Versionen zusammengeführt werden müssen. Das bedeutet, dass Anwender A an Standort A in Echtzeit sieht, was exakt Anwender B an Standort B in ein Dokument eintippt oder dort verändert, und vice versa. Wir setzen diese Lösung in Kürze auch in unserer Print-Produktion ein. Ein gutes Beispiel dafür, wie wir Kunden mit unserem Know-how aus der Verlagswelt in der Cloud unterstützen – ganz getreu unserem neuen Motto: „Wir digitalisieren Recht.“

 

Gibt es Grenzen für Datenmengen?

Peter Guggenberger: Es gibt keine wirklichen Grenzen. Wir verkaufen Pakete mit bestimmten Speichergrößen, die jederzeit individuell erweiterbar sind.

 

Sie sind also offen auch für  Baudokumentationen, die ja besonders umfangreich sind?

Peter Guggenberger: Ja, natürlich. Es gibt Berufsgruppen, etwa im Bau- oder Gesundheitsbereich, die aufgrund von Bildverarbeitung mit riesigen Datenmengen arbeiten. Selbstverständlich kann man unsere Cloud auch dafür verwenden. Nach Absprache mit dem Kunden richten wir jederzeit einen den Bedürfnissen entsprechend großen Speicherraum ein.

 

Die MANZ Cloud schwebt schon?

Peter Guggenberger: Ja. Wir sind mit Jahreswechsel damit in Betrieb gegangen. Entstanden ist die Lösung aus der Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung. Wir standen ja selbst vor der Herausforderung: Wie erfolgt künftig, bei geltender DSGVO, der sichere und kontrollierte Austausch von Verträgen, Manuskripten, Satzdaten,

Werbeadressen etc. zwischen Autoren, Kunden, Lieferanten und unserem Haus? Und wenn wir schon ein Werkzeug zum sicheren Datenaustausch für unsere eigene Zwecke bauen, warum stellen wir dieses nicht auch interessierten Kunden zur Verfügung? Die grundlegende Überlegung war jedoch, dass auch heute noch große Mengen sensibler Inhalte per E-Mail verschickt werden. Die wenigsten Benutzer machen sich darüber Gedanken, wie unsicher das in Bezug auf Datendiebstahl und Datenschutz ist.

 

Sehen Sie dieses mangelnde Problembewusstsein auch bei Rechtsanwälten?

Peter Guggenberger: Es ist erstaunlicherweise bei vielen Berufsgruppen immer noch sehr wenig Problembewusstsein für das unsichere Versenden von Dokumenten via E-Mail vorhanden – insbesondere, was die leichte Mitlesbarkeit und Manipulierbarkeit von Daten angeht. Vermutlich auch aufgrund mangelnden technischen Wissens bei den Anwendern. Es bedarf also auf vielen Ebenen noch

großer Anstrengungen zur Bewusstseinsbildung für dieses sensible Thema. So auch bei den genannten

Berufsgruppen. Auf der anderen Seite haben wir den Begriff „Cloud“, der bei vielen negativ besetzt ist. Der Begriff

wird von zahlreichen Anbietern für unterschiedliche technische Service-Angebote genutzt und daher oftmals von Kunden falsch verstanden. Wir sehen, dass es in dieser Hinsicht bei Kunden Aufklärungsbedarf gibt, vor allem dabei, den Leistungsumfang bzw. die Funktionalitäten der MANZ Cloud zu anderen Angeboten abzugrenzen.

 

Sie verstehen darunter ein sicheres System?

Peter Guggenberger: Die MANZ Cloud ist ein Dokumentenspeicher in Österreich zum sicheren Versenden von Dateien an Dritte, mit Verschlüsselung auf allen Ebenen – nicht mehr und nicht weniger.

 

Herr Guggenberger, danke für das Gespräch.