Im Gespräch: Mag. Rüdiger Schender

KANDIDATUR VIZEPRÄSIDENTSCHAFT. Nach dem Rückzug von Dr. Elisabeth Rech bewirbt sich Mag. Rüdiger Schender um das Amt des Vizepräsidenten der RAK Wien. Er bringt viele Jahre Erfahrung in mehreren Kammerfunktionen mit.

 

Herr Mag. Schender, Sie sind heuer Kandidat der Sobranje für das Amt des Vizepräsidenten der Wiener Rechtsanwaltskammer. Was darf man von den Kandidaten in der Standesvertretung erwarten und was macht Ihrer Meinung nach die Standesvertretung der Zukunft aus?

Schender: Ich bin ja in der Standesvertretung bereits seit Jahren tätig, die Sobranje, konkret 12 der 13 Wiener Anwaltsklubs, hat aber heuer einige neue Persönlichkeiten, zum Glück auch einige Kolleginnen, für die Arbeit in Präsidium und Ausschuss nominieren können. Ich selbst habe bereits im Ausschuss der Wiener Kammer mitarbeiten dürfen und bringe mich seit geraumer Zeit auch als Vorsitzender des Arbeitskreises Strafrecht beim ÖRAK in die Standesarbeit ein. Zu ihrer eigentlichen Frage: Die Standesvertretung der Zukunft ist eine Mischung aus Tradition und Innovation, inhaltlich wie personell. Wir brauchen ein klares Bekenntnis zu den Wurzeln unseres Standes, das sind der freie Beruf und die freie Advokatur, zur gemeinsamen Zukunft und zur gemeinsamen Arbeit für den Rechtsstaat als unsere Gesellschafts- und Berufsgrundlage.

 

Es gab im Vorfeld zur Wahl einige Aufregung, rund um den Alleingang eines Anwaltsklubs. Beschäftigt das die Kandidaten in der Vorwahlzeit?

Schender: Überhaupt nicht. Wir sind ein freier Berufsstand, mit zum Glück sehr vielen engagierten Kolleginnen und Kollegen und wir können uns glücklich schätzen, dass es vielen Persönlichkeiten auch wichtig erscheint, sich für den Stand einzubringen. Die Sobranje hat mit 12 von 13 Wiener Klubs einen Wahlvorschlag erarbeitet, der letztlich die Einheit und die Überparteilichkeit der Wiener Kammer abbildet. Mir geht es in erster Linie darum, die Sacharbeit für den Stand weiter voranzutreiben und daran mitzuwirken, dass wir unseren Berufsstand auch bei den Herausforderungen der Zukunft so stark positionieren können wie das für einen funktionierenden Rechtsstaat notwendig ist.

 

Welche Sachthemen erscheinen Ihnen dabei vorrangig?

Schender: Grundsätzlich ist mir die Abarbeitung des Regierungsprogrammes im Justizbereich wichtig, in dem wir Anwälte uns mit unserer Expertise vielfältig einbringen konnten. Im Speziellen habe ich auch schon als Ausschussmitglied Augenmerk auf eine zeitgemäße Regelung der Zusammenarbeit von Rechtsanwälten bei Rechtsanwälten im ASVG, bekannt unter dem Stichwort „Substitutenregelung“, gedrängt. Der diesbezügliche Initiativantrag ist derzeit in den politischen Prozess eingebracht. Diesen zu begleiten, bis zur endgültigen Umsetzung, aber auch die Arbeit für eine absolute Stärkung der anwaltlichen Verschwiegenheit sehe ich derzeit als vorrangige Punkte.

 

Die anwaltliche Verschwiegenheit ist ein Thema, das die Anwaltschaft stets begleitet. Warum sehen Sie gerade jetzt dabei eine Priorität?

Schender: Aus zwei Gründen. Einerseits, weil eine digitale Welt nicht nur neue technische Möglichkeiten bringt, sondern auch neue rechtliche Fragen. Andererseits, weil wir in einer Welt voll von neuen strafrechtlichen Herausforderungen im Bereich der Strafverfolgung sukzessive Nachschärfungen bei den Ermittlungsmöglichkeiten erleben. Es ist wichtig, dass die Korrespondenz zwischen Anwalt und Klienten absolut geschützt ist, um die Balance zwischen effizienter Strafverfolgung und Grund- und Freiheitsrechten gewährleisten zu können. Die anwaltliche Verschwiegenheit dient letztlich nicht uns, sie dient der Gewährleistung der Rechte des Mandanten und dem Rechtsstaat selbst. Hier sind Aufmerksamkeit und eine gute Gesprächsbasis mit den politischen Entscheidungsträgern und den Justizbehörden notwendig. Ich kann versichern, dass ich beides bieten kann und werde.