Und es lohnt sich doch!

Dr. Stefan Gloß

ist seit 46 Jahren „Rechtsanwalt aus Leidenschaft“ in St. Pölten. Fit hält er sich „durch eine Stunde Gymnastik“ und tägliche Arbeit

in der Kanzlei. Legendäre Erfolge erzielte er im Fall „Glanzstoffwerk St. Pölten“ sowie am EGMR in Straßburg in Sachen „Doppelbestrafung bei Verkehrsunfällen“.

 

BEWERTUNGEN. Rufschädigung mithilfe Sozialer Medien gehört zu jenen Rechtsbereichen, in denen Anwälte und Anwältinnen oft nur geringe Chancen für eine erfolgreiche Gegenwehr sehen. Ein Fall in Niederösterreich zeigt,

dass es sich lohnt, gegen mutwillige Einträge in Sozialen Medien vorzugehen.

 

In den Verdacht, ein „digital native“ zu sein, gerät Dr. Stefan Gloß nicht mehr. Seit 1972 ist er Rechtsanwalt in St. Pölten, drahtig, sportlich und täglich in der Kanzlei. Motto: „Mit mir können Sie streiten gehen!“ Den Streit suchte Dr. Gloß im Auftrag des Gastwirtes Martin Lampl, der die Taverne in Wilhelmsburg betreibt. Ein Mitbürger hatte über

Lampl auf Facebook notiert: „Herr Lampl ist ein kranker armer Narr der das Tal mit Gewalt und ohne Hirn zerstört mit seinen blöden Ideen. Man sollte das Lokal einfach meiden und nicht besuchen.“ Besonders ärgerlich empfand es der Facebook-Schreiber, dass neben dem Gasthaus ein Tierfriedhof errichtet worden war, den ebenfalls

Gastwirt Lampl betreut: „Tierfriedhof neben einem Schloß wo Menschen heiraten und Ihren schönsten Tag des Lebens feiern wollen, ehrlich gesagt wie man auf so eine Idee kommt ist mir ein Rätsel“. (Originalschreibweise!)

 

Gäste bleiben weg

Die unmittelbaren Folgen zeigten sich prompt. Ein benachbarter Betrieb unterließ es plötzlich, Reisegruppen zu Herrn Lampl zu schicken, und auch andere Gäste blieben aus. Nirgends verbreitet sich üble Nachrede rascher als in Sozialen Medien. Die bösartige Facebook-Eintragung wurde auf „trivago“ ebenso verbreitet wie auf „booking.

com“. Wollte Herr Lampl nicht in Konkurs gehen musste er etwas unternehmen. Rechtsanwalt Dr. Stefan Gloß, an den er sich wandte, hatte einige Mühe, den Facebook-Schreiber auszuforschen: „Die jungen Damen unserer Kanzlei haben das aber geschafft – und wir haben den Herrn geklagt.“ Der Medienrichter (!) am LG St. Pölten

entschied mit der Begründung, es habe sich um eine persönliche Meinungsäußerung gehandelt, gegen den Gastwirt. Dr. Gloß („mit mir können Sie streiten gehen“) trug die Causa an das Oberlandesgericht Wien. Ergebnis: Das Urteil wurde „aufgehoben und dem Landesgericht St. Pölten die Fortführung des Verfahrens aufgetragen.“ In

der Begründung wird insbesondere darauf hingewiesen, dass der Adressatenkreis der Facebook-Eintragung sich „einerseits aus der näher ansässigen Bevölkerung jeglicher Bildungsschicht, als auch aus allenfalls ein Lokal in dieser Gegend suchenden durchreisenden Personen jeglichen Bildungsniveaus andererseits, zusammensetzt.

Dieser Adressat entnimmt diesem Eintrag keinesfalls, wie zu erwarten und auch angekündigt, eine Bewertung des Lokals Schlosstaverne Lampl, sondern die Bezeichnung des Betreibers als einen kranken armen Narren…“

 

Anwalt ermutigt zur Nachahmung

Bei der neuerlichen Verhandlung in St. Pölten wurde der Facebook-Schreiber, ein Fahrlehrer, schließlich verurteilt, hatte die Anwalts- und Gerichtskosten zu übernehmen sowie eine Ehrenerklärung abzugeben. Für Rechtsanwalt Gloß ist das nicht genug: „Speziell in der Gastronomie und Hotellerie wäre der Gesetzgeber aufgerufen, den Angegriffenen konkrete Möglichkeiten zu Korrekturen und Stellungnahmen einzuräumen, was bisher nicht der Fall ist.“ Dr. Gloß ist viel zu umtriebig, sich mit eben erzielten Sieg aufzuhalten. Er beschäftigt sich bereits mit einem neuen Fall von Rufschädigung in Sozialen Medien: „Es geht um eine Pflegschaft. Die Mutter wurde durch eine anonyme Eintragung schlecht gemacht, vermutlich aus dem neuen Umfeld des geschiedenen Vaters.“ In dieser

Causa verlangt Rechtsanwalt Gloß, dass Techniker der Landesregierung ermitteln, woher die böswillige

Internet-Eintragung stammt. Das Signal von Rechtsanwalt Dr. Stefan Gloß lautet: Lassen Sie sich’s nicht gefallen! Es lohnt sich, gegen Umtriebe wie diese etwas zu unternehmen. Die Anwaltskunst alter Schule bewährt sich auch in der digitalen Zeit.

auch in der digitalen Zeit.