Digital am Arbeitsplatz, digital bei der "Passion"

DR. CLEMENS WASS MBL, MBA Unternehmensjurist „Legal Tech“-Beauftragter
DR. CLEMENS WASS MBL, MBA Unternehmensjurist „Legal Tech“-Beauftragter

 

 

DIGITALPROFI. Seit seiner Zeit als Universitätsassistent begleitet Clemens
Wass der Themenkomplex „Legal Tech“. Als Unternehmensjurist digitalisiert er
seine Arbeitsumgebung, mit seiner eigenen Non-Profit Suchmaschine stellt er
das Recht online zur Verfügung.

 

In diesen Tagen gelingt es kaum einem Unternehmen, nicht in irgendeinem Zusammenhang mit Corona zu stehen. Umso besser, wenn man sich auf der Gewinnerseite befindet. Wie der börsennotierte Bilfinger-Konzern, dessen Edelstahltanks mit Verrohrungen guten Absatz in der Pharmaindustrie finden. Stichwort: Impfstoffbehälter.

 

Ein österreichischer Unternehmensstandort befindet sich nahe der Landeshauptstadt Salzburg. Dr. Clemens Wass leitet dort die Rechtsabteilung, in diesen Tagen hauptsächlich virtuell, nämlich aus dem Homeoffice. Jetzt zahlt es sich aus, dass er seit dem Beginn seiner Tätigkeit bei Bilfinger die Digitalisierung konsequent vorantrieb. Er weiß, dass „auch große Konzerne mit diesem Thema zu kämpfen haben“, da sich bisher das nötige Bewusstsein für die Notwendigkeit nur wenig dynamisch entwickelte. Und immer wieder gebe es da natürlich Kritik an den Kosten der Digitalisierungsprojekte. Eine Kritik, die in der Krise allerdings leiser werde.

 

Von der Universität zur Rechtsabteilung

 

Vor 18 Jahren arbeitete Clemens Wass noch als Universitätsassistent am Schwerpunktthema IT-Recht. Sein Interesse an der konkreten Umsetzung führte ihn dann zu Sony, Skidata, BMW und schließlich zu Bilfinger. An all diesen feinen Unternehmensadressen erlebte er „das wirtschaftliche Argumentationsproblem. Weil es etwas kostet!“ Es sei nicht ganz einfach, „eine juristische Datenbank als Investition plausibel zu machen“, beispielsweise für ein Compliance-System. Ein gewisser Stolz, es trotzdem geschafft zu haben, ist ihm anzusehen.

 

Im Gegensatz zu Entwicklungs- und Marketingabteilungen habe die Rechtsabteilung kein „schillerndes Produkt“ herzuzeigen, sondern bestenfalls diskrete Erfolge, denen der Glanz der Öffentlichkeit naturgemäß fehlt. „Es ist ein wenig so wie bei der traditionellen chinesischen Medizin: Wir werden dafür bezahlt, dass das Unternehmen ‚gesund‘ bleibt.“ In diesem Sinne wird um Streitigkeiten, die diskret gelöst werden konnten, naturgemäß weniger Wind gemacht als um Prozesse, die man spektakulär öffentlich führt. Da Clemens Wass lieber auf Vertraulichkeit setzt ist es ihm gelungen, innerhalb der letzten beiden Jahre angestaute potentielle Streitigkeiten für sein Unternehmen abseits der Gerichte zu befrieden.

 

„OpenLaws“

 

Ausgehend von seiner Beschäftigung mit dem IT-Recht entwickelte Dr. Wass bereits vor Jahren das juristische Internet-Portal „OpenLaws“. In der Phase des „Start-Ups“ gewann er damit zwei EU-Projekte und kämpfte dann tapfer gegen die etablierten Verlage, die hier als Platzhirsche das Geschehen bestimmen. „Der Legal-Tech-Markt ist eher behäbig“ beschreibt er seine Erfahrungen der ersten Gründerjahre. Nachdem er sich vor drei Jahren von seinem Portal geschäftlich trennte, startete er vor kurzem mit seiner „Passion“ neu durch, um mit „OpenLaws“ eine nicht kommerzielle, frei zugängliche juristische Suchmaschine zur Verfügung zu stellen. www.openlaws.com baut auf Google auf, ist jedoch auf rechtliche Inhalte maßgeschneidert. Neben seinem Beruf als Unternehmensjurist und seiner Leidenschaft für Rechtsinformationssysteme betreibt Clemens Wass auch „Community Building“, indem er regelmäßig Treffen für Kolleginnen und Kollegen aus Rechtsabteilungen in Salzburg und Oberösterreich organisiert.