Ich habe um einen Impftermin für meine Frau und mich gebeten. Die Gesundheitsnummer 1450 schrieb zurück: „Guten  Morgen, bitte haben Sie ein Paar Tage Geduld bis sich das Impfchaos in Salzburg gelöst hat. Wir wünschen alles Gute und  Gesund bleiben Ihr Team 1450“ (Originalschreibweise der E-Mail). Diese möglicherweise unfreiwillige Offenheit hat etwas  Beunruhigendes. Mein Staat, der ewige Besserwisser und Bevormunder, ist am Ende seines Lateins.

 

Wo ist der „Piks“?

 

Bereits Anfang November überraschte uns der Gesundheitsminister mit der Botschaft, ab Anfang Jänner würde in Österreich
geimpft. Das ließ uns tapfer Lockdown um Lockdown ertragen und mit feuchten Augen in der „Zeit im Bild“ die ersten   polnischen (!) Kleintransporter willkommen heißen, die das begehrte Impfgold aus Belgien zu uns brachten. Seither wartete  ich täglich auf einen Anschober-Anruf und die Vorladung zum „Piks“. Unsere Internistin ließ anfangs wissen, dass sie nicht  impfen dürfe, hat dies aber mittlerweile korrigiert und schweigt jetzt wieder. Nix mit „Piks“.

 

Grandioses Verwaltungsversagen

 

Eines der hartnäckigsten Märchen Österreichs ist jenes von der guten Verwaltung. Rund 800.000 Mitbürger, also fast so viele, wie sich derzeit in Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit befinden, stehen als Beamte im Brot des Staates. Wenn man sich nun  anschaut, was dieser Apparat zur Bekämpfung der Corona-Krise leistet, dann wird einem richtig schlecht. Jene Teile der  Verwaltung, die sich zügig um Test- und Impfstrukturen kümmern sollten, sind – mit regionalen Unterschieden –  untergetaucht. Mit Ausnahme von Wien und Vorarlberg gibt es nirgends durchgängig funktionierende Systeme. Das betrifft  die Bereiche Bürgerinformation, Test- und Impfanmeldung wie auch Test- und Impfstraßen. Es herrscht – siehe oben – das  blanke „Impfchaos“.

 

Politik ohne Plan


Aus den Musterschülern sind die Burschen im Bremserhäuschen geworden. Österreich liegt wirtschaftlich (siehe  Zeitungsausriss) am Bauch. Ursache dafür ist nicht ein speziell für Österreich entwickeltes Virus, sondern eine endlose Reihe falscher politischer Entscheidungen, beginnend mit dem Ischgl-Tirol über den Lockdown- Fanatismus, das verrückte Seilbahnoffenhalten bis zu den Covid-Mutations-Wiedergängern in Tirol. Im Schatten dieser Maßnahmen ist die Wirtschaft  eingeknickt auf Werte, die man nur aus Kriegszeiten kennt. Das muntere Wort von „Koste es, was es wolle“ aus dem März  2020 hat Schulden gebracht, die um 30 Prozent über jenen vergleichbarer Länder liegen. Mittlerweile spüren dies alle, die zu  den angeblich vom Staat in der Krise Unterstützten gehören.

 

Die Gelder für Kurzarbeit und Umsatzersatz fließen immer zäher, so als sollte signalisiert werden: Wir können uns das nicht  mehr ewig leisten. Die Zukunft jener Wirtschaft, die monatelang weggesperrt wurde, ist mehr als ungewiss. Im Handel und  bei den Dienstleistungen steht ein Massaker vor der Tür. Ob sich die politisch Verantwortlichen wohl irgendwann überlegt  haben, wer die gigantischen Kosten der Lockdown-Monate zurückverdient?

 

„Team Austria“


Eine der sonderbaren kommunikativen Erfindungen des ersten zu Ende gehenden Krisenjahres war das „Team Austria“.  Wenn damit Zusammenhalt, Solidarität und Durchhalten gemeint waren, dann hat die Botschaft die rot-weiß-roten Herzen  verfehlt. Vielleicht hätten die Polizeiautos doch öfter mit „I am from Austria“ durch die Städte fahren sollen? Die  Österreicherin und der Österreicher sind eben Individualisten. Und: Sie lieben das Ungefähre. Beim Familienessen waren  ungefähr fünf Leute anwesend. In Wirklichkeit waren es neun, aber sowieso alle gesund! Disziplin und Krisengehorsam, wie  sie in Deutschland die Inzidenz weit unter 100 drücken, sind hierzulande bei weiten Teilen der Bevölkerung unbekannt.  Lieber einen gesunden Fatalismus als einen überzogenen Optimismus: „Und wann’s aus wird sein, dann pack ma’s mit’n  Schmäh“ (W. Ambros) Das Land, die Regierung, die Verwaltung und leider auch die Bevölkerung sind in kritischem Zustand.

 

DIETMAR DWORSCHAK Herausgeber & Chefredakteur dd@anwaltaktuell.at
DIETMAR DWORSCHAK Herausgeber & Chefredakteur dd@anwaltaktuell.at