Stadler Völkel: "Von der Krypto-Boutique zur Wirtschaftskanzlei"

Partner & Kanzleimanagement, v.l.n.r.: Bernadette Koppensteiner, Arthur Stadler, Lisa Wegl, Reinhard Schweng, Iskra Parashkevova, Oliver Völkel | Fotos: Stefan Seelig/Photography
Partner & Kanzleimanagement, v.l.n.r.: Bernadette Koppensteiner, Arthur Stadler, Lisa Wegl, Reinhard Schweng, Iskra Parashkevova, Oliver Völkel | Fotos: Stefan Seelig/Photography

 

 

 

 

In den fünf Jahren seit ihrer Gründung hat sich die Wiener Sozietät Stadler Völkel von einem Nischenplayer mit Schwerpunkt Krypto-Währungen zu einer breit aufgestellten Wirtschaftskanzlei entwickelt.

 

 

Interview: Dietmar Dworschak

ANWALT AKTUELL: Herr Dr. Stadler, im Interview im Dezember 2017 sagten Sie mir „Wir sehen uns als Spezialisten für  relevante Nischenthemen“. Wo steht Ihre Kanzlei heute, dreieinhalb Jahre danach?

 

Dr. Arthur Stadler: Damals haben wir auch gesagt „Wir sind die Architekten des Krypto-Rechts“, um unseren Anspruch auf die Pionierrolle in diesem Bereich auszudrücken. Heute, insgesamt fünf Jahre nach Kanzleigründung, können wir auf eine beträchtliche Steigerung an Rechtsgebieten, Mandanten und Personal zurückblicken.

 

ANWALT AKTUELL: Stichwort Krypto-Recht. Ist Ihnen angesichts des Höhenflugs von Bitcoin nicht schon ein wenig schlecht geworden, Herr Dr. Völkel?


Dr. Oliver Völkel: (lacht) Nein, zumal ein Großteil unserer Mandanten nach wie vor aus diesem Bereich stammt. Wenn es denen gut geht, geht’s auch uns gut. Die Kanzleientwicklung seit 2017 zeigt daneben aber auch eine deutlich breitere Aufstellung. Wir haben seither eine starke Litigation- und Arbitration-Abteilung aufgebaut, wir sind auch stark in den Bereichen M&A sowie Intellectual Property. Dazu kommen noch Wettbewerbs- und Kartellrecht. Wir sind mittlerweile keine Nischenplayer mehr, sondern wir beschäftigen uns mit allen wesentlichen Themen einer Wirtschaftskanzlei.

 

Dr. Arthur Stadler: Wir nehmen nicht nur die Vorreiterrolle in Sachen Krypto-Währung ein, sondern sind auch meines Wissens die erste Anwaltskanzlei des Landes, die den Bitcoin als Zahlungsmittel für Honorare implentiert hatte. Damit zeigen wir, dass wir auch persönlich zu dieser neuen Zahlungsform stehen.


ANWALT AKTUELL: Halten Sie den Bitcoin für ein Mittel gegen die Geldentwertung?


Dr. Oliver Völkel: Nein. Aber ich drehe gerne die Betrachtung um. Normalerweise zeigt man, wie viel ein Bitcoin in Euro wert ist, ich finde es aber interessanter, wenn man die Perspektive umdreht: Wie viel ist der Euro im Vergleich zu einem Bitcoin wert? Wenn man sich diese Entwicklung ansieht, kann man doch sehen, wie die Inflationserwartung ist. Ich weiß von besorgten Mandanten, die anrufen und die Absicht haben, sich durch Bitcoin-Kauf gegen die Inflation abzusichern. Kürzlich habe ich gelesen, es sei weniger ein Risiko, im Portfolio Bitcoins zu halten als vielmehr eines, keine Bitcoins zu besitzen. Ich finde, das spiegelt die Stimmung ganz gut wider.


Dr. Arthur Stadler: Die Nationalbanken sehen sich dieses Thema natürlich laufend an. Da ist es spannend zu beobachten, dass die EZB für sich selbst auch einige Projekte gestartet hat, um hier gegenzuhalten. Bitcoin ist nie eine Konkurrenz für nationale Währungen, dennoch hat die EZB gesagt: Wir brauchen auch den E-Euro, weil es einige Länder vorgeben und damit bereits gute Erfahrungen gemacht haben. Für uns ist das die Bestätigung, dass wir auf das richtige Pferd gesetzt haben – in Richtung Krypto-Währung, Digital Assets und alternative Investmentformen.

 

Dr. Oliver Völkel: Beginnend im Jahr 2018 haben wir tatsächlich hier eine Vorreiterrolle eingenommen mit den Security Token Offerings, wo man die Blockchain-Technologie an einem etablierten Segment, nämlich am Kapitalmarkt, anwendet. Europaweit haben wir den ersten Kapitalmarkt-Prospekt für tokenisierte Wertpapiere von der österreichischen Aufsicht bekommen. Man kann sagen, dass wir zu diesen Themen nach wie vor einePionierrolle innehaben.


ANWALT AKTUELL: Zum Innenleben der Kanzlei. „Break it down and build it up“ steht in Ihrem Leitbild. Brauchen Sie dazu besondere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?


Dr. Oliver Völkel: Das ist ganz richtig. Bevor wir uns mit dieser Kanzlei selbständig gemacht haben, ist mir aufgefallen, dass oftmals die Mentalität vorherrscht, das nachzumachen, was die anderen vorgeben. Üblicherweise traut man sich nicht, einen Schritt anders zu setzen als die Fußstapfen, die man vor sich sieht. Im Gegensatz dazu versuchen wir, Neues zu machen, ohne uns von bestehenden Vorgaben einschränken zu lassen.

 

Partner & Rechtsanwälte, v.l.n.r.: Arthur Stadler, Florian Prischl, Bryan Hollmann, Leyla Farahmandnia, Reinhard Schweng, Urim Bajrami, Jeannette Gorzala, Oliver Völkel | Fotos: Stefan Seelig/Photography
Partner & Rechtsanwälte, v.l.n.r.: Arthur Stadler, Florian Prischl, Bryan Hollmann, Leyla Farahmandnia, Reinhard Schweng, Urim Bajrami, Jeannette Gorzala, Oliver Völkel | Fotos: Stefan Seelig/Photography

Abgesehen vom geltenden Recht sehen wir uns nicht mit Traditionen verheiratet. Wir gehen jedes Rechtsproblem von einer neuen Perspektive an. Grundsätzlich glaube ich, dass jeder Mensch von Natur aus so eingestellt ist und wir nur lernen, uns in ein bestimmtes Korsett zu zwängen. Wenn man nun einen Konzipienten nach Abschluss des Studiums zu sich nimmt und ihm nicht die alten, traditionellen Sichtweisen beibringt, dann entwickeln sich die Leute ganz anders. Wir brauchen keine besondere Art von Mitarbeitern, sondern es stellt sich die Frage: Wie geht man mit den Mitarbeitern um?

 

Dr. Arthur Stadler: Dazu kommt natürlich ein gutes Geschick bei der Auswahl der Mitarbeiter. Wir haben zum Glück ein sehr exzellentes HR-Departement, das sehr genau unsere fachlichen Bedürfnisse und die Erwartungen an die gewünschte Trial-and-Error-Mentalität kennt. Selbst denken, selbst versuchen sind gefragt, und wenn es schief geht, versucht man es neu und macht den Fehler beim zweiten Mal nicht mehr. Was wir außerdem mitgeben ist ein Rahmen, der von Wertschätzung geprägt ist. Das halte ich auch für die Entwicklung der nächsten fünf Jahre für entscheidend: Die Wertschätzung der Mitarbeiter ist das Wichtigste. Es ist nicht das Geld, das jemanden hält, der zu uns kommt. Es sind die interessanten Rechtsgebiete, tolle Kollegen, aber vor allem die Wertschätzung für die Arbeit, die man leistet. Das ist eines der essentiellen Elemente, warum es uns bisher so gut gegangen ist und warum wir hochmotivierte Mitarbeiter mit wenig Fluktuation haben.

 

Herr Dr. Stadler, Herr Dr. Völkel, danke für das Gespräch.

Fotos: Stefan Seelig/Photography
Fotos: Stefan Seelig/Photography

Stadler Völkel Rechtsanwälte GmbH
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1010 Wien
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