Der AKV EUROPA – Alpenländischer Kre­ditorenverband veröffentlicht einen ersten Erfahrungsbericht nach einem Jahr mit dem „Privatkonkurs NEU“

Der Privatkonkurs NEU hat einen noch nie dagewesenen Ansturm auf die Privatkonkursgerichte gebracht. Im Zeitraum 01.11.2017 bis 31.10.2018 haben 10.114 Personen einen Privatkonkurs beantragt – erstmalig seit Einführung des Privatkonkurses im Jahr 1995 wurden in einem Jahr mehr als 10.000 Personen insolvent. In den 12 Monaten haben somit österreichweit durchschnittlich 195 Personen pro Woche einen Privatkonkurs beantragt.

In diesem Beobachtungszeitraum haben die Privatinsolvenzen um mehr als die Hälfte zuge­nommen (+ 52,57 %). Seit Jänner 2018 beträgt die Zuwachsrate sogar + 59,75 %, nachdem der „Run auf die Privatkonkursgerichte“ vor allem ab Jänner eingesetzt hat.

Die größte Zuwachsrate gab es im Burgenland, wo sich die Verfahren um das 2,5-fache (+ 150,00 %) gesteigert haben, die geringste Zuwachsrate gab es in Salzburg, wo die Privatkonkurse aber noch immer um ein Viertel (+ 24,52 %) zugenommen haben. Ein Drittel der Privatkonkurse des letzten Jahres werden bei den Bezirksgerichten in Wien abgewickelt.

 

Zwei Personengruppen nehmen vermehrt das neue Insolvenzrecht nach dem Entfall der 10%igen Mindestquote in Anspruch, nämlich einkommensschwache Schuldner mit relativ geringen Verbindlichkeiten und vormalige Unternehmer mit beträchtlichen Verbindlichkeiten aus einer gescheiterten früheren Selbstständigkeit. Vor allem die Privatkonkurse von Ex-Unternehmern mit Millionenverbindlichkeiten führten in den ersten zehn Monaten 2018 zu einer beträcht­lichen Erhöhung der Gesamtpassiva um 140 %, sodass sich diese mehr als verdoppelt haben. Den 10.114 Schuldenregulierungsverfahren von

01.11.2017 bis 31.10.2018 liegen Gesamtverbindlichkeiten von ca. EUR 1,6 Mrd. zugrunde und bedeuten, dass seit Inkrafttreten des IRÄG 2017 österreichweit durchschnittlich 195 Personen pro Woche einen Privatkonkurs beantragt haben. Die Durchschnittsverschuldung hat sich von EUR 111.600,00 auf unglaubliche EUR 166.800,00 erhöht. Die Durchschnittsverschuldung der männlichen Schuldner, auf welche 63,9 % der Verfahren entfallen, beträgt sogar EUR 207.900,00. Trotz der neuen rechtlichen Möglichkeit eines 0%-Zahlungsplanes bieten fast alle Schuldner mit nicht pfändbarem Einkommen dennoch Zahlungspläne mit Quoten an, sodass der 0%-Zahlungsplan reine Theorie geblieben ist.

Auch im Rahmen der neuen Rechtslage zeichnet sich ab, dass der Zahlungsplan das primäre Entschuldungsinstrumentarium bleiben wird. Von den 10.114 Verfahren sind bereits 5.814 Verfahren abgeschlossen, wovon 3.907 und 67 % der Verfahren mit einem Zahlungsplan endeten.

Auffallend ist zudem, dass einkommensschwache Schuldner die Beratung und Vertretung der staatlich geförderten und bevorrechteten Schuldnerberatungsstellen in Anspruch nehmen, die für die Schuldner unentgeltlich tätig werden. Der große Andrang führte mittlerweile wieder zu längeren Wartezeiten bei diesen Beratungsstellen. Vormalige Unternehmer mit hohen Verbindlichkeiten sind hingegen meist anwaltlich vertreten. Nach Einschätzung des AKV wird in den nächsten Monaten der Anstieg der Privatkonkurse abflachen, dennoch werden aufgrund des erleichterten Zugangs zu einer Restschuldbefreiung zukünftig mehr Personen Schuldenregulierungsverfahren bei den Gerichten bean­ tragen als noch vor dem IRÄG 2017.