„Am Anfang war das Wort…“

ANDREAS VOLLERITSCH

Designer, Art Director und Magazin-Macher


Wie kommt das Neue Testament zum Zeitungskiosk? Die Story dazu beginnt 2009 in Hamburg. Ein paar Kreative sitzen spätabends im Hotelzimmer. Die Diskussion zum gemeinsamen Designprojekt stockt. Einer der Runde spielt mit der Nachtischlade. Er zieht die Bibel heraus. Müder Scherz: Daraus könnte man doch ein Magazin machen!

Im Tageslicht der nächsten Wochen wechselten Nüchternheit und Begeisterung. Man stellte fest, dass das „meistgelesene Buch der Welt“ aktuell nur von einem Mini-Verlag in Schweden produziert wurde. Das war die gute Nachricht.

Weniger geschmeidig war die Sache mit dem Urheberrecht. Das „Bibelwerk“ ließ drei Monate warten, sagte dann zu, verlangte aber – in Gottes Namen – Lizenzgebühren.

Der in Kärnten geborene und in Wien akademisch ausgebildete Designer Andreas Volleritsch machte sich an die Arbeit.

Er weiß, wie man gutes Layout hinkriegt. Bewiesen bei Werbeagenturen in Wien (Neunzigerjahre), 1998 bis 2003 als Artdirector des Bauer-Verlags in Hamburg.

2003: Gründung „Neubau Editorial Design“(mit Michaela Pernegger), Standorte Hamburg und Pettenbach/OÖ.

2010: Am Kiosk gibt es „Das Neue Testament“ zu kaufen: „Am Anfang war das Wort/und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott.“ (S. 94) Im Lauf der Jahre werden rund 50.000 Exemplare verkauft. „Durch die Art der Umsetzung haben wir hauptsächlich Interessenten außerhalb der katholischen Kerngruppen angesprochen.“

 

Vom TV­Talk zum Verfassungs­Magazin

Zufall 2: ein Fernsehabend. Randa Yogeshwar, der witzige Naturwissenschaftsvermittler auf vielen Bildschirmen, sitzt in der Talkshow von Markus Lanz. Es ist der 17.10.2017 und man redet, wieder einmal, über die Flüchtlingskrise. Yogeshwar sagt: „Wir haben eine so tolle Verfassung! (starker Applaus im Studio) Wer das Grundgesetz nicht ge- lesen hat, sollte es jetzt lesen. Es ist toll!“ Bei Andreas Volleritsch & Freunden ist Magazin-Idee Nummer zwei geboren: "Das Grundgesetz" für Deutschland. Als das Werk Anfang 2019 erscheint passt es perfekt zum Jubiläum „70 Jahre“. Auf der Titelseite: „Die Würde des Menschen ist unantast bar.“ Dieses Projekt startet bereits mit 100.000 Exemplaren und einer schönen Sponsorenidee: Für die Platzierung ihres Firmenlogos zahlen fördernde Unternehmen je 1.949 Euro (analog dem Entstehungsjahr der deutschen Verfassung). Designer und Magazin-Macher Volleritsch: „Die intensiven Diskussionen ums Asylrecht und um die Verfassung insgesamt haben dem Magazin eine gute Unterstützung am Kiosk gegeben.“

 

„Eleganz der Verfassung“

Magazin drei: „Unsere Verfassung“. Für den Heimmarkt quasi. Einer der Geburtshelfer ist „Ibiza“. Der Bundespräsident spricht von der „Eleganz der Verfassung“. Eine Welle des Interesses am Werk schwappt durchs Land. Und der Geburtstag „100 Jahre Verfassung“ nähert sich (Oktober 2020). In Österreich breitet sich das Projekt rasch aus. Schulen bekommen das Magazin zum Vorzugspreis. Kaufen kann man „Unsere Verfassung“ an Flughäfen, Bahnhöfen, bei großen Lebensmittelketten, Trafken  und bei den Erfndern selbst (www.verfassung-magazin.at)

Andreas Volleritsch:„Es hat sich überraschenderweise auch der Buchhandel gemeldet, was uns natürlich freut.“ Mittlerweile ist aus „Unserer Verfassung“ bereits ein Geschenkartikel geworden. Eltern und Großeltern bestellen das Magazin stapelweise, um es an Kinder und Enkel weiterzugeben. Rechtsanwälte verschenken es an Klienten. Mit dem guten Gewissen, ein komplett österreichisches Qualitäts-Produkt zu kaufen: Erdacht in Österreich (vor 100 Jahren), designt in Oberösterreich, gedruckt im Lungau.  „Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volke aus.“ (Artikel 1).