Automatisierte Rechtsberatung für Österreicher kein Tabu mehr

DIGITALISIERUNG. LexisNexis-Studie zeigt Einstellung zu „Roboter-Anwälten“

 

Was ist dran am Hype um Legal Tech? Dieser Frage ist LexisNexis in einem aktuellen Whitepaper nachgegangen.

Dazu wurden nicht nur automatisierte Anwendungen und deren Auswirkungen in der österreichischen Rechtsbranche untersucht, LexisNexis unterzog deren wichtigste Spielarten auch einem Realitycheck und fragte die Einstellung der Bevölkerung zu „Roboter-Anwälten“ ab.

Das erste Fazit ist ein Weckruf für Juristen: Die Digitalisierung hat bereits begonnen, juristische Geschäftsfelder zu verändern. Knapp 70 % der Bevölkerung ist heute bereit für automatisierte Rechtsberatung, die auch schon angeboten und genutzt wird. Weniger im Rampenlicht aber ebenso revolutionär sind jene Services, welche Juristen in ihrem Arbeitsalltag einen Vorsprung verschaffen.

Der Sammelbegriff Legal Technology oder Legal Tech umfasst Online-Dienste und Programme, oft als „Roboter-Anwälte“ tituliert, die juristische Abläufe unterstützen oder automatisiert durchführen. Häufig geht es um effizientere Alternativen zu Rechtsdienstleistungen. Anbieter werben zum Beispiel mit „Günstiger und schneller als der Anwalt“. Spätestens seit der Legal Tech Experte und Professor an der University of Oxford, Richard Susskind, mit provokanten Thesen die Disruption der Rechtsbranche vorhergesagt hat, ist Legal Tech in aller Munde.

 

Zu Recht, sind doch Anbieter wie LegalZoom, Nolo und RocketLawyer in den USA seit Jahren etabliert. In Deutschland gibt es mit smartlaw und agreement24 stark wachsende Angebote mit mehreren hundert Unternehmenskunden. Diese Services ermöglichen mittels Online-Fragebögen die angeleitete Erstellung von Verträgen und anderen Rechtsdokumenten. Auf dasrecht.de können Testamente erstellt werden. E-recht24.de ist wiederum spezialisiert auf E-Commerce- und Website-Betreiber, bietet z. B. Videos, Check­listen und einen Impressum-Generator.

Generell werden anwaltliche Beratungstätigkeiten in standardisierbare Elemente unterteilt, die nach einem einheitlichen Schema bearbeitet werden – die individuelle Beratung durch einen Anwalt entfällt. Derartige Angebote richten sich vor allem an Privatpersonen und Kleinunter­nehmen und drängen in das Beratungsgeschäft kleinerer Kanzleien mit 1 – 3 Partnern. Österreich wird von diesen Entwicklungen besonders betroffen sein, da 86 % der Kanzleien in diese Kategorie fallen

Für das Whitepaper hat LexisNexis kürzlich eine umfassende repräsentative Umfrage unter 500 Personen durchgeführt, und die Akzeptanz von „Roboter-Anwälten“ in Österreich hinterfragt.

Die Umfrage zeigt, dass die Digitalisierung in den Köpfen der Österreicher bereits Realität ist: 68 % können sich vorstellen, eine Rechtsberatung zu nutzen, die anhand ihrer Eingaben online generiert wird. Unterschiede treten auf, wenn man juristische Problemstellungen einzeln anspricht, wie etwa sich mit Legal Tech-Hilfe selbst vor Gericht zu vertreten oder außergerichtliche Angelegenheiten zu regeln. Männer und Frauen haben unterschiedliche Ansichten zu „Roboter-Anwälten“ und wenn bestimmte Voraussetzungen – z.B. Datenschutz – erfüllt werden, dann sehen 71 % computergenerierte Rechtsberatung auch als Alternative zum Anwalt. Für eine Reihe juristischer Dienstleistungen wäre die Bevölkerung scheinbar bereit auf Anwälte zu verzichten.

 

Details zur Umfrage und zu den Gegenstrategien­ der Anwaltsbranche finden Sie im LexisNexis Whitepaper „Digitalisierung der Rechtsbranche“. Es ist frei verfügbar und kann unter:

Lexis.at/Whitepaper2017 heruntergeladen werden.