Anwaltsrankings, das Spiel mit Eitelkeiten

Mag. Katharina Braun

 

Bald erscheint in einem Wochenmagazin wieder das Ranking der besten Rechtsanwälte Österreichs. Hierbei geben Rechtsanwälte Bewertungen für ihre Freunde ( Pardon Freudscher,  gemeint Kollegen) ab. Allein diese Tatsache lässt also wohl berechtigt an der Objektivität dieser Rankings zweifeln. Denn ehrliche Frage: welcher Rechtsanwalt verhilft wohl einem seiner tatsächlichen Mitbewerber zu einem Vorteil, von welchem er nicht selbst auch profitieren würde? In der Praxis beurteilen also in etwa Vergaberechtsanwälte die Fachkompetenz von Familienrechtsanwälten, deren Tätigkeit sie  ( außer sie waren vielleicht selbst deren Klient) aus eigenem Erlebtem meist überhaupt nicht beurteilen können. Es gibt auch überhaupt keine objektive Kriterien für das Kriterium „der/die Beste“. Es wird einfach pauschal zB bester Kartellrechtsanwalt bewertet, ohne zu differenzieren zB in fachliche profunde ( und bitte nicht ausschweifende)  klare Ausarbeitung von Schriftsätzen, sprachlich guter Ausdruck, Aufritt bei Gericht, Wahrnehmung der Aufklärungsverpflichtungen, strategisches Denken. Was macht aber nun bitte einen Rechtsanwalt zum wirklich Besten; ja Allerbesten seiner Branche?

 

Auf ein aggressives Auftreten des Rechtsanwalts, welches dem Klienten oft mehr schadet, als es nutzt, kann es wohl nicht ankommen. Selbst die Einführung des Kriterium der Obsiegensquote würde aber nicht ausreichen um die tatsächliche fachliche ( herausragende) Kompetenz des Kollegen abschließend beurteilen zu können. Denn mitunter agiert ein Rechtsanwalt zwar fachlich einwandfrei, jedoch dreht ihm zB ein Sachverständige das Verfahren zu Lasten seines Klienten um, oder sagt ein Zeuge nachteilig aus.

Bei diesem Ranking eines österreichischen Wochenmagazins bewertet in Wahrheit eben nicht die gesamte Branche, sondern eben nur eine von diesem Magazin ausgewählte Anzahl an Rechtsanwälten. Diese sind meist größere Kanzleien, ( zufällig oder nicht) oft Anzeigenkunden dieses Magazins oder Kollegen, welche bereits in den Rankings auftauchten. Andere Rechtsanwälte sind vom Bewertungsprozess ausgeschlossen.

Als ich vor Jahren, da wusste ich noch nicht, dass nicht jeder Rechtsanwalt Bewertungen abgeben kann, eben so einen von mir ausgefüllten Fragenbogen an das Magazin mailte, bekam ich einen wütenden Anruf der zuständigen Redakteurin. Diese forderte mich auf ihr sofort zu sagen, von woher ich diesen Fragenbogen hätte ( nun auch Rechtsanwälte haben ihr Redaktionsgeheimnis😊), und sagte mir dezidiert, dass ich keine Bewertung abgeben dürfte. Es dürfen ausschließliche Rechtsanwälte bewerten, welche den Fragebogen vom Magazin selbst zur Bewertung übermittelt bekommen hätten.

Ein Kollege meinte, ebenfalls schon länger her, ich solle doch auch Kollegen anrufen und um eine Bewertung bitten. Ein solches Ranking wäre doch ein gutes Marketingtool und würden sich viele in der Branche um eben solche Bewertungen bemühen.  Sorry, das bringe ich nicht. Da bin wohl ich zu eitel.

Auf einem Anwaltstreffen bedankte sich eine mit mir gut bekannte Kollegin bei einer anderen Familienrechtsanwältin für die gegenseitige Bewertung. Auf meine Frage woher sie sich kennen würden, erhielt ich zur Antwort: „ Ich habe mir einfach das Ranking der letzten Jahre hergenommen, und dann die Kollegen aus anderen Rechtsgebieten angerufen. Denn die, die im Ranking aufscheinen, haben eben den Fragebogen. Wir geben uns dann gegenseitig Bewertungen. Vor meinem Anruf habe ich diese Kollegin gar nicht gekannt.“

 

„Wir sind so eitel, dass uns sogar an der Meinung der Leute, an denen uns nichts liegt, etwas gelegen ist“ ( Zitat Marie von Ebner- Eschenbach).

 

 

Eine Kollegin meinte, dass ihrer Einschätzung nach ihr dieses Ranking zwar geschäftlich gar nicht so viel bringen würde, aber natürlich würde es ihrem Ego schon schmeicheln und würde es sie einfach freuen ihre ehemaligen Kanzleipartner bei der Bewertung übertrumpfen zu können. So etwas hört man öfters, dies auch im Zusammenhang mit Feierlichkeiten rund um Branchenawards.

Nun Eitelkeiten ziehen eitle Menschen an. Dies sind dann meist Menschen, die bevorzugt auch Restaurants und Urlaubsdestinationen aufsuchen, die gerade hip sind. Mag der Strand im Nachbarort noch so schöner sein, bleibt dieser unbeachtet, weil dort eben nicht der Jet Set oder die Haute Volee.

 

Als ich einer Mandantin ua. wegen Beratungsresistenz das Mandat kündigte, ließ mich diese wissen, dass ich mir nichts einzubilden brauche, würde ich doch nicht einmal in dem Ranking aufscheinen.

 

Immer mehr Menschen scheinen jedoch ohnedies mehr ihrem Hausverstand als dem Bewertungszirkus zu trauen.

 

Es amüsiert, mitunter wie mache Kollegen ihre Ehre definieren. Viele freuen sich zwar immens über einen Nennung in diesen sogenannten Rankings, doch würden sie es mit ihrer Ehre als ganz unvereinbar finden einen klaren verständlichen Artikel, mit welchem Leser eines Popularmagazins Rechtsaufklärung finden, zu verfassen.  Man hört dann Sätze wie: „In einer solcher Zeitung nie und nimmer. Ich schreibe ausdrücklich ( Anmerkung mit x Fußnoten für ein kleines eingeschworenes Fachpublikum) in angesehenen Fachzeitungen oder Qualitätsmedien“.

Meiner Meinung nach sollen bewerten  echte Kunden, daher Bewertungen sollen auf echten Kundenkontakten/ echten Leistungen basieren.

Das Tolle am Unternehmertum ist aber eben, dass es für jeden die passende Klientel gibt. Ich halte nach wie vor die Mundpropaganda für die beste Bewertung.

Es fragen mich immer wieder Kollegen ob ich diesen „ominösen“ Fragenbogen habe. Wenn ja, könnten wir uns doch eben Zug um Zug bewerten. Nun liebe Kollegen, an dieser Stelle ganz offiziell: ich habe einen solchen Fragebogen nicht, bitte also andere Kollegen kontaktieren.