Blockchain! What?

  Dr. Oliver Völkel, LL.M       Bryan Hollmann, Esg., LL.M.         Mag. Leyla Farahmandnia        Lorenz Marek, LL.M

 

FINANZWELT NEU. Am 26. November 2018 hat die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) den EU-weit ersten Kapitalmarktprospekt auf Blockchain-Basis gebilligt. Österreich gehört damit zu den ersten Ländern, in denen „tokenisierte“ Wertpapiere angeboten werden.

 

Ein Security Token Offering (STO) verbindet die klassische Welt des Kapitalmarkts mit der Blockchain-Technologie. Bei klassischen Emissionen am Kapitalmarkt bietet ein Emittent seine Wertpapiere interessierten Anlegern zur Zeichnung an. An solchen Transaktionen sind in der Regel eine Vielzahl von Akteuren beteiligt. Neben Arrangeuren, die ein Angebot strukturieren, kommen Banken verschiedene weitere Funktionen zu; etwa jene einer Verwahrstelle, bei der die Wertpapiere verwahrt werden, oder einer Zahlstelle, über die sämtliche Zahlungen von und an die Anleger abgewickelt werden. Gemeinhin ist es bei größeren Emissionen weiters üblich, dass Banken als erste Zeichner die Wertpapiere über-nehmen und im Anschluss weiterverkaufen.

 

Bei STOs bietet ebenso ein Emittent seine Wertpapiere interessierten Anlegern zur Zeichnung an. Das Besondere daran ist die Nutzung der Blockchain-Technologie zur Abwicklung der Emission und auch der später anfallenden Aufgaben. Technische Voraussetzung dafür ist eine programmierbare Blockchain wie etwa Ethereum. Eigens für die Wertpapieremission erstellte Smart Contracts nehmen dann Zeichnungsaufträge von Anlegern entgegen, leiten den Emissionserlös an den Emittenten weiter, kümmern sich um die Ausgabe der Wertpapiere an die Anleger und auch um die Weiterleitung von Zahlungen des Emittenten an die Anleger. Anstelle von physi-schen Papierurkunden dient die Blockchain als Wertpapierregister; und anstatt Geld über Bank-konten zu transferieren, werden die geschulde-ten Geldbeträge zur Zahlung zunächst in eine Kryptowährung umgetauscht und anschließend über die Blockchain übertragen.

 

Das Schlagwort dabei lautet Tokenisierung. Durch die Nutzung der Blockchain als Register können die ansonsten etwa in einer physischen Urkunde verkörperten Rechte in einem Token auf einer Blockchain repräsentiert werden. Wer-den Rechte wie etwa der Anspruch auf Zinszahlung oder die Rückzahlung eines geliehenen Kapitals tokenisiert, werden die Token zu übertragbaren Wertpapieren. Die Übertragung des Tokens von einem Anleger an einen anderen bewirkt dann auch die Übertragung des tokenisierten Rechts.

 

Die Kanzlei über das Projekt

Oliver Völkel, Gründungspartner bei Stadler Völkel Rechtsanwälte, hat die Emission rechtlich strukturiert und zieht Bilanz: "Das Projekt H3O-Token zählt zu den bedeutendsten rechtlichen Herausforderungen, denen sich unsere Kanzlei im vergangenen Jahr gestellt hat. Die Vorarbeiten dazu haben beinahe ein Jahr vor der letztlichen Billigung des Kapitalmarktprospekts durch die FMA begonnen. Es gab in der Branche bis dato kein vergleichbares Angebot, daher mussten wir in enger Abstimmung mit der Aufsichtsbehörde Pionierarbeit leisten. Dabei mussten auch grundlegende Fragen geklärt werden, etwa ob die Blockchain überhaupt ein taugliches Register für Wertpapiere darstellen kann.

 

Stadler Völkel Rechtsanwälte

Die Rechtsanwaltskanzlei Stadler Völkel ist unter anderem auf Kapitalmarktrecht sowie Kryptowährungen und Digitale Assets spezialisiert. Die Kanzlei berät renommierte österreichische und internationale Unternehmen sowie Banken bei Rechtsfragen im Zusammenhang mit der Blockchain-Technologie.Stadler Völkel setzen sich aktiv dafür ein, die Akzeptanz der Technologie zu steigern. So veröffentlicht die Rechtsanwaltskanzlei regelmäßig online Mitschnitte von Veranstaltungen, bei denen die Technologie aus verschiedenen Blickwinkeln juristisch betrachtet wird, hat bei der Entwicklung der Blockchain Roadmap des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft einen Beitrag geleistet und organisiert dazu regelmäßig Lehrveranstaltungen am Juri­dicum der Universität Wien.

 

Beratungsteam

Das Beratungsteam von Stadler Völkel bestand aus Dr. Oliver Völkel, LL.M. (CLS), Gründungspartner der Kanzlei mit Schwerpunkt im Bereich Bank-, Finanz-, und Kapitalmarktrecht sowie dem Recht der Kryptowährungen, Bryan Hollmann, Esq., LL.M., Counsel im Bereich Kapitalmarktrecht und US-Wertpapierrecht (zugelassen in New York), sowie weiters Mag.a Leyla Farahmandnia und Lorenz Marek, LL.M. (WU), beide Rechtsanwaltsanwärter der Kanzlei.