Claudia Hirtl bei Susan Boutwell Gallery, München

Claudia Hirtl wurde 1954 in Wörgl, Tirol geboren. Sie lebt und arbeitet in Wien, wo sie von 1988 bis 1998 eine Assistenzprofessur an der Akademie der bildenden Künste innehatte. Seit den 1980er Jahren sind ihre Bilder in zahlreichen Einzel-und Gruppenausstellungen gezeigt worden. Ihre Arbeiten und Arbeitsweise sind in mehreren Filmportraits zu sehen, u.a. in „HIRTL. ZEITWEISEN“, zircon_coelin_prod., Filmportrait von Ch. Ljubanovic, Paris, (2003 – 2013) und im Film-portrait „Claudia Hirtl“ von Daniel Zanetti 2017 siehe www.susanboutwell.com.

Im vergangenen Jahr wurde ihr der Preis für zeitgenössische Kunst des Landes Tirol verliehen. Die Ausstellung von Claudia Hirtls Bildern im Südtiroler Kulturinstitut, Bozen, „Das Echo vor der Stimme“ ist noch bis einschliesslich dem 2. Dezember zu besichtigen.

 

Hirtls Auseinandersetzung mit philosophischen Begriffen wie Zeit, Raum/Ort, Innen/Außen, Sprache, Sinn, Selbst, Herz, Seele, Geist hat zu einem reichhaltigen, ausdrucksstarken und eindrucksvollen Oeuvre von Bildern geführt, das sich einfachen kunsthistorischen Kategorisierungen der Postmoderne verweigert und von seinen Betrachtern eine meditative, reflektierende Disposition verlangt. Hirtls Kunst ist grenzgängerisch ohne Grenzen zu beachten; sie durchquert westliche und fernöstliche Denkweisen und sucht das Eine durch das jeweils Andere zu erläutern oder zu verstehen; sie inkorporiert japanische Ideogramme, kanji, in westliche Abstraktion; sie spielt mit diesen graphischen Linien und verwandelt das Skripturale in Bildhaftigkeit, die den Signifikanten und den Sinn des Schriftzeichens bewusst auflöst; und sie konfrontiert den westlichen Betrachter mit einem Enigma der Fremdartigkeit, weil er meint, das Bildgeschehen könne erst verstanden werden, wenn man bloß das Ideogramm „lesen“ könnte. Aber Benennen ist nicht identisch mit Erkennen viel wichtiger wird in der Betrachtung von Hirtls Bildern das Schauen und Empfinden, wobei gerade der Erfahrung der Verunsicherung bzw. des Nicht-Festhalten-Könnens, Nicht-Definierens und Nicht-Zuordnens besondere Bedeutung zukommt. Hirtls Werk teilt sich in großformatige Tafelbilder und mehrteilige, kleinerformatige Bilder, die häufig als komplementär zu verstehen sind bzw. als alternative Ausdruckswege zu einem Begriff. Dieser wird repräsentiert durch ein kanji, das laut Hirtl an sich schon eine „Seinsweise in Bildern“ darstellt. In Übereinstimmung mit den inhärenten – wenn auch nicht unbedingt lesbaren Schriftzeichen, nennt Hirtl ihre Großformate „Hauptsätze“ und die kleineren Bilder „Nebensätze“, was ihrer reichen Bildsprache trotz aller Abstraktion und Reduktion einen syntaktischen, ja sogar narrativen Charakter gibt. Das Schauen mit Ausblicken, Durchblicken und Rückblicken auf andere Bilder gestaltet sich zu einer faszinierenden geistigen Entdeckungsreise, einer Schärfung der Wahrnehmung und Empfindung, die ein persönliches Nachvollziehen der intellektuellen Intention der Malerin ermöglicht: nämlich, dass man nur durch stete Versuche der Annäherung an einen Begriff (wie Selbst oder Herz-Seele-Geist) zu einer Vorstellung von seinem Wesen gelangen kann.

Hirtls Bilder fordern Konzentration und das Auf-geben von gewohnten Wahrnehmungsmustern; sie verwandeln eine Leinwand in einen Anlass zur Meditation; sie verleihen Transzendenz Farbe, und sie bieten den Betrachtern ein Erlebnis­ des Sublimen.

 

 

Dieser Text ist zum Großteil Maria-Regina Kechts „Laudatio“ entlehnt (anlässlich der Verleihung vom Preis für Zeitgenössische Kunst 2016 an Hirtl seitens der Tiroler Landesregierung).

 

Claudia Hirtl ist die 2. Ausstellung, die in der Galerie von Susan Boutwell stattfindet. Nach über 15 Jahren als Direktorin der Boutwell Draper Gallery in Sydney, Australien, freut sich Susan Boutwell ihr neues Galerieprogramm im Kunst­areal in München zu präsentieren.

Susan Boutwell wird ihre bisherige Zusammenarbeit mit jungen als auch etablierten Künstlern aus Australien und Neuseeland fortführen und gleichzeitig eine Plattform für Kunst aus München und dem internationalen Ausland bieten.