"Antworten statt Ergebnislisten"

DIGITALISIERUNG. LexisNexis profitiert von Investition und Forschung des Mutterkonzerns in Sachen Rechtsrecherche. Österreich-Geschäftsführer Alberto Sanz de Lama will Anwälten helfen, in kürzerer Zeit neue und bessere Suchergebnisse zu erzielen.

Interview: Dietmar Dworschak

 

Ist die Digitalisierung in der Anwaltschaft in Österreich schon ein Thema?

 

Alberto Sanz de Lama: Österreich ist nicht nur bei den juristischen Amtswegen und bei der Digitalisierung der Gesetzgebung ganz weit vorne, auch im Bereich der Recherche haben österreichische­ Anwälte bereits vor zehn Jahren damit zu arbeiten begonnen. Mittlerweile arbeitet ein Großteil der Kanzleien­ auf modernstem digitalen Niveau.

 

Printprodukte haben es auch im juristischen Bereich zunehmend schwerer. Wie erleben Sie den Wandel in Richtung Digitalisierung?

 

Alberto Sanz de Lama: Digitalisierung ist bei uns keine aktuelle Entwicklung der letzten Jahre, wir arbeiten schon sehr lange daran. Wir sehen, dass die Zahlen der Nutzer im digitalen Bereich dynamisch wachsen. Im Gegensatz zu z.B. Tageszeitungen sind wir im juristischen Bereich in einer Situation, wo wir dank Digitalisierung­ noch zusätzlichen Nutzen für Anwälte schaffen können – und zwar dahin gehend, sie dabei zu unterstützen, sich in der Informationsflut der juristischen Welt schneller, effizienter und gezielter zurecht zu finden. Jeden dritten Tag gibt es in Österreich ein neues Gesetz. Dazu kommt jene Literatur, die mit den Gesetzen einhergeht. Auf der anderen Seite haben wir es mit steigender Komplexität zu tun. Es wird immer schwerer, in diesem Dschungel der Information den Durchblick zu bewahren. Da dieses juristische Material – im Gegensatz zu aktuellen Informationen­ – über die Zeit relevant bleibt, steht der Recherchierende vor großen Herausforderungen. Da kann die Digitalisierung helfen, zum einen die gesuchten Resultate schneller zu finden und zum anderen die Qualität des Gesuchten zu steigern. Es geht jetzt nicht mehr um die Menge, sondern darum, in dieser Menge das Richtige­ zu finden. Schnell und qualitativ hochwertig.

 

Welche Rolle wird LexisNexis bei der Digitalisierung einnehmen?

 

Alberto Sanz de Lama: LexisNexis gehört zu einem weltweiten Konzern, unter anderem sind wir das weltweit größte Fachmedium. Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, die digitalen Inno­vationstreiber zu sein. Wir investieren jährlich Millionensummen, um unsere digitale Rechtsrecherche zu verbessern. Wir sehen unsere Mission darin, den Anwälten in dieser von immer mehr Informationen überfluteten Welt schneller relevante Antworten zu liefern. Wir erleben eine spannende Entwicklung: Technologie lässt die Rechtsbranche aufblühen. Repetitive Tätigkeiten und Analysen großer Datenmengen wie in der Rechtsrecherche, da sind Maschinen besser als wir, und dabei können sie uns auch entlasten. Wir haben die Entwicklung im Bereich Legal Tech im Blick und filtern welche Ideen nützlich sein können und machen daraus ausgereifte Lösungen, die wir in unsere Rechtsrecherche integrieren.

 

Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung im juristischen Bereich bereits heute?

 

Alberto Sanz de Lama: Wir erleben, nicht nur in Österreich, dass der Druck auf Anwälte und Kanzleien permanent zunimmt. Man muss als Anwalt stärker aufs Geld schauen und effizienter und schneller werden. Es geht darüber hinaus aber auch um die Frage: Welche Themen kann ich als Anwalt abdecken? Anwaltskanzleien unter einer gewissen Größe können es sich nicht wirk­lich erlauben, extrem spezialisiert zu sein.

Hier ist es die klassische Autorenarbeit in Kombination mit Digitalisierung mit der wir es Anwälten ermöglichen, in Bereiche einzusteigen, die nicht ihr Kerngebiet sind.

Früher war es notwendig, solche neuen Themen durch klassische Recherche ziemlich zeitaufwändig aufzubereiten. Bei LexisNexis haben wir eine neue Dokumentenform mit sehr prägnanter Schreibweise entwickelt. Damit decken wir Themen in sehr praktischer Beschreibung ab, so dass der Anwalt pragmatisch die nächsten Arbeitsschritte angeboten bekommt. Der Fokus liegt auf praktisch, nicht auf akademisch. Damit kann sich der Anwalt in 15 bis 20 Minunten ein neues Themenfeld grundsätzlich erschließen. Auf Basis dieser Erkenntnis führt er ein erstes Gespräch mit dem Mandanten und vertieft bei Bedarf seine Recherche. Antworten statt bzw. zusätzlich zu Ergebnislisten helfen, die Geschäftsbereiche einer Kanzlei zu erweitern.

 

Wie kommen Sie konkret zu solchen Antworten?

 

Alberto Sanz de Lama: Das gelingt uns, indem wir erstmals eine neue Technologie nach Österreich gebracht haben. Es geht nicht mehr darum, die klassische Volltextsuche anzubieten. Wir gehen weit darüber hinaus und verwenden Technologien rund um „machine learning“, wo wir erkennen, welche Zusammenhänge zwischen Themen und in der Folge auch zwischen Dokumenten bestehen. Es ist viel mehr als die bisherige Stichwortsuche.

 

Unsere Suche findet auch inhaltlich-passende Dokumente, die nicht notwendigerweise das Stichwort enthalten. Zusätzlich sind wir in der Lage Rechercheergebnisse visuell darzustellen: Da ist zum Beispiel ein OGH-Entscheid. Ergänzend zur Er­gebnisliste bieten wir die Möglichkeit an, diese als Punkte in einem Diagramm zu visualisieren. Über die Zeitachse zeigen wir, wie viele und welche Dokumente in Zusammenhang stehen. Und durch die Größe erkennt man die Relevanz. Wenn ich also wenig Zeit habe und mich zu diesem OGH-Entscheid erkundigen will, dann erkenne ich auf einen Blick die Relevanz und Aktualität aller damit verbundenen Dokumente und sehe sofort das wichtigste Dokument. Das ist für den klassischen Anwalt, der sauber recherchieren will, der schnellste Weg, um in der Unmenge der Informationen das Richtige zu finden.

 

Welche Reaktion haben Sie in der Anwaltschaft?

 

Alberto Sanz de Lama: Wir erleben, dass Anwälte – genauso wie Steuerberater – diese Fokussierung auf rasch abrufbare Ergebnisse sehr schätzen. Unsere Suchtechnologie entwickelt sich sehr dynamisch. Es ist ein großer Vorteil, Teil eines interna­tionalen Konzerns zu sein, der in Sachen Digitalisierung juristischer Inhalte einen bedeutenden Entwicklungsvorsprung mitbringt.

 

Herr Sanz de Lama, danke für das Gespräch.