„Ich habe oft erfahren, dass man viel erreichen kann.“

VERMITTLERIN. Die in der Türkei geborene, in Istanbul und Wien tätige Wirtschaftsanwältin Frau Ceyda Akbal Schwimann, LL.M. ist spezialisiert auf Investitionsschutz und Schiedsgerichtsverfahren. Mit dem Background ihrer internationalen Expertise berät und vertritt sie erfolgreich europäische Unternehmen in der Türkei.

 

Nach vielen Jahren in verschiedenen nationalen und internationalen Wirtschafts-Großkanzleien sind Sie seit heuer Partnerin der Kanzlei IAS Partners – Ipek | Akbal Schwimann. Was war Ihr Motiv, sich für diese Kanzlei mit den Standorten Istanbul und Wien zu entscheiden?

 

 

Ceyda Akbal Schwimann: Innerhalb kurzer Zeit nach meiner Übersiedlung nach Österreich im Jahr 2008 habe ich die Gelegnheit gefunden große österreichische und deutsche Firmen bzw. Konzerne in der Türkei zu vertreten bzw. in Angelegenheiten des türkischen Rechts zu beraten. Im Lauf der Zeit ist der Teil meiner Tätigkeit, der sich auf die Türkei bezieht, immer größer geworden. Mir war immer klar, dass ein Büro in der Türkei notwendig ist, um unser Klientel weiterhin erfolgreich zu vertreten. Deshalb habe ich mich zusammen mit meinem Partner in der Türkei, Mehmet Ipek mit dem ich seit mehr als 10 Jahren kooperiere, entschieden, endlich unsere Partnerschaft offiziell zu begründen.

Unsere Anwesenheit in Wien ist ebenso essentiell; wir sehen sie als eine Zusicherung an unsere Klienten, dass wir unsere Leistungen mit den höchsten professionellen Standards auf europäischer Ebene erbringen. Im Lauf der Zeit habe ich erfahren, wie wichtig es für europäische Klienten ist, mit Anwältinnen und Anwälten zu arbeiten, die sich ihrer Compliance-Anforderungen und sonstiger internationaler Gepflogenheiten bewusst sind. Unsere Präsenz in Wien ist auch für unsere internationale Expertise im Bereich Investitionsschutz und internationale Schiedsverfahren wichtig. Ich bin türkische und englische (und damit europäische), aber keine österreichische Anwältin, daher vertreten wir Klienten nicht vor österreichischen Gerichten und beraten nicht in Angelegenheiten des österreichischen Rechts.

 

Wenn Sie an Ihre Ausbildung in Istanbul und Cambridge zurückdenken: Wie ist die Begeisterung fürs Wirtschaftsrecht entstanden, und wie haben Sie es im Lauf Ihrer Karriere geschafft, Beraterin internationaler Konzerne zu werden?

 

Ceyda Akbal Schwimann: Dies hat mit der internationalen Ausrichtung meiner Universität in Istanbul sowie meines Studiums in Cambridge zu tun. Dort habe ich mich auf Investitionsschutz konzentriert. Dass ich eine Anwältin für internationale Konzerne geworden bin, schulde ich dem Profil der Kanzleien, bei denen ich danach in Istanbul und Wien gearbeitet habe. Ich habe meine Tätigkeit in Istanbul bei einer internationalen Kanzlei begonnen, und es war die beste Zeit für internationale Konzerne, in der Türkei zu investieren. Als junge Anwältin habe ich dadurch, fast ausschließlich, ausländische Investoren in der Türkei vertreten und mir bei Investoren bzw. im Wirtschaftsrecht einen Namen gemacht. Meine Erfahrung als türkische Anwältin, nachdem ich nach Wien gezogen bin, war eine erweiternde Bereicherung. Seit 2009/10 begannen sich aus diesen Investitionen Konflikte zu ergeben. Damals habe ich gemeinsam mit unserem Team begonnen, große Konzerne und Unternehmen bei der Konfliktlösung vor türkischen Gerichten und internationalen Schiedsgerichten zu vertreten. Unsere Erfahrung im lokalen und internationalen Bereich hat uns die Übernahme wichtiger Fälle ermöglicht und die dabei erzielten Erfolge zogen die Bearbeitung weiterer und komplexerer Themen nach sich.

 

Sie verfügen über langjährige Erfahrung in der Vertretung multinationaler Konzerne vor Gerichten. Was gehört dazu, dass man als Anwältin solche Verfahren gewinnt?

 

Ceyda Akbal Schwimann: Sorgfalt in den Details und die Fähigkeit, die größeren Zusammenhänge zu beachten, um auf diese Weise die richtige  Lösung zu gewinnen. Ebenso wichtig ist eine möglichst intensive Verfolgung des Verfahrens, damit die sachverhaltliche und rechtliche Position richtig und auf allen Ebenen lückenlos dargestellt werden kann. Ich habe oft erfahren, dass man viel erreichen – manchmal auch das „Spiel ändern“ – kann, wenn man einem „hands-on approach“ folgt. Das alles erfordert natürlich einen entsprechend großen Aufwand.

 

Sie sind auch in der Königsklasse der juristischen Auseinandersetzung – in der Schiedsgerichtsbarkeit – international tätig. Welche Gründe gibt es für Unternehmen, diese Art von Gerichten lieber anzurufen als nationale Gerichte?

 

Ceyda Akbal Schwimann: Die Qualität unserer Klientenbetreuung steigert die Bereitschaft zu Schiedsverfahren, was mehrere Vorteile hat: Wesentlich ist die Möglichkeit, Schiedsrichter mit einer besonderen Sachkunde in Bezug auf den konkreten Fall auswählen zu können. In Schiedsverfahren werden die Sachverhalte und die rechtlichen Probleme mit allen Details dargestellt und analysiert. Das heißt, dass die Parteien ihre rechtliche Position und die entsprechenden Risiken deutlicher und früher erkennen und einen möglichen Vergleich erwägen können: Durch einen Schiedsvergleich ist in den meisten Staaten die weitere gerichtliche Verfolgung eingeschränkt, was häufig langwierige Verfahren ausschließt. Überdies bietet die New York Convention von 1958 die Möglichkeit, Schiedssprüche in 165 Staaten zu vollstrecken. Da die Möglichkeit, einen Schiedsspruch vor staatlichen Gerichten anzufechten, eingeschränkt ist, werden die Auseinandersetzungen oft mit einem Vergleich, gleich am Anfang oder nachdem die Parteien die jeweilige Position sehen, beigelegt. Ich beobachte, dass dieser Vergleichsaspekt für unsere Klienten von großem Interesse ist.

 

Es liegt auf der Hand, dass Sie mit Ihrer Kanzlei wirtschaftliche Brücken zwischen der Türkei und Europa bauen. Da herrscht momentan politisch nicht das beste Klima. Ist das wirtschaftliche Klima zwischen diesen beiden Partnern besser?

 

Ceyda Akbal Schwimann: Leider ist das politische Klima zwischen der Türkei und Europa momentan angespannt. Dies hat zur Folge, dass neue Investitionen stagnieren. Andererseits bleiben, meines Wissens nach, die bestehenden österreichischen Investoren in der Türkei. Dies ist wichtig und bestätigt meine Einschätzung, dass Investitionen in der Türkei langfristig profitabel sind. Das wahre Risiko, dem die ausländischen Investoren in der Türkei ausgesetzt sind, ist nicht politisch; die Risken, die sich auf das Verhalten der Geschäftspartner beziehen, sind größer. Dessen müssen sich die Investoren bewusst sein. Sie müssen von Anfang an auf allen Ebenen mit erfahrenen und professionellen Partnern arbeiten.

 

Wo liegt der geografische Schwerpunkt der Arbeit der Kanzlei, in der Sie seit 2020 Partnerin sind? Beraten Sie eher Unternehmen auf dem Weg in die Türkei oder Firmen, die sich aus der Türkei in Richtung Europa orientieren

 

Ceyda Akbal Schwimann: Unser Kernbereich ist die Beratung bzw Vertretung von europäischen Unternehmen in der Türkei bzw in Angelegenheiten des türkischen Rechts. Wir beraten auch türkische Exportunternehmen in Vertragsverhandlungen mit ausländischen Unternehmen und vertreten sie in Schiedsverfahren mit Sitz in Europa, besonders in Österreich oder der Schweiz. Im Bereich Investitionsschutz arbeiten wir auch in den GUS-Staaten.

Sie kennen und arbeiten sowohl im Rechtssystem der Türkei wie auch in den Rechtssystemen der übrigen Welt. Wenn Sie es sich aussuchen können: Wo verhandeln Sie am liebsten?

 

Ceyda Akbal Schwimann: In der Türkei, wo ich geboren und aufgewachsen, und seit 2005 tätig bin. Überdies reizen mich Investitionsschutz themen in den GUS-Staaten.

 

Sie sind im besten Sinn des Wortes ein „Role Model“ für „Frauen im Recht“: International ausgebildet und tätig, mehrsprachig, erfolgreich. Können Sie jungen Kolleginnen Ihren Karriereweg empfehlen? Welche Qualitäten müssen Frauen mitbringen, die Ihnen nachfolgen möchten?

 

Ceyda Akbal Schwimann: Danke für das Kompliment. Während es natürlich unumgänglich ist, generell und immer hervorragende Arbeit abzuliefern, ist dies leider nicht ausreichend für eine erfolgreiche Karriereentwicklung. Unsere jüngeren Kolleginnen müssen so früh wie möglich, auch wenn sie für eine Anwaltskanzlei arbeiten, ein unternehmerisches Verhalten annehmen. Sie müssen Netzwerke und Kontakte aufbauen, und sich für die Geschäftsentwicklung engagieren; dafür sind die Mehrsprachigkeit sowie Kenntnis über Industriebereiche oder andere Regionen dieser Welt selbstverständlich wichtig. Selbstvertrauen und Mut sind nötig, um rationale Entscheidungen zu treffen. Unsere jüngeren Kolleginnen müssen diese Qualitäten immer weiter entwickeln und ihre Entscheidungen dann mit Leidenschaft umsetzen.