Trumps Impeachment-Anwalt? Wir haben gegen ihn gewonnen.

Dr. Robin L. Lumsden,

MBA in Science (Stanford) LL.M. (Berkeley) ist Rechtsanwalt in Wien, New York und Washington D.C. und Honorarkonsul von Jamaika  in Österreich.


Robin Lumsden ist ein Ausnahmetalent in der Anwaltsbranche. Studien in Wien, Stanford & Berkeley, eine Kanzlei mit Outlets in Manhattan und im Silicon Valley, Milliardendeals für die Stadt Wien, den Flughafen und Co,

Crypto-Experte und Verhandler aus Leidenschaft. Für „Anwalt Aktuell“ nimmt er sich Zeit für ein ausführliches Interview.

Interview: Dietmar Dworschak

 

Herr Doktor Lumsden, nach fast drei Jahren im Silicon Valley seit 2019 wieder europäischen Boden unter den Füßen. Mal ehrlich: Wo gefällt’s Ihnen besser?

Robin Lumsden: Doktor Lumsden… da wär’ gleich so ein Punkt an den ich mich hier nicht und nicht gewöhnen will. In den Staaten kennt keiner deinen Titel, alle aber Deinen Vornamen. Die gewisse Lockerheit – Hi Robin, what’s up – das hab ich schon sehr zu schätzen gelernt. Aber im Ernst: für mich ist der wahre Luxus, dass ich weder auf das eine noch auf das andere verzichten muss. In Wien – übrigens nach wie vor im schönen Kagran – lebe ich mit meiner Familie, im Silicon Valley haben wir mittlerweile jedoch auch einen Wohnsitz. Schließlich kommt rund die Hälfte unserer Klienten zu uns mit einem us-amerkanischen Rechts- und/oder Wirtschaftsthema.

 

Als Wiener Kanzlei-Start-Up die Spezialisierung auf das Big Business Übersee. Diese Deals gehören doch üblicherweise in die Welt der Großkanzleien diesseits und jenseits des großen Teichs. War das nicht außerordentlich riskant?

Robin Lumsden: Ehrlich gesagt: ich gebe Ihnen recht. Aber wie bei vielen Challenges in meinem Leben, war mir schon bald nachdem ich begonnen hatte in Stanford Wirtschaft und neue Technologien zu studieren klar, dass ich’s zu 100 % versuchen muss diesen Bereich auszubauen. Es ist dann auch wirklich schneller als gedacht aufgegangen und ist ein echtes Business für uns geworden.

 

Woran liegt das?

Robin Lumsden: Ich geb’ Ihnen ein Beispiel: Die wirklich exzellenten und erfolgreichen Vorstände Günther Ofner und Julian Jäger vom Flughafen Wien haben das vermeintliche Risiko genommen und uns als junge Kanzlei beauftragt, sie in einer Auseinandersetzung rund um ein US Joint Venture Projekt (auch JFK Airport) zu vertreten. Die haben uns genommen, weil wir hier am Standort in Wien deutschsprechende Anwälte haben, die über amerikanische Rechtsstreitigkeiten mit ihnen sprechen können. Experten aus den US einzufliegen ist dagegen enorm teuer und es kostet Zeit. Am Ende haben wir eine 200 Millionen Dollar-Forderung erfolgreich vor US Federal und State Courts bekämpft und abgewehrt. Eine echte Success-Story für den Mandanten und uns.

 

Sie scheinen auch wenig Respekt vor großen Namen in der Branche zu haben?

Robin Lumsden: Moment! Respekt haben wir generell. Respektvoller Umgang, Augenhöhe, Fairness – das liegt in unserer DNA. Und hier spreche ich für mein gesamtes Team. Wenn die Frage aber darauf abzielt, dass wir „kalte Füße“ bekommen, bloß weil auch unsere Gegner gute Anwälte haben, dann stimme ich Ihnen zu – das ist nicht der Fall. Allen Dershowitz, der wahrscheinlich bekannteste Anwalt der USA, vertritt jetzt Trump in seinem Impeachmentverfahren. Er war unser Gegner im Flughafen-Wien-Deal. Wir spüren, dass es um Fleiß, Kompetenz und Fantasie geht –  viel mehr als um den klingenden Namen am Türschild.

 

Was dürfen sich Klienten von Ihnen und Ihrer Kanzlei erwarten – womit konnten Sie so rasch überzeugen und zu einem Namen in der Branche werden?

Robin Lumsden: Wir sind eine agile und flinke Truppe. Ich habe nur Partner und Mitarbeiter zu denen ich absolut stehe (privat und beruflich), von denen ich auch viel lernen kann. Wir sind absolut unbürokratisch. In der Kanzlei gilt die Regel: Wer auch immer mit uns in Kontakt tritt, erhält innerhalb von zehn Minuten ein erstes Feedback. Und wenn’s bloß ein „Nachricht erhalten, wir arbeiten dran, wir rufen Sie zu diesem Zeitpunkt verlässlich an“ ist. Wir halten auch mit Wissen und erster Einschätzung nicht hinterm Berg, auch österreichische Kollegen rufen uns regelmäßig an und wir geben gerne erste US-Rechts-Auskünfte. 

 

Gibt es neben der Servicequalität, noch weitere Erfolgsfaktoren?

Robin Lumsden: Das ist ganz klar unsere Schwerpunktsetzung. Wirtschaftsrecht, M&A, US-Recht, Internationales (US) Handelsrecht und Cryptowährungen. Niemand käme auf die Idee uns in einem Sorgerechtsstreit zu Rate zu ziehen. Ich denke übrigens auch, dass die Spezialisierung und die Bereitschaft ständig weiter zu lernen, Schlüssel für die Zukunft sind. Kolleginnen und Kollegen die das übersehen, sehe ich real bedroht durch Digitalisierung und fortschreitende Standardisierung quer durch alle Rechtsbereiche. Darüber hinaus ist vernetztes Denken – Recht, Wirtschaft & Technik – besonders wichtig. Die Grenzen lösen sich zusehends auf. Gerade in so dynamischen Rechtsbereichen wie den unseren, ist es zwar ständig Arbeit, am Ball zu bleiben – dafür haben wir dann auch auf Klientenseite richtig viel Arbeit.

 

Aller guten Eigenschaften sind drei?

Robin Lumsden: Neben den Schwerpunkten ist da noch unsere Verbindlichkeit. Was ist damit gemeint? Wir liefern belastbare Aussagen. Keine Qualifkationen á la „diese Aussage gilt unter der Annahme, dass...“ sondern „Wir sehen das so aus den und den Gründen“. Da sind wir stark durch die Erwartungshaltung und den Usus in den USA geprägt. Dort verrechnet Ihnen ein Anwalt nicht jedes zweiminütige Telefonat, kostet dafür pro Stunde ordentlich und wenn er der Meinung ist zu wissen, wie er seinen Mandanten bestmöglich vertritt, dann sagt er das auch klar. Da geht es um längerfristige Strategien, Psychologie, die Magie gelungener Verhandlungen, gute Deals.

 

Gutes Stichwort. Was zeichnet einen guten Deal in Ihren Augen aus und was tun Sie um gute Deals zu erzielen?

Robin Lumsden: Ein guter Deal entsteht durch drei Zugänge zum Thema „Verhandeln“. Zum ersten: nicht das Offensichtliche, Plakative sondern das tatsächlich Relevante sehen lernen. Worum geht’s wirklich? Worum geht es noch? Zweitens ist der Tellerrand wirklich immer der falsche Horizont. In jedem Deal steckt mehr als das zuerst Genannte. Vergrößern Sie mit Ihrem Verhandlungspartner die Spielwiese bevor Sie die Kämpfer aufs Spielfeld schicken. Was gibt's an Benefits, vermeidbaren Schmerzen beiderseits und Alternativen? Dann erst beginnt die eigentliche Verhandlung und in der zählen Augenhöhe, Klarheit – gern auch Härte – aber immer adäquates Miteinander. Der Satz, dass man sich immer zweimal begegnet hat zumindest in meinem Leben noch jedes Mal

gestimmt.

 

Wie sehr hilft das unternehmerische und wirtschaftliche Know-how?

Robin Lumsden: Erstens weil wir selbst in der Kanzlei stark unternehmerisch denken und agieren und zweitens, weil wir – auch über das Stanfordnetzwerk – mit den erfolgreichsten Start-Up- Gründern der Gegenwart eng verbunden sind und viel von und mit ihnen lernen durften. Hier kommt auch wieder der US-Stil zu tragen.

 

Hätten Sie ein Beispiel für unsere Leser? 

Robin Lumsden: In der Finanzwelt – zumal in den USA – ist der Begriff „Weighted Average Cost of Capital" Standard. Worum geht’s? Wird eine Kaufsumme X zum Stichtag heute vereinbart, die Summe jedoch heute nur zu 20 % beglichen, der Rest in 10 Jahren, so sind auf die offenen 80% nicht bloß handelsübliche Zinsen zu rechnen, sondern eine Rendite, die der Verkäufer mit der Summe in den 10 Jahren mindestens erwirtschaftet hätte. Wirklich keine Rocket-Science aber man muss sich damit eine Zeit lang beschäftigen. Interessanterweise krieg ich das als Forderung meistens durch und obendrauf bekomme ich einen glücklichen Mandanten. Gegenargumente gehen eigentlich nur, wenn man sich auskennt – und das ist bei uns eben oft noch nicht der Fall.

 

Zum Schluss noch etwas Persönliches. Wie lebt Robin Lumsden – ständig auf Achse?

Robin Lumsden: Ich habe neben der besten Frau der Welt auch drei Kinder zwischen 6 und 12 Jahren. Heute mache ich nicht mehr jeden Trip, der sich irgendwie anböte. Für die Kanzlei bin ich aber sicher ein Drittel des Jahres auf Achse. Dann sehr oft im Silicon Valley – wissen Sie, das ist landschaftlich einfach sehr schön dort.