„Sagen Sie, was Sie wollen, nur so bekommen Sie es“

ÖFFENTLICHKEITSSTARK. Mit 13.000 Followern auf Instagram sowie mit Kolumnen in „Woman“ und „Standard“ ist Carmen Thornton eine Persönlichkeit mit hohem Aufmerksamkeitswert. Um ihren Beruf als Anwältin und ihre Aufgaben als Mutter zweier Kinder unter einen Hut zu bringen braucht sie eine Menge Organisationstalent und Disziplin.

 

Frau Magister Thornton, wie schaffen Sie den Spagat zwischen Person im Rampenlicht und der doch sehr persönlichen Anwaltsarbeit im Bereich Familienrecht?

 

Mag. Carmen Thornton: Ich glaube, der Spagat fällt leicht, wenn er die Wirklichkeit widerspiegelt. Das ist genau meine Person: Ich habe die Ausbildung zur Rechtsanwältin gemacht, ich habe meine Kanzlei gegründet und ich bin im Familienrecht tätig. Ich bin aber auch ein Familienmensch und sehr an Mode interessiert. Diese Gesamtperson spiegelt sich in meinem öffentlichen Auftritt und in den sozialen Medien wider. Einerseits habe ich Kolumnen in „Woman“ und im „Standard“, andererseits zeige ich auf Fotos meine Mode und mein Leben hinter den Kulissen – mit den Kindern, mit Geburtstagspartys und mit meinen Freunden. Ich möchte zeigen, dass sich die Anwaltei und Familie durchaus vereinbaren lässt.

 

Mir fällt auf, dass Sie ein sehr selbstbewusstes Frauenbild gestalten …

 

Mag. Carmen Thornton: Genau das möchte ich auch transportieren. Wir Frauen müssen uns nicht mehr als Männer verkleiden. Mittlerweile ist es doch so weit, dass wir Anwältinnen heute Kompetenz zeigen und trotzdem weiblich erscheinen können.

 

Welche thematischen Schwerpunkte betreuen Sie als Familienrechtlerin?

 

Mag. Carmen Thornton: Ich vertrete hauptsächlich in einvernehmlichen oder strittigen Scheidungen sowie in Obsorge- oder Unterhaltsverfahren. Daneben bin ich in der Vertragsgestaltung von Eheverträgen tätig, z. B. wenn einer der beiden Partner ein Unternehmen führt. Auch im Erbrecht habe ich einiges zu tun.

 

Ist Familienrecht eine klassische Frauendomäne?

 

Mag. Carmen Thornton: Das Familienrecht nicht, aber die Kommunikation. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Klienten sich lieber einer Frau anvertrauen. Insbesondere Klientinnen – schließlich bin ich selbst Mutter und kann viele Probleme gut nachvollziehen.

 

Männer gehören auch zu Ihrer Klientel?

 

Mag. Carmen Thornton: Ich habe fast gleich viele Männer wie Frauen als Mandanten. Es zeigt sich, dass sich Männer oft leichter tun, ihre Probleme mit einer Frau anstatt mit einem Mann zu besprechen.

 

Wie schaffen Sie das alles? Zwei Kinder, Anwältin – und sehr, sehr aktiv in Sozialen Medien?

 

Mag. Carmen Thornton: Mit einem sehr guten Zeitmanagement. Ich nutze jede Minute. Wenn ich mit dem Auto irgendwo hinfahre, erledige ich Telefonate, diktiere Aktenvermerke. Wenn ich für die Kinder koche überlege ich mir den Aufbau des nächsten Schriftsatzes. Ich lasse die Zeit nicht ungenutzt und arbeite auch oft am Wochenende.

 

Man hört gerade von Ihrer Generation immer wieder das Stichwort von der „Work-Life-Balance“. Kein Thema für Sie?

 

Mag. Carmen Thornton: Für mich bedeutet „Work-Life-Balance“, dass ich mir meine Zeit sehr frei einteilen und Beruf und Familie vereinbaren kann. Oft verbringe ich den Nachmittag mit meinen Kindern und arbeite dann am Abend oder auch am Wochenende. Vielen Klienten, vor allem Müttern, ist es auch lieber, am Abend zu telefonieren, wenn die Kinder schlafen. Ich muss auch dazu sagen, dass ich gar nicht zufrieden wäre mit einem 38,5 Wochenstunden-Job.

 

War es für Sie von Vornherein klar, dass Sie sagen: Ich mache meine eigene Kanzlei, ich bin Unternehmerin?

 

Mag. Carmen Thornton: Dieser Schritt war nicht einfach, aber ich muss sagen: Als Mutter von zwei Kindern sind die Karrierechancen in einer Großkanzlei begrenzt. Die Arbeit in einem Unternehmen wäre für mich inhaltlich nicht das Richtige gewesen. Dafür bin ich zu kompetitiv. Die Entscheidung für meine eigene Kanzlei war definitiv die richtige für mich.

 

Auf Instagram folgen Ihnen über 13.000 Personen. Wie wird man in diesem Sozialen Medium zum Star?

 

Mag. Carmen Thornton: Das hat sich auch aus einem Zufall heraus ergeben. Ich war ehrlich gesagt nicht sehr begeistert von Instagram. Zuerst habe ich es über Freunde, die es privat nutzten, kennengelernt. Ich habe anfangs überhaupt nicht verstanden, was den Reiz ausmacht, wenn man sich fotografiert und die Fotos ins Netz stellt. Nachdem ich mich angemeldet hatte ist mir aufgefallen, dass das kaum jemand unternehmerisch nutzt, und schon gar nicht jemand aus der Anwaltei. Ich war eine der ersten Anwältinnen in Österreich auf Instagram und glaube, dass ich vor allem in Kombination mit meinen Kolumnen mittlerweile schon eine relevante. Reichweite erzielt habe.

 

Gewinnen Sie auf dem Weg über Soziale Medien auch Klienten und Klientinnen?

 

Mag. Carmen Thornton: Ja. Es kommen wirklich Direktmandate über Instagram. Ich glaube, dass die Hemmschwelle bei vielen Leuten noch recht hoch ist, einen Anwalt anzurufen und die Probleme zu besprechen, während wenn man jemandem über längere Zeit auf Instagram folgt, dann hat man den Eindruck, man kennt diese Person. Da ist der Kommunikationsweg kürzer. Man kann über eine Nachricht sein Problem direkt beschreiben. Und es ist wirklich so, dass mir viele kurz berichten, dass es momentan Schwierigkeiten in der Erziehung oder in der Ehe gibt. Dann machen wir uns einen Beratungstermin in meiner Kanzlei aus. Das Mandat läuft anschließend wie jedes andere auch.

 

Sie kennen das Medium Instagram sehr gut. Warum, glauben Sie, nützen bei uns größere Kanzleien diesen Kanal so wenig, während man damit in den USA großen Erfolg hat?

 

Mag. Carmen Thornton: Ich finde, es gibt gerade für Großkanzleien sehr viele Möglichkeiten, Lifestyle und Abläufe abzubilden. Wie wir wissen, hat die TV-Serie „Suits“ sehr große Erfolge gefeiert, indem sie das Leben einer Wirtschaftskanzlei darstellt. Das könnten die Kanzleien auch bei uns tun, indem sie zum einen ihre Mitarbeiter präsentieren. In Richtung Klienten wäre das eine gute Möglichkeit, die Kanzlei zu personifizieren. Zum anderen kann man auf Instagram künftigen Mandanten hervorragend Räumlichkeiten und Ambiente zeigen, was bei Großkanzleien meistens ziemlich beeindruckend ist.

 

Wie sehen Sie die Zurückhaltung vieler Anwälte gegenüber den Sozialen Medien?

 

Mag. Carmen Thornton: Ich glaube, bisher war es so, dass Anwälte gar nicht gezwungen waren, Werbung zu machen. Tatsache ist aber, dass es immer mehr werden und die Spezialisierung massiv zunimmt. Aus diesen Gründen macht es schon Sinn, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Gerade für kleinere Kanzleien und

Spin-Offs ist das eine sehr günstige Werbemethode.

 

Frau Magister Thornton, danke für das Gespräch.