Die lebendige Visitenkarte

 

INSTAGRAM. Als Facebook das Social-Media-Portal Instagram übernahm, lästerten manche über den Kaufpreis von einer Milliarde Dollar. Mittlerweile erfreut sich diese extrem schnell wachsende Plattform auch bei der Advokatur steigender Beliebtheit.

 

Ein elegantes Messingschild neben der Eingangstür, ein Telefonanschluss, Visitenkarten und das obligatorische „unter die Leute“ gehen. Über Jahrzehnte waren das die Säulen erfolgreichen Marketings für viele Kanzleien. Ein moderner Web-Auftritt ist heute bereits eine Selbstverständlichkeit und gibt jedem neuen Klienten vorab die Möglichkeit, die Kanzlei und noch viel mehr kennenzulernen, von Publikationen bis zu den einzelnen MitarbeiterInnen. Doch was ist der nächste große Marketing – Schritt, den früher oder später jeder nimmt? Bleibt es beim professionellen Web- Auftritt oder halten bereits andere sozialen Medien Einzug in den traditionsbewussten Berufsstand der RechtsanwältInnen? Ist es in Zeiten des vieldiskutierten Datenschutzes und den Datenschutzskandalen rund um Facebook und Co vertretbar, dass AnwältInnen soziale Medien wie Instagram, Twitter und Co nutzen? Widerspricht ein wirksamer social media Auftritt dem bis heute umherziehenden Gerücht, AnwältInnen sei aus standesrechtlichen Gründen das „Werben“ verboten?

Instagram zählte am 20. Juni 2018 eine Milliarde Nutzer weltweit (Tendenz steigend) und nimmt heute neben Facebook einen bedeutenden Platz in der social media Welt ein (Quelle: statista.com).

Der Name Instagram ist einprägsam, das Prinzip simpel. Ausdrucksstarke Fotos gepaart mit kurzen Statements oder kurze Videosequenzen liefern sämtliche Inhalte an den einzelnen User. Der Vorteil liegt auf der Hand – mehr Informationen in kürzerer Zeit. Folgt man den richtigen Influencern, Politikern, Nachrichtenagenturen und Co, erhält man in einer Minute Instagram die geballte Ladung an Informationen und Nachrichten wie sonst kaum wo. Dabei stellt sich nicht mehr die Frage, wen man auf Instagram findet, sondern wen man hier nicht findet. Instagram gibt den Usern Einblicke in das aktuelle Geschehen weltweit, verbindet Menschen mit den gleichen Interessen und dient dabei nicht nur der Kommunikation, sondern vor allem der Präsentation. Im deutschsprachigen Raum erfreut sich In­stagram auch unter RechtsanwältInnen immer größerer Beliebtheit. Dabei geht es nicht ausschließlich darum, die eigene Kanzlei zu bewerben. Es sind die Einblicke in den anwaltlichen Alltag, die die Follower interessieren. Erfreuliche Momente, kurze anonymisierte Berichte darüber, wie die letzte Verhandlung wahrgenommen oder sogar erfolgreich für den Mandanten gewonnen wurde. Man diskutiert, erklärt und lässt andere teilhaben am täglichen Schaffen.

Die Follower-Anzahl einzelner Rechtsanwält­Innen zeigt eindrucksvoll das hohe Interesse an der anwaltlichen Tätigkeit. Auch die nächste Juristen-Generation zeigt schon lange und sehr erfolgreich vor, wie es funktioniert. Viele RechtsanwältInnen, JuristInnen und rechtswissenschaftliche StudentInnen aus Österreich und Deutschland präsentieren sich, ihre Arbeit oder ihr Studium­ massenwirksam – mit bis zu 20.000 Followern! Instagram wird mehr und mehr zur Schnittstelle zwischen Kanzlei, Mandanten und Nachwuchs-Juristen. Dabei zählt vor allem, sowohl Mandanten als auch den nächsten jurisitschen Mitarbeiter mit den richtigen Themen anzusprechen.

Der Bekanntheitsgrad der eigenen Person sowie der eigenen Kanzlei auf Instagram stellt ohne Zweifel einen großen Vorteil in vielen Bereichen dar. Der Follower fühlt sich „seinem“ Instagram-Anwalt vertrauter und wird diesen im Fall notwendiger Rechtsberatung auch gerne kontaktieren. Studienabsolventen mit mehreren tausend Followern steigern ihren eigenen Bekanntheitsgrad und somit Wert am Arbeitsmarkt enorm durch das erfolgreiche Selbst-Marketing. Der Vorteil für die eigene Kanzlei, erfolgreiche Instagramer als neue KollegInnen mit ins Boot zu holen liegt auf der Hand und hat sich aus diesem Konzept in den letzten Jahren daraus eine er­ folgreiche Marketingstrategie konzipiert: das Influencer-Marketing (Multiplikatoren-Marketing). Ein erfolgreicher Instagram-Auftritt für Unternehmen jeder Art und Größe ist heute jedenfalls nicht mehr kleinzureden.