Die Wahrheit ist zumutbar!

MAG. THOMAS KURZ

ist Rechtsanwalt in Wien (berufich), Musiker (nebenbei) und schreibt Bücher (sowohl als auch).

Thomas Kurz

Die Wahrheit über Rechtsanwälte

Was Sie schon immer über Rechtsanwälte wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten


 

INSIDER. „Was sie schon immer über Sex  wissen wollten, aber bisher noch nie zu fragen wagten“ war der sperrige Titel eines der lustigsten Filme von Woody Allen. Ähnlich dem großen US-Komiker beschreibt Rechtsanwalt Thomas Kurz seinen eigenen Berufsstand. Klienten werden sich totlachen, Kolleginnen und Kollegen werden …?

Beitrag: Dietmar Dworschak

 

 

Seit fast zwei Jahrzehnten lerne ich durch ANWALT AKTUELL scheibchenweise einen Beruf kennen, den ich noch immer

hochinteressant finde und dessen Vertreterinnen und Vertreter ich als kultivierte und zumeist amüsante Menschen erlebe. Es ist für mich ein biologisches Wunder, dass österreichische Anwältinnen und Anwälte nach vier Jahren Studium, fünf Jahren schonungsloser Unterdrückung namens Konzipientenzeit und der anschließenden Prüfung überhaupt noch zu einem Lachen fähig sind. Zumal die Aussichten, sich dann rasch einen Porsche zu kaufen, im einstelligen Prozentbereich liegen. 

 

Die Fähigkeit zu leiden

Mit dem Buch „Die Wahrheit über Rechtsanwälte“ hat der Wiener Rechtsanwalt Mag. Thomas Kurz ein Standardwerk geschrieben, dessen 140 Seiten mindestens ähnlich wuchtigen Aufklärungswert bieten wie die normalerweise wesentlich voluminösere Fachliteratur des MANZ-Verlages. Mag sein, dass speziell universitäre Fundamentalisten nicht zustimmen, wenn der Autor über die Rechtswissenschaft schreibt: „Es ist eine Wissenschaft, die aus einer Tätigkeit Geld macht, die weder jene verstehen, die sie betreiben, noch jene, die die Grundlagen dafür liefern – und schon gar nicht jene, die dafür zahlen.“ Drum prüfe, wer sich diesem Studium zuwendet, im Sinne des alten Witzes, „was Philosophie- und

Jus-Studierende antworten, wenn man ihnen sagt, sie sollen das Telefonbuch auswendig lernen: Der Philosophiestudent fragt ‚Wozu?‘, der Jusstudent ‚Bis wann?‘“. 

 

Im Zeichen des Chamäleons

Weder Anwälte noch Klienten werden dem Autor widersprechen, wenn er als Wappentier des Berufsstandes das Chamäleon nennt: „Auch Rechtsanwälte haben beides geschafft. Sie liefern in bemerkenswerter evolutionärer Wandlungsfähigkeit das, was die Gesellschaft braucht (oder zu brauchen glaubt), und sie haben sich als professionelle Streitsüchtige einen Platz erobert, den sonst niemand haben will. Außerdem zeichnen sich Anwälte wie Chamäleons dadurch aus, dass sie sich meist unauffällig verhalten und dann, wenn man es am wenigsten erwartet, blitzschnell zuschlagen.“ Die hohe Kunst, sich auf die jeweilige Situation rasch und ohne mit der Wimper zu zucken, einzustellen, gehört zu den Grundausstattungen der erfolgreichen Advokatur. Die clevere Rechtsanwältin, der alerte Anwalt entziehen sich elegant jeder Diskussion über das Verhältnis zwischen Recht und Gerechtigkeit. Diese Spekulationen werden dem Klienten überlassen: „Wer davon überzeugt ist, zu gewinnen, ist bestenfalls naiv. Wer den Richter fragt, wie es ausgehen wird, ist naiv. Wer seinen Rechtsanwalt fragt, wie es ausgehen wird…Sie haben das Prinzip verstanden. Daher folgern wir: Das Recht ist nicht subjektiv, man kennt es nur im Vorhinein nicht.“ 

 

Ich streite, also bin ich

Je nach Mentalität und Temperament bzw. Berufsverbissenheit wird man dieses Buch durchaus unterschiedlich beurteilen. Allgemeines (Selbst-) Mitleid sollte jedoch beim Kapitel „Umgeben von Feinden“ aufkommen, wo der Autor fragt: „Freut sich der Rechtsanwalt über den Klienten?... Nein. Er freut sich über den Erfolg, das Gewinnen, das Zerstören des Gegners, das Prestige, das Geld. Aber nicht über den Klienten.“ Es folgen Beschreibungen der schwierigen Verhältnisse zu Richtern, Berufskollegen, Kanzleikollegen und Kanzleimitarbeitern. Das Kapitel „Freundschaften“ ist deutlich kürzer. Durch das Standardwerk „Die Wahrheit über Rechtsanwälte“ zieht sich leitmotivisch die bohrende Frage, warum jemand eigentlich diesen Beruf ergreift. Thomas Kurz bringt es im Finale auf den Punkt: „Was soll man sonst werden, wenn man viel reden und gleichzeitig ordentlich Geld verdienen will?“