Das 21. Jahrhundert könnte das Jahrhundert der Frau als Anwältin werden?

Jüngste Prognosen gehen davon aus, dass Frauen gesamtgesellschaftlich einen Machtzuwachs erhalten. So spricht das Zukunftsinstitut in Kelkheim gar von einem „Megatrend Frau“ und entwirft Visionen einer weiblichen Umgestaltung der Gesellschaft. Diese Meinung vertrat die Frankfurter Allgemeine in einem Interview am 18. Juli 2001 mit der damaligen Bundesfamilienministerin Christine Bergmann.

 

Diese Prognose hat sich 19 Jahre später offenbar noch nicht in diesem Ausmaß verwirklicht. Sonst würden wohl kaum die folgenden Themen in prominenten Practising Law, New York www.pli.edu/programs/women-lawyers-in-leadership im Kontext des Ausbildungsprogramms „Women Lawyers in Leadership 2020“ auf der Agenda stehen. Da geht es vor allen Dingen um unbewusste Vorurteile gegenüber Frauen im Recht, wie man diese zunächst mal überhaupt erkennen kann und wie wir damit umgehen sollen. Da wird die Frage gestellt, wie Frauen auch angesichts dieser nach wie vor vorherrschenden Vorurteile Karriere machen können. Oder, wie Frauen im Recht aus traditionellen Geschlechterrollen ausbrechen können. Aber vor allem, wie können wir es heute gemeinsam schaffen, dass Frauen und Männer erfolgreich zusammenarbeiten, ja, eine erfolgreiche diverse Unternehmenskultur erfüllen.

 

In anderen Worten: Wenn Derartiges nicht nur einfach Gesprächsthema einer Frauenrunde oder am Stammtisch ist, sondern von einem namhaften Bildungsinstitut zum Ausbildungsthema gemacht wird, dann ist wohl wirklich noch viel zu tun, um der eingangs erwähnten Prognose auch nur annähernd in die Nähe zu kommen.

 

Das Thema Vorurteile, ob nun bewusst oder unbewusst, gewinnt aber noch eine ganz besondere Bedeutung, wenn die sogenannten neuen Medien oder virtuellen Netzwerke im Spiel sind, die es vor 15 oder 20 Jahren gar nicht gab. Wie Frauen oder Männer sich in diesen neuen Medien und virtuellen Netzwerken präsentieren, wird oft nicht vorurteilsfrei gesehen. Zum einen, weil Unbekanntes und Neues immer auch mit Vorurteilen behaftet ist, zum anderen, weil althergebrachte Vorurteile auch noch Generationen nachwirken.

 

Die australische Universitätsprofessorin Margaret Thornton https://researchers.anu.edu.au/researchers/thornton-mr hat uns im Rahmen unserer Women in Law Konferenz in Wien im Jahr 2019 ein sehr einfaches aber sehr eindeutiges Beispiel dazu erläutert: Stellen Sie sich das übliche Einstellungsgespräch vor. Neben beruflichen Qualifikationen wird auch kurz über private Interessen gesprochen. Der männliche Bewerber erzählt ihnen, dass er eine große Familie mit fünf Kindern hat. Sie denken, das ist ein Bewerber, der im Leben steht, privat Verantwortung übernommen hat und dies auch sicher in unserem Unternehmen tun wird. Die gleiche Situation nun mit einer weiblichen Bewerberin: Sie überlegen kurz und sagen sich, ob diese Frau wohl die Betreuungssituation mit ihren fünf Kindern im Griff haben wird? Unbewusste Vorurteile führen zu Diskriminierung und unweigerlich dazu, dass die Betroffenen Job- und Karrierenachteile zu erwarten haben.

 

Eine junge Anwältin, die sich in ihrem Instagram Profil als sehr exklusiv und nobel gekleidete Frau präsentiert mag vielleicht auch derartig unbewusste Vorurteile beim Besucher ihres Instagram Profils hervorrufen, wie: Was hat sie denn außer der hübschen Kleidung und ihrem guten Aussehen überhaupt zu bieten als Anwältin? Solche Vorurteile sind angesichts der heute üblichen Kommunikationsschienen unangebracht und lassen sich auch dadurch bekämpfen, dass man die Kollegin persönlich kennenlernt und sich auch sonst von ihren fachlichen Qualitäten im Recht überzeugt. www.pli.edu/programswomen-lawyers-in-leadership

 

Als Obfrau des Wiener Vereines Women in Law – Frauen im Recht –  liegt mir erfolgreiche Diversität im Anwaltsberuf sehr am Herzen und damit viele erfolgreiche Frauen im Anwaltsberuf in Österreich. Wie auch schon im Rahmen der ersten internationalen Konferenz des Wiener Vereines Women in Law - Frauen im Recht (www.womeninlaw.info) werden wir uns auch bei der zweiten internationalen Konferenz im September 2021 ganz intensiv dem Thema BIAS ( Vorurteile) im Berufs- leben widmen, um von unseren (internationalen) Vortragenden zu lernen, wie wir mit bewussten wie unbewussten Vorurteilen besser umgehen können.