Frauen in Rechtsberufen


FRAUENTAG. Auch der ÖRAK hat das Thema aufgegriffen. Am 6. März als Round-Table unter dem Titel „Ready to go! Das Selbstverständnis der Frauen im Rechtsanwaltsberuf – erfolgreiche Role-Models“.

Ein zunehmend schwieriges Ritualdatum. Je stärker sich das Bewusstsein entwickelt, in welch hohem Maße Frauen in Sachen Karriere und Bezahlung benachteiligt werden, umso schärfer schauen Frau und Mann auf Veranstaltungen zum Thema. In Anlehnung an den Kommunikationsforscher Paul Watzlawick lautet das verzweifelte Motto landauf landab:

„Man kann nicht nichts machen“.

So trafen sich zum „Round Table“ abgebrühte Kämpferinnen, die jeden Männertrick kennen, strahlende „Role-Models“ in einer Mischung aus „Seht her, bei mir funktioniert’s super“ oder „den Männern müssen wir mal ordentlich einheizen“ und Nachwuchsjuristinnen, die vieles an der männlich strukturierten Juristenlandschaft einfach nicht glauben können oder wollen.

 

Interessantes Strategie­Spektrum

Am kantigsten formulierte es „Role Model“ Mag. Katharina Braun: „Für mich ist der Frauentag ein Frauen-Kampf-Tag, weil die Gleichstellung noch immer nicht erreicht ist.“

Und kämpferisch blieb sie auch gleich mit der Forderung zum Aufstand gegen den „AMS-Algorithmus“, der so programmiert sei, dass kindererziehende Frauen benachteiligt würden. Ihre Kollegin Mag. Kathrin Schuhmeister, Rechtsanwältin in Schwechat, berichtete zwar von ihrem Konkurrenzvorteil als Frau im Familienrecht („Wir haben hier ein etwas besseres Gespür“), meinte grundsätzlich aber: „Als Frau muss man sich mehr behaupten.“

Wirtschaftsanwältin Dr. Esther Sowka-Hold beschrieb, dass sie nach ihrer geplanten Rückkehr aus der Kinderpause in ihrer früheren Kanzlei unerfreuliche Hürden vorfand, die sie durch ein neues Kooperationsmodell mit anderen Fachkollegen umging.

Mag. Carmen Thornton präsentierte ihr erfolgrei-ches Berufs-Modell der Kombination aus Familienrechtsanwältin und aktiver Nutzerin verschiedener Social-Media-Kanäle und Publikationsmöglichkeiten.

Die aus Berlin angereiste habilitierte und auf Umweltrecht spezialisierte Anwältin Dr. Birgit Spießhofer berichtete von demütigenden persönlichen Erfahrungen in Wirtschaftskanzleien und freute sich über die fürs weibliche Geschlecht im Rechtsberuf erfolgreichen letzten 10 Jahre. Gleichzeitig stellte sie resignierend eine relativ neue Gegenbewegung fest: „Traurig ist, dass es wieder viele junge Frauen gibt, die nicht mehr kämpfen.“

 

Der bunte Strauß an Diskriminierungen

Die Diskussion des „Round Table“-Treffens brachte Diskriminierungen und Schlechterbehandlungen in allen Bereichen, wo Frauen im Recht arbeiten, zutage. Da hörte man von einer Länderanwaltskammer, die ihren Mitgliedern offiziell empfiehlt, den Konzipientinnen nicht mehr als 1.200 Euro netto im Monat zu bezahlen, da berichtete eine Kanzleileiterin von Juristinnen, die höhere Gehälter forderten, aber kommentarlos nicht bekamen, da erzählte eine steirische Anwältin, wie sie trotz raschester Ausbildung mit Bestnoten und höchster Qualifkation auf praktisch jeder Karrierestufe diskriminiert wurde…

Nicht ohne Frust in der Stimme erklang die Forderung, der ÖRAK möge von der Wirtschaftskammer lernen, die Frauen medial besser zu vermarkten. Und auch innerhalb der Standesvertretungen – so hörte man – sei die Frau noch ein weitgehend unbekanntes Wesen. Um hier eine Änderung herbeizuführen forderte eine der Teilnehmerinnen die Einführung einer Frauenquote für die Standesvertretungen. Bei allem Selbstbewusstsein, das die anwesenden Frauen persönlich ausstrahlten, blieb insgesamt der Eindruck, dass noch einige Frauentage ins Land ziehen werden, bis auch nur ein Teil der Nachteile aufgeholt sind, die „Frauen im Recht“ momentan noch erleben.