Wenn Anwälte um ihr Honorar streiten

Wenn die Honorarnote einlangt, können sich immer mehr Mandanten auf einmal nicht mehr an die vereinbarten Leistungen erinnern, oder sie fühlen sich übervorteilt und zweifeln die Höhe des Honorars an. Auch wenn offizielle Zahlen fehlen – die Zahl der Honorarstreitigkeiten ist in den letzten Jahren gestiegen und damit die Zahl der Rechtsanwälte, die sich an einen Honorarrechtsspezialisten wenden. Wie etwa an Michael Kutis und Sebastian Mahr, die bei PHH Rechtsanwälte schon zahlreiche Honorarstreitigkeiten für Mandanten abgewickelt haben.

 

Wie hoch ist das Risiko für Honorar­streitigkeiten bei Rechtsanwälten?

 

Kutis: Das hängt stark von der Mandantenstruktur ab. Wenn ich vorrangig langjährige Kun­den im Bereich Corporate betreue, dann ist das Risiko deutlich geringer als bei Einzelprojekten. Und Verfahren, die unter Versicherungsdeckung geführt werden, sind risikoärmer als Verfahren ohne diesen Versicherungsschutz.

 

Mahr: Das höchste Risiko haben Anwälte bei Causen, die auch für den Mandanten risikoreich sind, bei Mandanten ohne inländischen Sitz oder Strafverfahren. Und je höher das Honorar, desto häufiger kommt es zum Streit darüber.

 

Was sind die häufigsten Gründe, warum Mandanten nicht zahlen wollen?

 

Kutis: Im Prinzip gibt es zwei Hauptmotive. Das erste ist schlichtweg fehlendes Geld. Wenn dem Mandanten das Geld ausgeht oder die ur­sprünglich geplante Kostenstruktur deutlich überschritten wurde, dann versuchen die Mandanten überall einzusparen, also auch beim Anwalt. Das zweite Motiv ist, dass die Erwartungen über die Höhe des Honorars beim Mandanten deutlich niedriger ist als die tatsächliche Rechnung.

 

Mahr: Das kommt relativ oft vor, weil die Man­danten die Arbeit des Anwalts nicht sehen. Sie bekommen beispielsweise ein Schriftstück mit zwei Seiten, können aber den Rechercheaufwand nicht abschätzen. Oder wenn eine Leistung die Mitwirkung mehrerer Sachbearbeiter erfordert, dann fragen sich viele, warum so viele Personen notwendig waren. Die Leistungen dahinter wer­ den von vielen Anwälten nicht immer ausrei­chend kommuniziert, sodass sich die Mandanten dann übervorteilt fühlen.

 

Die Rechtsanwaltskammer Wien bietet eine eigene Schlichtungsmöglichkeit an. Was ist der Vorteil, wenn sich betroffene Anwälte an Honorarrechtsexperten wie bei PHH Rechtsanwälte wenden?

 

Kutis: Die Rechtsanwaltskammer hat nur zwei Möglichkeiten. Sie kann auf Antrag des Anwalts oder Mandanten prüfen, ob die Honorarnote den tariflichen Anforderungen entspricht. Und sie kann bei schwelendem Honorarstreit eine Schlichtung anbieten. Aber überall dort, wo bereits die Fronten zwischen Anwalt und Mandant verhärtet sind, kann sie kaum eine Klärung herbei­führen. Das sind aber häufige Fälle. Wir bieten eine um­fassende Beratung an und übernehmen Präven­tionsberatung genauso wie strittige Verfahren.

 

Wie können Rechtsanwälte Honorarstreitigkeiten vermeiden?

 

Mahr: Je klarer Vollmachten und Honorarver­einbarungen von vornherein sind, desto weniger wird hinterher gestritten. Am Beginn eines Man­dats sollte daher immer ein Honorargespräch stehen, in dem Stundensätze, Taktung, inklu­dierte Leistungen, Fremdkosten sowie beispiels­weise die Verrechnung von Wegzeiten vereinbart werden.

 

Was sind die häufigsten Fehler von Rechtsanwälten bei Honoraren?

 

Kutis: Oft unterscheiden Rechtsanwälte nicht, ob der Mandant Verbraucher oder Unternehmer ist. Bei Konsumenten gilt etwa das Transparenz­gebot. Für den Mandanten muss deutlich er­kennbar sein, welche Konsequenzen die Verein­barungsklauseln haben. Wenn etwa eine vom Tarif abweichende Bemessungsgrundlage vereinbart wurde, dann muss der Mandant darüber aufgeklärt werden, dass der Kostenersatz bei Gericht nur der Tarif, also oft niedriger ist.

 

Mahr: Es kann aber auch sein, dass eine Hono­rarvereinbarung vor Gericht nicht hält, weil sie unwirksam ist. Wenn beispielsweise ein Anwalt eine Kostenschätzung abgegeben hat, dann muss er sich daran orientieren und kann nicht einfach ein höheres Honorar abrechnen. Als sit­tenwidrig gilt außerdem, wenn die Taktung der Zeiteinheiten zu groß oder die Honorarhöhe an die Höhe des erstrittenen Betrages gekoppelt ist.

 

Kutis: Oft sind es aber nur Ungenauigkeiten oder Unschärfen, wie ein lückenhafter Auftrag oder unzureichende Leistungsaufzeichnung. Der Klassiker: Telefonate werden nicht oder nur sporadisch dokumentiert. Wird dann die Leistung erst zu einem späteren Zeitpunkt, nach Abschluss des Mandats, ausgewiesen, dann können sich oft weder Mandant noch Anwalt an die Details erinnern. Dabei gilt: Je lücken­loser die Dokumentation, desto besser kann ein Anwalt seine offenen Forderungen vor Ge­richt durchsetzen.

 

Warum sollten sich Rechtsanwälte bei offenen Honorarforderungen nicht selbst vertreten?

 

Mahr: Ärzte sollten sich ja auch nicht selbst behandeln. Genauso ist es bei Rechtsanwälten. Man hat in eigenen Angelegenheiten nicht die notwendige Distanz, um die Rechtslage objektiv einzuschätzen.

 

Kutis: Ein Honorarprozess kann ein großer Aufwand sein. Wenn über ein Jahr Leistungen er­bracht wurden, dann kann die Dokumentation leicht mehrere Aktenordner füllen. Diese Zeit nimmt man sich oft nicht für die eigenen Angelegenheiten. Außerdem fehlt meist auch eine ausreichende Erfahrung im Honorarrecht. Häufig sind genaue Kenntnisse der tariflichen Ab­rechnung und damit Experten, wie sie PHH an­ bieten kann, erforderlich.

 

Was raten Sie Rechtsanwälten konkret, wenn Kunden die bereits erbrachte Leistung nicht bezahlen wollen?

 

Mahr: Von vornherein rate ich, schon der Hono­rarnote detaillierte Leistungsaufstellungen bei­zulegen, aus denen der Aufwand hervorgeht. Bei auftretendem Konflikt sollte ein klärendes Gespräch über die Leistungen und die Höhe des Honorars gesucht werden. Wenn das nichts bringt, dann sollte das Mandat unverzüglich zurückgelegt und der Honoraranspruch betrie­ben werden.