IM KAFFEEHAUS

KULTURGUT. Eine der markantesten kulturellen Eigenheiten Österreichs ist sicher das Kaffeehaus. Mit Wiener Exemplaren dieses Kulturguts beschäftigt sich Foto-Künstler Sepp Dreissinger. Dass er daneben auch großartige Interviews führt macht sein Buch zu einem „must have“.

 

„Als Wirt bin ich Pfarrer und Arzt in Personalunion“ sagt Hanno Pöschl, der zusätzlich auch noch Schauspieler und Wirt in einem ist. Im Gespräch stellt er zufrieden fest, dass Starbucks in Wien nicht wirklich landen konnte. Trotzdem, meint er, leide die Wiener Kaffeehauskultur an Erinnerungsschwund: „Der Kapuziner heißt jetzt in der Verballhornung Cappuccino. Er war aber eigentlich etwas anderes, ein dunkler Brauner, und hatte die Farbe einer Kapuzinerkutte.“

 

Wiener Kultur-Panorama

Das Buch „Im Kaffeehaus“ präsentiert, fast möchte man sagen „wertvolle“ Begegnungen – im Wort und Bild. Heroen des Kulturlebens wie Joe Zawinul, Sophie Freud, Ernst Fuchs, die Brüder Hawelka, Marcel Prawy oder Manfred Deix erscheinen im fotografischen Rückspiegel. Aktive Akteure wie Paulus Manker sind um knackige Statements nicht verlegen: „Ich treffe niemanden, ich werde getroffen!“ meint er.

Teddy Podgorski: „Ohne das Gutruf wären wir unterstandslos“. Robert Schindel: „Ich brauche immer ein bisschen Gewurl um mich herum.“

 

Skurrile Begegnungen

Natürlich gehören Wiener Kaffeehaus und Wiener Schmäh untrennbar zusammen. Man denke nur daran, was ein durchschnittlich mundfertiger Ober den guten langen Tag herausschiebt. Aber auch souveräne Auftritte von Kaffeehausinhabern sind keine Seltenheit. Herta Hawelka über Paul Wittgenstein: „Einmal kam er am Abend – das Geschäft war gerade bummvoll – gestikulierend in unser Café. Ich weiß nicht mehr genau, was er sagte, aber ich weiß noch, dass meine Mutter zum Ober sagte:‚Der Wittgenstein kann gleich wieder gehen.‘“