Buchtipp:

Leere Schulen,

volle Altersheime

DIE MACHT DER DEMOGRAFIE. Der britische Demografieforscher Paul Morland gibt einen umfassenden Einblick in die Gesetze des Bevölkerungswachstums und die Folgen für Regionen, Kontinente und die ganze Welt. Speziell lesenswert in Ländern, die sich massiv gegen Einwanderung wehren.

 

Das Schöne an diesem Buch: Glasklare Argumentation, verständliche Sprache, faktensichere Beweisführung. Paul Morland vom Birbeck-College der Universität London legt mit „Die Macht der Demografie“ ein Werk vor, das umfassend informiert und dokumentiert.

„Bevölkerung muss im Verbund mit anderen kausalen Faktoren verstanden werden, als da sind technologische Innovation, wirtschaftlicher Fortschritt und sich wandelnde ideologische Überzeugungen“ schreibt der Autor in der Einleitung. Das umständehalber umfangreiche Zahlenwerk des Buches beginnt zu Zeiten relativ dünner Besiedelung: Im Jahr 47 n.Chr. lebten im Römischen Reich, das sich über mehr als 30 heutige Länder erstreckte, rund 50 Millionen Menschen, ein Fünftel der damaligen Weltbevölkerung.

1837 zählte die Welt bereits eine Milliarde Menschen, 200 Jahre später werden es deutlich über acht Milliarden sein. Nach zwei Jahrhunderten extremen Bevölkerungswachstums tritt derzeit eine deutliche Abkühlung ein, bis hin zur Erwartung, dass der Zuwachs gegen Ende dieses Jahrhunderts zum Stillstand kommen wird.

 

Änderung der Wachstums-Zonen

„1950 standen statistisch jedem Bewohner Afrikas südlich der Sahara zwischen zwei und drei Europäer gegenüber. Im Jahr 2100 wird es mit einiger Wahrscheinlichkeit sechs oder sieben Mal mehr Afrikaner als Europäer geben.“

Die Stagnation des Bevölkerungswachstums speziell in Europa führt zur Überalterung: „Die rasche Zunahme des Durchschnittsalters einer Gesellschaft bedeutet leere Schulen und volle Altersheime. Auch besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der allgemeinen Friedfertigkeit der Schweiz und der Tatsache, dass der durchschnittliche Bewohner der Schweiz älterist als 40 Jahre. Mit entsprechend großer Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, dass die Gewalt im Jemen mit der Tatsache in Verbindung steht, dass das Durchschnittsalter der Menschen dort unter 20 Jahren liegt.“ 

 

Das ewige Migrations-Misstrauen

Paul Morland formuliert grundsätzlich: „Es gibt nur drei Dinge, die die Anzahl der Menschen in einer Region oder einem Land zu verändern vermögen. Das sind erstens Geburten, die für Bevölkerungszuwachs sorgen. Zweitens Todesfälle, die das Gegenteil bewirken. Und der dritte Faktor ist die Migration, also die Nettowanderung von Menschen in die betroffene Region oder aus ihr heraus.“

Im Zusammenhang mit dieser „demografischen Physik“ tauchen in der Geschichte, wie der Autor interessant dokumentiert, immer wieder die Sorgen um das Verschwinden der eigenen Population auf. Beispiel „weiße Rasse“. Die ganz harten Ideologen dieses Themas seien nicht in Europa, sondern in den USA anzutreffen gewesen. Als Beispiel nennt Morland amerikanische Einwanderungsbeschränkungen nach dem Ersten Weltkrieg, die sich speziell gegen die Migration aus Süd- und Osteuropa richteten.

 

Die Bevölkerungstrends der Zukunft

Paul Morland skizziert drei wesentliche Tendenzen, die die demografische Entwicklung beeinflussen werden: mehr grau, mehr grün, weniger weiß. Die dynamisch fortschreitende Alterung der Gesellschaft wird uns in ruhigere politische und wirtschaftliche Fahrwasser führen, meint er. Die umweltschädigenden wirtschaftlichen und privaten Aktivitäten der Weltbevölkerung werden einen Punkt erreichen, an dem auch die härtesten Leugner des Klimawandels einknicken. Dass die Hautfarbe weiß am Ende dieses Jahrhunderts ein elegantes Nischendasein führen wird ist ebenso sicher wie die ansteigende Dominanz Afrikas.

Besonders neugierig macht Paul Morland auch auf die bevorstehenden Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie: „Wie sähe die globale Demografie aus, wenn der Alterungsprozess umkehrbar wäre und die Menschen mehrere Jahrhunderte leben könnten?

 

Aufregende Frage.