Legal Technology bewegt die Rechtsbranche und die RAK Wien

 

 

 

 

 

 

Mag. Sabine Schuh, BA MA Kammeramtsdirektorin der RAK Wien

Das Zeitalter der Digitalisierung schreitet in großen Schritten weiter voran und macht auch vor der Rechtsbranche nicht halt. Diesem Umstand tragen mehrere Rechtsanwaltskanzleien Rechnung und haben das „Legal Tech Hub Vienna“ gegründet. Mit Unterstützung der Rechtsanwalts­kammer Wien fand zudem am 7. November 2018 die Future-Law Legal Tech Konferenz im Park Hyatt Wien statt, bei der die „Lessons Learned“ bei der Einführung des

elektronischen Akts in der Rechtsanwaltskammer Wien vorgestellt wurden.

 

Die Fakten

Im Jahr 2016 wurde mit der Planung des Projekts „EDVneu“ begonnen. Die eigentliche Projekt-phase dauerte von Herbst 2016 bis November 2017. Die Umstellung auf die neue Software-Lösung (mit Ausnahme des eATHB) erfolgte mit 4. De-zember 2017. Der elektronische Akt der Rechtsanwaltskammer feiert somit seinen ersten Geburtstag. Die Herausforderdungen bei der Planung waren vielfältig, beginnend bei technischen, rechtlichen, wirtschaftslichen aber auch arbeits- und organisationspsychologischen Herausforderungen, die stetig ineinander griffen. Besonders die Umstellung im Bereich der Arbeitsprozesse barg jede Menge Unwegsamkeiten. War das Alt-System lediglich ein elektronisches Aktenregister, besteht nun im Neusystem die Möglichkeit, den Akt auch mit Dokumenten zu befüllen. Der Startschuss zum elektronischen Akt in der Rechtsanwaltskammer Wien wurde somit gelegt.

 

Fazit Stand der Umsetzung ELAK 2018

Im Bereich der Mitgliederverwaltung ist der elektronische Personalakt derzeit im Aufbau, ebenso wie die elektronischen Akten in den Abteilungen Approbation, Berufsüberwachung und Versorgungseinrichtung/Krankenversicherung. Die Beitragsvorschreibungen sind seit Beginn 2018 vollelektronisch erfasst, ebenso die Akten der Berufshaftpflicht- und der Großschadenversicherung. Die erste Abteilung, die nun bereits seit Jänner 2018 vollelektronisch geführt wird, ist die der Verfahrenshilfe. Ebenso wurde im Jahr 2018 im Bereich der Weisungen und Kostengutachten sukzessive auf den elekronischen Akt umgestellt. Auch im Disziplinarrat wurde begonnen, die Akten elektronisch zu führen. Für das elektronische anwaltliche Treu-handbuch ist 2019 die Umstellung geplant.

 

Lessons Learned

Der Umstieg per 4. Dezember 2017 entpuppte sich als ideales Datum, besser geeignet als der ursprünglich geplante 1. Jänner 2018, da es die Möglichkeit bot, gerade in den ersten Wochen den externen Support der Software-Firma noch intensiv vor den Feiertagen zu nutzen. Es zeigte sich, dass das Einbinden und die parallele Schulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Erfolgsfaktoren des Projekts darstellten. Ebenso zeigten sich erste Erleichterungen durch die Re-duktion der Schnittstellen in der Softwarelandschaft.

 

Aber wie bei jedem Projekt gab es auch Lessons Learned, die bei einer Neuaufsetzung noch verbesserungsfähig wären. Vor allem die hauptsächliche Orientierung am Status Quo der alten EDV-Lösung, die grundsätzlich die analoge Arbeitsweise unterstützte, stellte sich in den ersten Wochen in einigen Bereichen eher als bremsend als förderlich für die digitale Innovation heraus. Tatsache ist, dass sich die Rechtsbranche durch Legal Technology in neue Dimensionen bewegt. Die Rechtsanwaltskammer Wien begleitet diesen Trend nicht nur intern. So wurden in diesem Jahr Informationsveranstaltungen auch im Live-Stream-Format wie z.B. die DSGVO-Veranstaltung sowie die letzte "In Vino Veritas" - Veranstaltung, welche sich mit aktuellen standespolitischen Themen beschäftigt, abgehalten.

 

Eines ist klar: Spannende, innovative Felder tun sich auf, Arbeitsprozesse und Kompetenzanforderungen verändern sich. Mitgestalten der Zukunft war von jeher Ziel der Juristerei. Ganz in diesem Sinne und ihrem Credo "Stark für Sie" bringt sich die Rechtsanwaltskammer Wien auch in diesem Bereich ein.