"Mauerkelle & Richterhammer vereint im Stift Melk"

AWAK-Intensivseminar zu Rechtsfragen in Bau- und Immobilienprojekten

 

Niedergeschriebenes Baurecht gab es schon, als das altehrwürdige Stift Melk in seinen mittel­alterlichen Wurzeln in den Klosterfelsen „ge­pflanzt“ wurde. Es war aber freilich weit weniger komplex als jenes der Gegenwart. Um den Über­ blick zu behalten und am Ball zu bleiben, lud die Anwaltsakademie Anfang Oktober zum Intensiv­seminar „Vom Projekt zum Objekt: Baurecht – Bauvertragsrecht – Architektenrecht und vieles mehr!“

 

Nach der Eröffnung durch Dr. Michael Schwarz, Präsident der Rechtsanwaltskammer Niederös­terreich, zeigte sich sehr bald: Von der Planung bis zur Übergabe braucht es meist langen Atem. Besonders tief Luft holen ist vor einer Umwelt­verträglichkeitsprüfung empfehlenswert. Einblick in die Komplexität von UVP, Naturschutz- und Umweltrecht gaben die beiden Rechtsanwälte Hon.-Prof. Dr. Christian Schmelz und Dr. Michael Hecht.

 

Tückische Verträge …

Zu den vielen rechtlichen Aspekten, die ein Im­mobilienprojekt tangiert, gehört insbesondere das Vertragsrecht. Diesem war der zweite Seminartag gewidmet. Zu Beginn analysierte Rechts­anwalt Mag. Wilfried Opetnik, LL.M., den Architektenvertrag und seine Tücken. Dazu zählt die Frage, ob und welche Vertragsteile einem Werk- oder einem Bevollmächtigungsvertrag zuzurechnen sind und entsprechende Haftungen auslösen. Dazu präsentierte Mag. Opetnik, LL.M., aktuelle Judikatur des OGH und gab wertvolle Tipps für eine risikominimierte Vertragsgestaltung.

 

Auch Hon.-Prof. Dr. Irene Welser, tätig bei CHSH, setzt auf Konfliktvermeidung durch optimal gestaltete Bauverträge. In ihrem kurzweiligen Vortrag zeigte sie, wie ein schlanker aber wirksamer Vertrag zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer aussieht. Klarheit, Rechtssicherheit und Flexibilität sind ferner die Ziele des Bundes­vergabegesetzes 2017, über das Rechtsanwalt Prof. Dr. Michael Breitenfeld referierte. Die Re­form soll KMU den Zugang zu Vergabeverfahren erleichtern und öffentliche Gelder effizienter einsetzen.

 

… und friedliche Streitbeilegung

Freilich kann der beste Vertrag nicht immer ei­nen Konflikt verhindern. Aber für seine Lösung braucht es nicht gleich den Urteilsspruch eines Gerichts. Wie es anders geht, zeigte Rechtsanwalt Dr. Christoph Leon. Beim Collaborative Law Verfahren­ wird der Konflikt im Team mittels me­diativer Elemente und bestimmter Kommuni­kations- und Konfliktlösungstechniken geregelt.

 

Allerdings wird noch immer gerne und oft vor Gericht gestritten. Daher konnte Univ.-Prof. Dr. Michael Bydlinski, Hofrat des OGH, einen reichen Judikatur-„Schatz“ zum Baurecht vor den Teilnehmern ausbreiten. Die meisten Entscheidungen des OGH drehen sich dabei um Werklohn, Fälligkeit, Verjährung, Gewährleis­tung, ÖNORMEN, Warnpflichtverletzungen und Schadenersatz. Geschlossen wurde der Vortragsteil mit einem Einblick in die Bau ARGE nach der GesbR Reform und Tipps für einen steueropti­malen Bau. Für Rechtsanwaltsanwärter bot der Samstagnachmittag noch Workshops mit Bei­spielen aus der Schiedsgerichtsbarkeit und ei­nem Prozessspiel.

 

Trotz geballter Information kamen entspannen­de und unterhaltende Programmpunkte nicht zu kurz: Führungen durch das nächtliche Stift und den berühmten Garten sowie ein gemütlicher und kulinarisch ansprechender Abend auf Schloss Schallaburg rundeten das Programm des diesjährigen Intensivseminars ab.