Rechtsanwaltskanzlei: Was tun in der Krise?

RA DR. CLEMENS PICHLER, LL.M. UND ALEXANDRA PICHLER

BOOTCAMP für Rechtsanwälte, 2-Tages High Performance Training 16./17.10.2020, Wien Anmeldung und nähere Information unter www.pichler-management.com


Die aktuelle Krise hat auch die Rechtsanwälte schwer getroffen. Im Wesenlichen gibt es drei Bereiche zu beachten, denen jetzt besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden muss. Dann lassen sich auch die Chancen nutzen, die eine solche Situation bietet.  Wie sagte schon Winston Churchill: „Never waste a good crisis“.

 

Vorneweg: Eine Krise ist immer auch eine gute Gelegenheit, außerhalb des üblichen Kanzlei-Alltags das Unternehmen besser zu machen. Aus Angst vor klaren (und manchmal harten) Entscheidungen wird über manche Missstände ewig hinweggesehen. In Krisenzeiten werden aber genau solche Entscheidungen gefordert. Also eine gute Gelegenheit, sich von unliebsamen Geschäftsfeldern, mühsamen Mandanten oder falschen Mitarbeitern zu trennen oder überholte Werbeverträge endlich aufzukündigen. Als erste Maßnahme um das Überleben des eigenen Unternehmens (und damit der Arbeitsplätze) zu sichern, bedarf es aber eines anderen Schrittes.

 

Cash­Flow is King

Den Teilnehmern aus unseren letzten beiden Bootcamps für Rechtsanwälte, die sich unsere Ausführungen zu den sogenannten „Cash Buffer Days“ zu Herzen genommen haben, navigieren nunmehr relativ entspannt durch die Krise und können sich primär den daraus ergebenden Chancen widmen. Wer allerdings ohne Liquiditätsreserve von zumindest vier Monaten unterwegs ist, für den kommt dieser Ratschlag zu spät. Es muss aktuell damit gerechnet werden, dass angelaufene Honorare nicht oder zumindest vorläufg nicht gezahlt werden. Um Liquidität für die unbedingt notwendigen Bereiche (Haftpfichtversicherung, Kammerbeiträge, Gehälter, etc.) zu haben, muss jetzt jede Ausgabe genau auf den Prüfstand genommen werden. Jede Zahlung, die nicht unbedingt sofort getätigt werden muss, sollte aufgeschoben werden. Selbst wenn diese aktuell noch gezahlt werden könnte, kommt bei jedem Unternehmen der Zeitpunkt – wenn keine Zahlungen mehr reinkommen – an dem die wichtigsten Zahlungen nicht mehr getätigt werden können. Vereinbaren Sie mit allen Gläubigern (insbesondere bei Steuern und Sozialabgaben) Stundungen. Sollten Sie die Liquiditätsreserve nicht benötigen, können Sie immer noch zahlen. Umgekehrt, nutzen Sie die verhandlungsfreie Zeit, um ALLE Akten abzurechnen. Alles was jetzt noch reinkommt, wird Ihnen zusätzliche Liquidität verschaffen.  Sichern Sie sich langfristig Ihre Liquidität!

 

Führung

Wenn der Chef nervös wird, wird das ganze Team nervös. In der Krise ist Mitarbeiterführung noch viel wichtiger, weil den Mitarbeitern das Grundbe- dürfnis nach Sicherheit abhandengekommen ist.

Krisenregel Nr. 1: Zeigen Sie Präsenz. Wenn der Chef als Erster das Boot verlässt, verunsichert dies die Mannschaft extrem. Idealerweise reden oder telefonieren Sie mit allen Mitarbeitern täglich, zumindest aber mehrmals pro Woche, auch mit denen die in Urlaub oder Kurzarbeit sind.

Krisenregel Nr. 2: Nehmen Sie Ihren Teammitgliedern so gut wie möglich Angst und Stress. Das Mittel dazu ist konsequente und möglichst klare Kommunikation. Die Mitarbeiter sollen die von Ihnen gewählten Maßnahmen möglichst im Vorfeld mitgeteilt bekommen und nicht von plötzlichen Spontanaktionen überrascht werden. Die Mitarbeiter müssen den Sinn Ihrer Maßnahme erkennen und verstehen: Nämlich, dass diese Maßnahmen im Sinn der Gruppe (des Teams) ist um das Gefühl zu erhalten, dass die Krise für das Unternehmen überwindbar ist (wenn auch mit Schmerzen). 

Krisenregel Nr. 3: Halten Sie sich an die gesetzlichen Vorgaben und Empfehlungen. Was zu tun ist, ist zu tun. Ihre Mitarbeiter sind mit zahlreichen, unterschiedlichen Informationen versorgt – wenn sich Ihre Kanzlei nicht daranhält, wächst das Misstrauen. Nehmen Sie Sicherheitsbedenken Ihrer Mitarbeiter ernst und kommen Sie diesen soweit wie möglich entgegen. Die Mitarbeiter müssen sich auf die Korrektheit und Handlungsfähigkeit des Chefs verlassen können. Dennoch muss immer klar sein, dass die von Ihnen getroffenen Maßnahmen kein demokratischer Akt sind, sondern ausschließlich von Ihnen getroffen werden. Werden Sie unsicher, wird Ihr Team unsicher. Sind Sie ruhig, wird Ihr Team ruhig.

 

Chancen nutzen

Wenn Liquidität sichergestellt ist und Ihre Mitarbeiter gut geführt werden, können Sie sich um die Chancen dieser Krise kümmern. Es hat nicht lan- ge gedauert, bis die ersten juristischen Beiträge zu den aktuellen Problemen in Interviews, auf Websiten und in den sozialen Medien geteilt werden.

Suchen Sie sich Ihre Zielgruppe (Unternehmer, Selbstständige, Arbeitnehmer, Vermieter, Mieter oder was auch immer) und fnden Sie deren aktuelle, juristischen Probleme. Nutzen Sie Kontakte zu Ihrer Zielgruppe und versetzen Sie sich in diese hinein, damit Sie möglichst exakt deren Probleme und das konkrete juristische Bedürfnis erkennen. Treten Sie mit Ihren juristischen Ratschlägen auf Ihren Online-Kanälen ( Website, Facebook, LinkedIn, etc.) in Vorlage und stellen Sie diese kostenlos zur Verfügung. Niemand mag Anwälte, die nur verkaufen wollen. Achten Sie zuerst darauf, was Sie an kostenlosem Mehrwert Ihrer Zielgruppe zur Verfügung stellen können. Solche Artikel werden zwischen den Betroffenen gerne auch weiterempfohlen oder auf Facebook, LinkedIn oder per WhatsApp geteilt. Ist erst das Vertrauen in Sie und Ihre Kompetenz aufgebaut, werden Sie später im Ernstfall auch beauftragt.

Durch die Krise werden bestimmte juristische Geschäftsfelder verschwinden, aber auch neue auftauchen. Entwickeln Sie ein Gespür für die Marktbedürfnisse. Dann werden Sie erfolgreicher denn je aus der Krise hervorgehen. Angeblich wurden auch 80% der Fortune 500-Unternehmen in einer Krise gegründet.

Wer sich näher für die Themen Cashfow, Führung oder Kanzlei-Marketing interessiert, kann beim nächsten Bootcamp für Rechtsanwälte am 16./17.10.2020 in Wien teilnehmen.

Infos und Anmeldung: www.pichler-management.com