Warum brauchen wir Role Models?

In Österreich gibt es per Stichtag 31.12.2019 6.667 RechtsanwältInnen (98 davon sind niedergelassene europäische RechtsanwältInnen) und 2.337 RechtsanwaltsanwärterInnen. Rund 23 Prozent der Rechtsanwälte und 50 Prozent der Rechtsanwaltsanwärter sind Frauen (https://www.rechtsanwaelte.at/ strukturen-daten-fakten/).

 

In der einen oder anderen Form hatten alle diese 5134 Rechtsanwälte und 1533 Rechtsanwältinnen ihre Vorbilder, die prägend für ihre jeweiligen Karrieren waren. Offenbar waren weibliche role models in der Anwaltschaft bisher weniger überzeugend oder schlicht nicht sichtbar.

 

Prägende Vorbilder

Schon von klein auf werden wir durch unsere Vorbilder geprägt oder versuchen die Rollen unserer Role Models zu spielen. Dabei zeigt sich, dass es gar nicht notwendig ist, eine bestimmte Person in allen ihren Einzelheiten großartig zu finden. Es sind oft nur einzelne Aspekte der Persönlichkeit oder der betreffenden Karriere, die mich motiviert haben, meinen Weg zu gehen. Manchmal ist es das genaue Gegenteil: Wir nehmen besonders schlechte und abstoßende Eigenschaften wahr, um unseren eigenen, hoffentlich besseren Weg zu finden.

Mein weibliches Role Model in der Anwaltschaft aus meinem persönlichen Umfeld war und ist bis heute meine englische Kollegin Lisa Bolgar Smith, Solicitor in London. Sie arbeitet in einem ganz anderen Fachgebiet als ich. Mich fasziniert ihre ausgeglichene Haltung am Verhandlungstisch und im Gerichtssaal und als starke und einflussreiche Partnerin ihrer Anwaltssozietät. Kurz zusammengefasst charakterisiert: „Sie hört genau zu, versetzt sich in ihre Gesprächspartner und weiß ganz unaufgeregt, aber gekonnt zu überzeugen. Und sie vergisst nie, eine fähige Person an ihrer Seite bei ihrem nächsten Erfolg mitzunehmen.“ Mit diesen Fähigkeiten hat sie nicht nur ihren Klienten echten Mehrwert geschaffen, sie hat auch ihre Sozietät ganz grandios durch die besonders in London in der Anwaltschaft spürbare Wirtschaftskrise 2008/2009 geführt. Ihr heutiges Team ist divers und durch sie und mit ihr so richtig erfolgreich: 18 Frauen und 17 Männer unterschiedlicher Kulturen unterstützen sie bei den Anforderungen multikultureller persönlicher und finanzieller Trennungen ihrer Klienten.

 

Es geht: Beruf und Mutter

Dazu hat sie noch drei sehr wohlgeratene Kinder. Das ist ein wichtiger Aspekt, wenn es um weibliche Role Models für Frauen geht: Die meisten Frauen wollen auch einmal eine Mutterrolle ausfüllen und Frauen in der Ausbildung zur Anwältin wollen wissen, wie Kinder und Beruf vereinbar sind.

Was macht Lisa für mich als Role Model so besonders: Sie ist eben nicht nur die erfolgreiche Vorzeigeanwältin. Sie verhilft auch anderen zum Erfolg und fördert damit gerade auch Frauen der nächs- ten Anwaltsgeneration.

Als Obfrau des Wiener Vereines Women in Law – Frauen im Recht liegt mir erfolgreiche Diversität im Anwaltsberuf sehr am Herzen und damit viele erfolgreiche Frauen im Anwaltsberuf in Öster- reich. Mit unserer Initiative www.womeninlaw. info wenden wir uns an Frauen in allen Rechtsberufen, um uns zu vernetzen und vor allem voneinander zu lernen und um gemeinsam mit unseren male allies neue Wege der Zusammenarbeit zu finden.