Eine repräsentative Inhouse-Umfrage 2025 spricht Bände:
• Fast ein Viertel der Rechtsabteilungen akzeptiert keine höheren Stundensätze mehr.
• Mehr als ein Drittel fordert klarere Risikobewertungen und ein deutlich stärkeres Branchen- und Unternehmensverständnis seitens der Kanzleien.
• Fast die Hälfte erwartet Entlastung durch Legal-Tech-Lösungen ihrer externen Berater.
Diese Ergebnisse zeigen deutlich: Die Erwartungen an externe Kanzleien steigen, während gleich zeitig die Bereitschaft, dafür mehr zu bezahlen, sinkt. Genau darin liegt das zentrale Spannungsfeld, in dem Rechtsabteilungen arbeiten: Sie müssen mit weniger Budget mehr Wirkung erzielen.
Das „more with less“-Dilemma! Und weil dieser Effizienzdruck nicht nur die interne Arbeit betrifft, sondern die gesamte Wertschöpfungskette, professionalisieren Rechtsabteilungen auch ihre Zusammenarbeit nach außen.
Viele führen bereits für die eigene Leistung eine Performancemessung mittels Key Performance Indicators (kurz „KPIs“) ein und übertragen diese Logik zunehmend auch auf externe Kanzleien. Denn durch ein KPI-gestütztes Framework kann die Rechtsabteilung objektiv den Kanzleiservice bewerten. Die folgenden zehn Leistungskennzahlen bilden einen Bewertungsrahmen, der ein um fassendes Bild über den Kanzleiservice abgibt und je nach Bedarf natürlich erweitert oder vertieft werden kann.
1. Business-Understanding Score: Misst, wie gut die Kanzlei den Geschäftskontext, die Branche und die Unternehmensziele versteht; z.B. durch Vorgespräche, Briefings, Verständnis der Commercial Drivers.
2. Proactivity Score: Anzahl bzw. Qualität proaktiver Hinweise oder Vorschläge der Kanzlei (ohne Auftrag); z.B. auf Risiken, Vertragsoptimierungen, Compliance-Trends.
3. Communication Clarity Score: Wie klar, verständlich und „executive-ready“ sind die gelieferten Dokumente und Empfehlungen?
4. Outcome Alignment: Inwieweit stimmt das Ergebnis mit den ursprünglichen Business- oder Unternehmenszielen überein?
5. Response bzw. Turnaround Time: Gemessen wird die Zeit bis zur ersten qualifizierten Rückmeldung sowie die Dauer vom Mandatsstart bis zum finalen Ergebnis.
6. Deadline Compliance: Anteil der Mandate, bei denen vereinbarte Fristen eingehalten wurden.
7. Budget Predictability (Predictability Index): Anteil der Mandate, die innerhalb der im Vor hinein geschätzten Kosten geblieben sind.
8. Alternative Fee Usage Ratio: Anteil der Man date, die nicht „klassisch nach Stunden“ ab gerechnet werden.
9. (Legal)-Tech Adoption Score: Nutzung moderner (Legal)-Tech- oder KI-gestützter Tools durch die Kanzlei.
10. Team Diversity & Stability Ratio: Wie divers ist das Kanzlei-Team hinsichtlich Erfahrung, Fachrichtung, Hintergrund, Geschlecht oder Seniorität aufgestellt und wie stabil bleibt die Teamzusammensetzung über die Mandatsdauer hinweg?
Fakt ist: Wer heute als Kanzlei bestehen will, muss mehr liefern als juristisch korrekte Rechtsberatung. Rechtsabteilungen wollen Belege für Effizienz, Verständnis und Verlässlichkeit. KPIs dienen nicht nur der Kontrolle. Für Rechtsabteilungen ermöglichen sie eine fundierte Entscheidungsgrundlage: Welche Kanzlei ist wirklich ein strategischer Partner? Wer liefert konstant hohe Qualität? Und wer investiert in Technologi en, die künftig für Effizienzgewinne sorgen? Für Kanzleien wiederum sind KPIs eine Chance, den eigenen Wert sichtbar zu machen. Wer nachwei sen kann, dass er schnell reagiert, budgettreu arbeitet und echte Business-Relevanz liefert, hebt sich klar vom Wettbewerb ab. In einem Markt, in dem Stundensätze zunehmend hinterfragt werden, werden genau diese Faktoren zum USP. Und vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis: KPIs verändern we niger die Arbeit selbst als den Blick darauf. Sie machen sichtbar, was davor oft unausgesprochen blieb. Und genau darin liegt ihre Kraft. Denn nur wenn Erwartungen klar sind, kann Zusammenarbeit wirklich gelingen.
MAG. STEFANIE THUINER
fungiert derzeit als General Counsel
beim Logistik-Scale-up myflexbox und bietet im Rahmen der Legal Counsel Academy Weiterbildungsformate für Jurist:innen an.
Gemeinsam mit Katharina Bisset veranstaltet sie Workshops
zu alternativen Abrechnungsmodellen:
https://www.nerdsoflaw.com/noledge/#abrechnungsmodelle
