Fokus auf KMUs und Gemeinden

Mag. Johannes Sykora und Mag. Janine Koudela

AM PULS. Ein gutes Beispiel für die Kombination traditioneller anwaltlicher Werte und modernem Leistungsspektrum ist die Kanzlei HOFFMANN/SYKORA in Tulln und Wien. 2028 wird die Erfolgsgeschichte 60 Jahre alt. Mit den Schwerpunkten KMUs und Gemeinden gibt es reichlich zu tun. 

  Interview: Dietmar Dworschak

 

Anwalt Aktuell: Herr Magister Sykora, vor fünf Jahren haben Sie den Standort Tulln zum Hauptsitz der Kanzlei gemacht. Wien ist zwar Gründungsadresse, aber nicht mehr Zentrale. Ist das anwaltliche Leben am Lande attraktiver, eventuell auch vielfältiger?

 

Johannes Sykora: Vielfältiger ist es sicherlich, ganz einfach deshalb, weil in Wien viele Großkanzleien am Markt sind, die höchste Spezialisierung und Kompetenz bieten, die durch die hohe Anzahl von Anwälten erreicht werden kann. Wir leben in einer Zeit, in der für viele Fragen die Spezialisierung unverzichtbar ist. In anderen Bereichen ist es allerdings wichtig, den umfassenden Überblick über die ineinandergreifenden Rechtsmaterien zu haben. Diese materienübergreifende Beurteilung von an den Anwalt herangetragenen Fragen ist eine Kernkompetenz des Rechtsanwaltsberufes. Insofern ist die Anwaltsarbeit hier im Wiener Umland eine vielfältigere, als sie in Wien für den Einzelanwalt oder eine Kleinkanzlei sein kann.

 

Anwalt Aktuell: Bei Ihren anwaltlichen Lehrmeistern Braunegg und Hoffmann haben Sie solides Handwerk gelernt. Wie viel zählt das heute noch? Spüren Sie im Anwaltsgeschäft den allgemeinen Druck, schneller und billiger zu liefern?

 

Johannes Sykora: Schneller zu liefern, auf jeden Fall. Billiger zu liefern, weniger. Wir beteiligen uns an diesen Dumping-Entwicklungen eigentlich gar nicht. Wir sagen ganz klar, welches Honorar für welche Leistung verrechnet wird, und verrechnen das auch so. Die Kanzleigründer Braunegg und Hoffmann haben penibelst darauf geschaut, dass man das Anwaltshandwerk solide lernt und auch entsprechend lebt. Herr Doktor Hoffmann hat im vergangenen Herbst seinen 90. Geburtstag gefeiert. Wir treffen einander immer wieder, stehen in Kontakt. Es war und ist ihm nach wie vor ein großes Anliegen, dass das anwaltliche Standesrecht eingehalten und die hohe Qualität des Anwaltsberufs auch gelebt wird.

 

Anwalt Aktuell: Verstehe ich das richtig, dass Sie Ihre Leistungen fokussiert in Richtung klein und mittelständischer Unternehmen an bieten? Was braucht diese Klientel insbesondere hier in der Gegend?

 

Johannes Sykora: Als wir 2015 erstmals das Titelinterview geführt haben, da war die Headline: "Am Weg zur Nischenkanzlei". Ich glaube, man kann sagen, wir sind angekommen in der Nischenkanzlei. Wir haben kleine und mittlere Unternehmen, aber vor allem auch Gebietskörperschaften, Gemeinden als Klienten. Und die brauchen umfassende Beratung und Betreuung, ganz einfach deshalb, weil das rechtliche Umfeld in der Zwischenzeit so umfassend ist, dass das auch Sachbearbeiter in Rechtsabteilungen, vor allem von kleinen Unternehmen, oder Sachbearbeiter oder gar Juristen in Gemeinden so nicht mehr abdecken können. Da haben wir mit Frau Magister Koudela einen großen Vorteil. Sie hat bei uns bereits als Studentin angefangen, anschließend war sie Rechtsanwaltsanwärterin. Nach der Rechtsanwaltsprüfung ist sie dann etwas abtrünnig geworden und hat die Dienstprüfung zum Landesdienst gemacht, hat im Land Niederösterreich beziehungsweise am Landesverwaltungsgericht gearbeitet und höchste Kompetenz gesammelt, sodass wir diesen Bereich umso besser anbieten können und damit eigentlich ein Alleinstellungsmerkmal haben.

 

Anwalt Aktuell: Frau Magister Koudela, Sie sind jetzt biografisch gut eingeführt worden. Was ist Ihre Beratungsrolle hier in der Kanzlei?

 

Janine Koudela: Mein primärer Beratungsbereich sind die Gemeinden. Hier haben wir laufend Anfragen, die wir auch versuchen, sehr rasch, wie es die Gemeindearbeit tagtäglich erfordert, zu beantworten. Und ich sehe mich hier auch als wichtige Stütze für den Herrn Kollegen Sykora, der denselben Bereich ebenfalls bearbeitet. Wir ergänzen einander da sehr gut.

 

Anwalt Aktuell: Sind die Kommunen schlau genug, sich juristischen Rat vom Anwalt zu holen, oder glauben die, das geht noch do it yourself?

 

Johannes Sykora: Das kommt darauf an, muss man ganz ehrlich sagen. Es gibt tatsächlich einen Trend dahin, dass sich immer mehr Gemeinden beraten lassen, weil einfach die Fragestellungen komplexer werden. Allerdings sehe ich, dass vor allem die kleinen Gemeinden diesen Schritt noch nicht gegangen sind bzw. sich davor scheuen, sich eines Rechtsanwalts zu bedienen. Wir versuchen in diesem Bereich unsere Kompetenz anzubieten und in jenen Fragen zu beraten und zu begleiten, in denen es rechtlich zu heikel oder zu aufwändig für den Gemeindemitarbeiter wird

 

Anwalt Aktuell: Sie, Frau Magister, sind ja auf beiden Seiten geschult. Da gibt es sicher einiges zum Beispiel aus dem Verwaltungsrecht, mit dem Sie helfen können?

 

Janine Koudela: Ich glaube, dass unsere Kanzlei sicherlich ein sehr wertvoller Ansprechpartner für die Gemeinden ist, auch aufgrund meiner drei Jahre Erfahrung in der Verwaltung, zwei Jahre am Landesverwaltungsgericht, ein Jahr auf der Bezirkshauptmannschaft in Korneuburg. Ich weiß, wie es in der Praxis läuft, ich weiß, was die Anforderungen sind, und dementsprechend glaube ich, dass wir sehr gut und kompetent helfen können

  

Anwalt Aktuell: Es sind ja durchaus anspruchsvolle Aufgabenstellungen, die die Gemeinden zu bewältigen haben. Weiß man in den Amtsstuben eigentlich, wie zum Beispiel ein Bescheid formuliert und begründet wird?

 

Johannes Sykora: Grundsätzlich schon. Man muss auch sagen, es gibt Programme, die da unterstützen. Das sind aber Standardformulierungen. In dem Moment, wo das etwas diffiziler wird, in dem Moment, wo sensible juristische Kernfragen berührt werden, kommen eigentlich sehr viele Gemeinden beziehungsweise Gemeindemitarbeiter dann doch darauf, dass externe Hilfe durchaus von Vorteil ist. Das heißt nicht, dass man den ganzen Bescheid auslagert, aber dass man sich bei komplexen juristischen Fragen von externer Seite entsprechendes Know-how holt. Wir sind in ganz Niederösterreich unterwegs und haben mehrere Gemeinden, manche mit Dauermandaten, manche, wo einfach aufgrund der Mundpropaganda dann entsprechende Anfragen kommen und einfach nur Einzelfragen beantwortet werden müssen. Hier ist unser Blick auf die Vielfalt der Rechtsordnung von großem Vorteil, zumal durch hoheitliches oder privatwirtschaftliches Handeln der Gemeinde auch Rechtsfolgen ausgelöst werden, die weit vom eigentlichen Gemeinde- bzw. Verwaltungsrecht entfernt sind.

 

Anwalt Aktuell: Also man kann sagen, dass Sie teilweise schon die Rechtsabteilung von Gemeinden sind?

 

Johannes Sykora: Definitiv. Ich würde es niederschwellige Rechtsabteilung nennen.

 

Anwalt Aktuell: Eine ganz tolle Sache habe ich auf Ihrer Kanzlei Website gefunden: „Stadt des Miteinanders“. Da wirken Sie in Tulln mit, eine kostenlose Koordinationsstelle für Nachbarschaftskonflikte zu betreiben. Was geschieht da?

 

Johannes Sykora: Die Stadt des Miteinanders ist ein Herzensanliegen des Tullner Bürgermeisters, der hier versucht, diese soziale Komponente auf Gemeindeebene umzusetzen. Das ist ein Pilotprojekt europaweit. Die Grundidee war, dass Nachbarschaftsstreitigkeiten, die oft zu jahrelangen Dissonanzen und Problemen führen, möglichst am Anfang schon abgefangen werden. Der Bürgermeister hat sich erkundigt, ob es eine Möglichkeit gibt, dies mit entsprechen dem rechtlichen Know-how auf Anwaltsebene entsprechend zu begleiten. Da haben sich ein paar Rechtsanwaltskanzleien in Tulln bereit erklärt, zur Verfügung zu stehen. Nun gibt es einmal im Monat die Möglichkeit für Bürgerinnen und Bürger, im Rahmen einer Sprechstunde im Rathaus ihre Anliegen und Fragen zu formulieren und eine anwaltliche Beurteilung, ohne ein persönliches Interesse an einer Folgebeauftragung, zu erhalten. Dort steht ein Rechtsanwalt zur Verfügung und beantwortet das und versucht gleich, eine mediative Lösung anzubieten. Daraus entsteht diese Stadt des Miteinanders, und das wird bisher auch ganz gut umgesetzt. Wir haben das von Anfang an als Kanzlei mitbegleitet. Das ist eigentlich eine ganz interessante Sache, wo man mit menschlichen Problemen konfrontiert wird, die üblicherweise gar nicht zum Anwalt gelangen.

 

Anwalt Aktuell: Darf man aus Ihrer mediatorischen Tätigkeit für die Gemeinde schließen, dass Sie auch im Rechtsleben den Kompromiss suchen und nicht in erster Linie den ungewissen Rechtsweg?

 

Johannes Sykora: Da schließt sich jetzt wieder der Kreis zu den Kanzleigründern. Ich habe in der Kanzlei von Anfang an gelernt, dass es nicht unbedingt notwendig ist, jeden Rechtsstreit bis zur letzten Instanz durchzukämpfen, sondern eine wirtschaftlich und menschlich vernünftige Lösung für den Klienten zu finden und zu erarbeiten. Dementsprechend ist es mir auch ein Anliegen, wenn es Vergleichsmöglichkeiten gibt, dass man primär diese ins Auge fasst und so Auseinandersetzungen vorzeitig abschließt oder gar nicht bis zu Gericht bringt. Oft sind die Menschen zufrieden, wenn sie einen Kompromiss erreicht haben, ohne die finanzielle und nervliche Belastung einer gerichtlichen Auseinandersetzung auf sich nehmen zu müssen. Und es muss nicht jede Meinungsverschiedenheit „Im Namen der Republik“ entschieden werden. 

 

Anwalt Aktuell: Frau Magister Koudela, Sie haben jetzt beide Seiten kennengelernt. Sie haben auf Behördenseite Bescheide gemacht und sind dann wieder zurückgekehrt in die Rechtsanwaltskanzlei. Was ist spannender?

 

Janine Koudela: Definitiv die Arbeit in der Rechtsanwaltskanzlei. Es ist vielfältiger und vor allen Dingen auch juristisch anspruchsvoller. Die zwei Jahre am Landesverwaltungsgericht waren sehr interessant. Ich habe hier sehr viel mitgenommen und sehr viel gelernt. Das dritte Jahr dann, an der Bezirkshauptmannschaft Korneuburg, war juristisch nicht besonders fordernd, muss ich ehrlicherweise sagen. Ich bin sehr froh, jetzt wieder hier zu sein, wo es tagtäglich unterschiedliche Fragestellungen gibt. Diese Herausforderung ist für mich persönlich einfach der spannende Aspekt an der Arbeit.

 

Herr Magister Sykora, Frau Magister Koudela, danke für das Gespräch.